Münchner Porno-Tatort: Das arme Planschbecken

Münchner Porno-

Münchner Porno-„Tatort“: Das arme Planschbecken

Bayerischer Rundfunk hat mal wieder Lust auf einen Quotenrekord und dreht einen Tatort im Pornomilieu. Der ist nicht nur informativer als die meisten Aufklärungsfilmchen, sondern auch unterhaltsamer.

Sex sells

Und zwar in keinem anderen Land so gut wie in Deutschland:

12,4 % des globalen Pornokonsums findet in der Bundesrepublik statt…

  • … statistisch gesehen steuert jeder Deutsche 3 Mal pro Monat eine der 3 größten Pornowebseiten an.

Trotzdem soll es da draußen ja tatsächlich noch Menschen geben, die bei ATM an Geldautomaten denken. Nach dem Genuß von Hardcore werden es deutlich weniger sein, garantiert.

Ganz ohne Mord kommt ein Porno-Tatort nicht aus, daß „versteht sich von selbst“… Deshalb muß die junge Darstellerin Marie aka Luna Pink (Helen Barke) in einem großzügig geschnittenen und ziemlich sterilen Münchner Loft ihr Leben aushauchen.

Mit ihr im Raum: ein kleines rotes Planschbecken und das Sperma von 25 Männern.

Die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind verwirrt:

  • Wie sind die junge Frau und die halbe Samenbank dorthin gekommen?
  • Eine Party, vermutet der junge Kollege.

„Unter einer Party verstehe ich Champagner und unbedarftes Tanzvergnügen“, antwortet Batic konsterniert.

Und als Zuschauer weiß man spätestens jetzt: Vorwissen braucht es für diesen Tatort keines.

Der King of Cumshot ist ein armseliges Würstchen

Tatsächlich funktioniert die 90minütige Täterjagd wie eine Schnelleinführung in die stumpfe Welt der Pornographie. Die Kommissare lernen die immer abseitiger werdenden Spielarten der modernen Pornoindustrie kennen und, daß sich die Branche in einer Abwärtsspirale befindet: Internet killed the pornstar, nur mit immer extremeren Praktiken können sich die traditionellen Produzenten über Wasser halten.

King of Cumshot Sam Jordan (Markus Hering)

Da gibt es den King of Cumshot Sam Jordan (Markus Hering), der sich für einen Bukkake-Künstler hält, eigentlich nur ein ziemlich armseliges Würstchen ist. Oder seinen großen Konkurrenten Olli (Frederic Linkemann), der fest daran glaubt, mit seiner Firma FickFlix zur Pornoversion von Netflix avancieren zu können, selbst jedoch nur sehr kleine Brötchen backt.

  • Daß es Regisseur Philip Koch gelingt zu zeigen, daß die schöne bunte Pornowelt so nur in den Vorstellungen heißlaufender Teenagerhirne existiert, ist die große Stärke von Hardcore. Oder, um es mit Leitmayr zu sagen:

„Das ist keine Sternchenwelt. Ein kleiner, spießbürgerlicher Sumpf ist das.“

Ein bißchen zu kurz kommt bei diesem Pornotutorial der eigentliche Krimi, richtig spannend ist die Jagd auf Maries Mörder nie so richtig.

  • Daß man als Zuschauer erst sehr spät auf den Täter kommt, liegt vor allem an seinem an den Haaren herbeigezogenen Motiv.
  • Die lieblos erzählte Hatz führt schlußendlich zu etwas merkwürdigen emotionalen Bindungen:
  • Am meisten Mitleid erzeugt das arme rote Planschbecken, das ganz am Ende noch einmal auftaucht – mitten auf einer Massenorgie…

vollgewichst bis obenhin und mangels Luft in sich zusammenfallend, musikalisch begleitet von ohrenzersägendem Industrial Hardcore.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

%d Bloggern gefällt das: