Beginnt Macho Trump den Dritten Weltkrieg?

Russlands Antwort auf US-Angriff in Syrien  Harsche Worte, aber kein RĂŒckschlag  Die USA haben mit Großbritannien und Frankreich Ziele des syrischen Diktators Assad mit Kampflugzeugen angegriffen. Dessen Schutzherr Wladimir Putin ließ den Westen gewĂ€hren, in Rußland wird der MilitĂ€rschlag kleingeredet.

Rußlands Antwort auf US-Angriff in Syrien Harsche Worte, aber kein RĂŒckschlag Die USA haben mit Großbritannien und Frankreich Ziele des syrischen Diktators Assad mit Kampflugzeugen angegriffen. Dessen Schutzherr Wladimir Putin ließ den Westen gewĂ€hren, in Rußland wird der MilitĂ€rschlag kleingeredet.

Rußlands Antwort auf US-Angriff in Syrien. Harsche Worte, aber kein RĂŒckschlag

Die USA haben mit Großbritannien und Frankreich Ziele des syrischen Diktators Assad mit Kampflugzeugen angegriffen. Dessen Schutzherr Wladimir Putin ließ den Westen gewĂ€hren, in Russland wird der MilitĂ€rschlag kleingeredet.

Wer in Rußland einen der staatlichen TV-KanĂ€le anschaltete oder eine der kremlnahen Zeitungen aufschlug, dem konnte angst und bange werden:

„Beginnt Macho Trump den Dritten Weltkrieg?“, fragte das Massenblatt Komsomolskaja Prawda vor wenigen Tagen. Im Staatsfernsehen wurde erklĂ€rt, welche Lebensmittel – und vor allem Wasser – man horten solle.

Nur einen Schritt entfernt lauert der Krieg gegen Rußland, ließ die Regierungszeitung Rossijskaja Gazeta ihre Leser wissen:

„Wird Amerika sich fĂŒr einen Schlag gegen Syrien entscheiden und einen ernsthaften Konflikt mit Rußland riskieren?“

Die von Rußland gesetzte rote Linie wurde nicht ĂŒberschritten:

  1. So wurden keine russische Basen oder Infrastruktur in Syrien getroffen. Die StĂŒtzpunkte bei Tartus und Latakia, der LuftwaffenstĂŒtzpunkt Hmeimim, blieben unversehrt, wie das russische Verteidigungsministerium erklĂ€rte. Generalstabschef Walerij Gerassimow hatte am 13. MĂ€rz 2018 deutlich gemacht: Ein Angriff des Westens werde nicht ohne Folgen bleiben, sobald russische Soldaten, die als MilitĂ€rberater in Syrien im Einsatz sind, dabei zu Schaden kommen. Wenn das Pentagon dem russischen MilitĂ€r vorab keine konkreten Zielkoordinaten wie von vor einem Jahr ĂŒbergab, war klar, nachdem US-PrĂ€sident Trump Rußland auf Twitter mit seinen „schönen, schlauen Raketen“ auf Syrien gedroht hatte, daß Amerika militĂ€risch eingreifen werde. Es blieb den russischen MilitĂ€rs also genĂŒgend Zeit, sich aus syrischen MilitĂ€rstandorten zurĂŒckzuziehen. Einheiten von Assads Armee sollen in den vergangenen Tagen Waffen verlegt haben. Zudem informierte die USA den russischen Generalstab kurz vor Beginn der MilitĂ€roperation ĂŒber deren Start. Rußland kontrolliert den syrischen Luftraum ĂŒber Syrien.
  2. Es gab es keinen direkten Angriff auf Moskaus SchĂŒtzling, Staatschef Baschar al-Assad. Der PrĂ€sidentenpalast in Damaskus wurde nicht attackiert.
  3. Es handelte es um einen einmaligen, begrenzten MilitĂ€rschlag. Putin hat somit keinen Grund, die Lage militĂ€risch eskalieren zu lassen, zumal der russische Syrien-Einsatz im Land nicht gerade beliebt ist. Einen direkten militĂ€rischen Zusammenstoß konnten Rußland und die USA auch dieses Mal in Syrien vermeiden. Beide – Trump, der mit seinem Raketen-Tweet vorgeprescht war, und Putin – können so ihr Gesicht wahren.

Die Frage ist, wie lange das noch gut gehen kann.

Der Syrienkrieg, aus dem sich Trump eigentlich rausziehen will, aber nicht kann, was der Luftangriff noch einmal demonstriert hat, wird sich womöglich endlos ziehen. Eine politische Lösung, wie sie Moskau mit militÀrischen Mitteln versucht zu erzwingen, ist fern. Eine Friedenskonferenz in Sotschi hat kaum Fortschritte erbracht. Ein Treffen von Trump und Putin, das man sich in Moskau irgendwie immer noch erhofft, scheint angesichts der Ermittlungen zur russischen Rolle wÀhrend des US-Wahlkampfs und den neuen Sanktionen Washingtons in der kommenden Zeit kaum realistisch.

Putin sorgt sich um die internationalen Beziehungen

Die politische Konfrontation hatte sich in den vergangenen Wochen durch den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und die gegenseitigen Strafmaßnahmen verschĂ€rft. Putin verurteilte in einer vom Kreml veröffentlichen ErklĂ€rung am Samstag die Luftangriffe scharf. Er sprach von einem „Akt der Aggression gegen einen souverĂ€nen Staat“, den er mit Vorgehen der westlichen Staaten gegen Jugoslawien, Irak und Libyen verglich.

Gleichzeitig versucht er sich nun in Kontrast zu Trump als besonnenen StaatsfĂŒhrer zu inszenieren, der sich auf das internationale Recht beruft und um die internationalen Beziehungen sorgt. Ein Schritt, der sich vor allem innenpolitisch erklĂ€ren lĂ€sst, prĂ€entiert sich Putin doch als der AnfĂŒhrer, der dem feindlichen Westen die Stirn bietet.

Im Westen aber sorgen solche ErklĂ€rungen angesichts der UnterstĂŒtzung von Assad, dem die Uno-Untersuchungskommission fĂŒr Syrien 27 Chemiewaffenangriffe seit Beginn des Syrienkrieges zulasten legt, der Annexion der Krim und dem Krieg in der Ostukraine ĂŒberwiegend fĂŒr KopfschĂŒtteln.

„Die aktuelle Eskalation der Situation rund um Syrien wirkt sich zerstörerisch auf das gesamte System der internationalen Beziehungen aus“, ließ Putin erklĂ€ren.

Die USA verschĂ€rften das Leid der Bevölkerung im Land, was zu noch mehr FlĂŒchtlingen fĂŒhre. Als zynisch verurteilte der russische PrĂ€sident den Umstand, dass die Experten der Organisation fĂŒr das Verbot der Chemiewaffen noch gar nicht in Duma zu arbeiten begonnen hĂ€tten.

Putin forderte eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats, der noch am Samstag tagte. Bisher hat Moskau in diesem Gremium jede Resolution gegen Syrien blockiert.

Moskaus sich widersprechende ErklÀrungen

Schrille Töne ĂŒberließ Putin am Samstag den Vertretern der zweiten und dritten Reihe. Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums, warf den drei westlichen Staaten vor, den Friedensprozess in Syrien zu gefĂ€hrden. Der Angriff sei zu einem Zeitpunkt geschehen, als Syrien endlich eine echte Chance auf Frieden bekommen habe. Allerdings fragt man sich, was Sacharowa angesichts der Bombardements von Assads Truppen in Ghuta mit Frieden genau meint. FĂŒr den mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma gebe es nach wie vor keine Beweise nur Medienberichte, sagte sie.

Moskau hatte den Chemiewaffeneinsatz erst einen „Fake“ genannt, um dann andere ErklĂ€rungen nachzulegen.

Am Freitag sprach Außenminister Sergej Lawrow dann von erdrĂŒckenden Beweisen, die belegen wĂŒrden, daß der Chemiewaffenangriff eine Inszenierung des Geheimdienstes eines Landes gewesen sei – es handele sich um den Staat, der derzeit eine russophobe Kampagne anfĂŒhre. SpĂ€ter nannte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dann Großbritannien beim Namen.

Rußlands Botschafter in Washington, Anatolij Antonow, meldete sich am Samstag als Erstes nach dem Ende des einstĂŒndigen MilitĂ€rschlags zu Wort, er drohte mit Konsequenzen. Eine ErklĂ€rung, die im Staatsfernsehen spĂ€ter kaum eine Rolle spielte.

Dort bemĂŒhte man sich den MilitĂ€rschlag kleinzureden, um deutlich zu machen, daß es sich allenfalls um einen symbolischen Angriff gehandelt habe, auf den es nicht wert sei zu reagieren, wie der Moskauer Außenpolitik-Experte und Publizist Wladimir Frolow es zusammenfasste.

Bilder von Erdkratern und TrĂŒmmern von MilitĂ€ranlagen aus Syrien wurden gezeigt. Tote habe es nicht gegeben, erklĂ€rte ein Reporter bei Rossija 24, nur fĂŒnf verletzte Zivilisten in Homs. General Sergej Rudskoj erklĂ€rte in Moskau, dass von den 103 abgefeuerten Marschflugkörpern und Raketen 71 vom syrischen MilitĂ€r abgefangen worden seien – und das mit ihrer Luftabwehr noch aus Sowjetzeiten. Inwieweit das stimmt, ist unklar. Das Pentagon erklĂ€rte, die syrische Systeme seien weitgehend ineffektiv gewesen. Die in die Jahre gekommene Luftabwehr ist zum Beispiel nicht in der Lage, relativ tief fliegende Cruise Missiles abzufangen.

Auf dem Bildschirm hinter Rudskoj zeigte das russische MilitĂ€r Bilder vom Verkehr aus Damaskus – ganz so, als ob nichts geschehen wĂ€re.

Zusammengefaßt: Mit Großbritannien und Frankreich haben die USA Ziele des syrischen Diktators Baschar al-Assad angegriffen.

Moskau, das die Kontrolle ĂŒber den syrischen Luftraum hĂ€lt, ließ den begrenzten MilitĂ€rschlag zu. Russische Basen oder Infrastruktur wurden nicht attackiert. PrĂ€sident Wladimir Putin verurteilte den Luftangriff als „Akt der Aggression gegen einen souverĂ€nen Staat“. In den Staatsmedien versuchte man die Bedeutung der Attacke runterzuspielen.

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