Virus tötet massenhaft Amseln

Ein Ausbruch des südafrikanischen Usutu-Virus macht der Amselpopulation in Deutschland zu schaffen. 

  • Infizierte Vögel sterben nach etwa einer Woche.
  • Hilfe für die notleidenden Tiere gibt es keine.
  • Auf Menschen ist der Erreger übertragbar.

Das Usutu-Virus ist eine Virusspezies aus der Gattung Flavivirus. Es besteht eine Verwandtschaft mit dem Japanischen Enzephalitis-Virus und dem West-Nil-Virus.

  • Das Usutu-Virus wird durch Stechmücken übertragen.
  • Es stammt ursprünglich aus Afrika, der Name leitet sich vom Fluß Usutu in Swasiland ab.
  • Das Virus verursacht Infektionen bei Vögeln und Säugetieren, so auch beim Menschen.
  • Bei Vögeln ist die Infektion oft tödlich.
  • Im Herbst des Jahres 2009 wurde in Italien erstmals Usutu-Fieber bei Patienten diagnostiziert. Bei immungeschwächten und älteren Menschen wurden schwere Verläufe beobachtet. Die Infektion geht mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen einher und kann im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) auslösen.

Den Amseln in Nordrhein-Westfalen setzt eine neue heftige Infektionswelle mit dem tropischen Usutu-Virus zu.

  • Allein im Juli und August wurden dem Naturschutzbund (NABU NRW) landesweit schon 300 Verdachtsfälle gemeldet.
  • Im Vergleich dazu lag diese Zahl im vergangenen Jahr von Mai bis November bei insgesamt 500.

„Es gibt einen neuen Schub“, sagte NABU-Sprecherin Birgit Königs.

Kranke Tiere fallen durch ihr Verhalten auf. Immer wieder rufen Menschen beim NABU an, weil sie helfen wollen:

„Wir haben seit drei Tagen eine Amsel auf der Terrasse. Können wir irgendwie helfen?“ ist demnach eine dieser typischen Fragen.

Infizierte Amseln wirken nach NABU-Angaben ungewöhnlich zutraulich, fliegen nicht weg oder torkeln.

„Man kann nicht helfen. In knapp einer Woche sind sie tot“, sagt Königs.

Meistens seien die Kadaver schneller weg, als man sie für einen Test sichern könnte – wahrscheinlich gefressen von anderen Tieren.

Nordrhein-Westfalen ist laut bundesweit ein Schwerpunkt bei Usutu-Infektionen. Landesweit ist wie im vergangenen Jahr der Niederrhein wieder besonders betroffen. Trotzdem befürchten die Fachleute keine existenzielle Gefahr für die Amsel:

„Über die Jahre wird sich der Bestand wieder ausgleichen“, sagte Nabu-Sprecherin Königs.

Mücken als Überträger

Die alten Tiere, die die Infektion überleben, entwickeln demnach Resistenzen. Erst wenn sie sterben, kann es mit der neuen Generation der Jungtiere ohne Widerstandskraft zu einem neuen Ausbruch kommen. Das erklärt, warum sich nach dem ersten Massensterben von Amseln durch das Virus in 2011 in Baden-Württemberg die Lage erst einmal beruhigte und es dann erst wieder 2016 zu einem großen Ausbruch kam.

Das Virus wird den Angaben nach von Mücken auf die Amsel übertragen.

Als Hoch-Zeit des Virus gilt der August, wenn die Zahl der Mücken massiv ansteigt.

  • Das Usutu-Virus ist durch die Mücken auch auf den Menschen übertragbar.
  • Es ist laut dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin für Menschen in den meisten Fällen nicht gefährlich.
  • Ursprünglich stammt das Virus aus Südafrika.
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