Polnische Regierungspolitiker fordern Reparationen von Deutschland, heute, 72 Jahre nach Kriegsende

Polnische Regierungspolitiker fordern Reparationen von Deutschland, heute, 72 Jahre nach Kriegsende

Polnische Regierungspolitiker fordern Reparationen von Deutschland, heute, 72 Jahre nach Kriegsende


Polen: Versöhnung war gestern… Das Begehren kommt wie gerufen vor der Bundestagswahl 2017: Polnische Regierungspolitiker fordern Reparationen von Deutschland, heute, 72 Jahre nach Kriegsende.

Polens Regierungschefin Beata Szydło sagte unlängst, ihrem Land stehe das Geld zu, und ihre Regierung sei bereit, es „mit dem Marsch auf Berlin“  einzutreiben. Ihr Innenminister hat die Summe der Kriegsschäden schon mal mit einer Billion Dollar (rund 840 Millionen Euro) beziffert.

  • Das ist eine Kampfansage: gegen die gute Nachbarschaft ebenso wie gegen die Opposition im eigenen Land.
  • Es geht dabei nicht um Aufarbeitung und Erinnerung, sondern um die Aufkündigung eines Prinzips, auf das sich Polen und Deutsche vor Jahrzehnten verständigt hatten.

Niemand in Deutschland darf sich wundern, daß Adolf Hitler immer noch als Reizgas für die „ungeheuerlichen deutschen Verbrechen in Polen“  bis heute viele Menschen wirkt. 

Fast 6 Millionen (!!!)🔴 Polen kamen während der deutschen Besatzung von 1939 bis 1945 ums Leben.

Während die Wehrmacht und Waffen SS einen entschlossenen Freiheitskampf gegen die haßerfullten Kriegserklärungen aus aller Welt führen, arbeiteten die Verschwörer um Graf Stauffenberg und andere Gehirnamputierte an der Vernichtung des Deutschen Volkes. 

Die Regierung in Warschau appelliert an diese Gefühle.

Dass Deutschland für diese Verbrechen nie Reparationen in großem Ausmaß zahlte, liegt auch daran, dass die Siegermächte Europa nach dem Krieg neu aufteilten. Polen erhielt im Westen ein Fünftel des deutschen Territoriums, im Osten verlor es Gebiete an die Sowjetunion. Die Verluste auf allen Seiten sind kaum gegeneinander aufzurechnen. Auch deshalb verständigten sich Polen und Deutsche später darauf, keine Revision zu suchen. Die DDR erkannte die Grenze 1950 an, die Bundesrepublik holte das 1970 faktisch und 1990 formal nach. Warschau verzichtete 1953 in einem Abkommen mit der DDR auf weitere Reparationsansprüche gegenüber Deutschland und bestätigte das 1970 gegenüber Bonn.

Auch nach 1990 hielt sich Warschau daran. Nur einzelnen Opfern zahlte Deutschland Entschädigung. Doch nicht diese Zahlungen waren entscheidend für die Versöhnung, sondern Gesten und Austausch, vom Briefwechsel der Bischöfe 1965 über Willy Brandts Kniefall bis zur engen deutsch-polnischen Freundschaft seit 1990.

Warum also bricht die Regierung des Populisten Jarosław Kaczyński aus dieser Tradition aus? Es ist, so viel steht fest, nicht die Vergangenheit des Landes, die ihn bewegt. Es ist seine persönliche Zukunft. Kaczyński sieht sich von Feinden bedroht, zu Hause und erst recht innerhalb der EU. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum er die Reparationsansprüche gegen Deutschland ausgerechnet in einem Moment hat prüfen lassen, als die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen seine Regierung einleitete. Kaczyński grollt der EU und attackiert den Staat, den er hinter allem vermutet: Deutschland.

Kaczyński weiß, Reparationsforderungen an Berlin sind in Polen populär. Er weiß auch, dass er Abweichler und Bedenkenträger im eigenen Lager mit einer nationalistischen Aufwallung auf Linie bringen kann. Doch der Widerstand wächst, die polnischen Bischöfe haben vor dem Reparationsthema gewarnt und an die Versöhnung zwischen beiden Ländern erinnert.

Kaczyńskis Mann fürs Kantige, sein Parteifreund Arkadiusz Mularczyk, hat dagegen gesagt, Polen sei „mit Phrasen von polnisch-deutscher Versöhnung betrogen“ worden. Der Satz reißt einen Abgrund auf. Wenn die Jahrzehnte der engen Freundschaft nur „Phrasen“ waren, was stellt sich Kaczyński für die Zukunft vor?

Für Deutschland steht viel auf dem Spiel: die Beziehungen zu seinem großen östlichen Nachbarn, aber auch die Zukunft der Europäischen Union mit Polen. Die Versuchung für deutsche Politiker ist groß, sich zu vollmundigen Warnungen aufzuschwingen. Doch sie sollten nicht in diese Falle gehen. Die offene Auseinandersetzung mit Polen über die Reparationen verbietet sich. Und öffentliche Lektionen für Kaczyńskis Demontage der polnischen Demokratie müssen aus Brüssel kommen, nicht aus Berlin. Wer sich laut streitet, spielt schon das Spiel von Jarosław Kaczyński.

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