Tödlicher Hefepilz breitet sich rasant aus

Vor 8 Jahren wird er erstmals nachgewiesen, seitdem grassiert der Hefepilz Candida auris vor allem in den USA, Großbritannien und Indien.

  • Nun kommen auch in Deutschland immer mehr Fälle vor. Experten warnen: Mediziner sind zu wenig vorbereitet.

In den USA, Großbritannien und Indien sind in den vergangenen Monaten zahlreiche Erkrankungen mit einem gefährlichen Hefepilz erfaßt worden.

Experten rechnen für Deutschland mit einer Zunahme der Fälle

Nach einem Einzelfall 2015 hat das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen in Jena in diesem Jahr bereits drei Fälle registriert.

„Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Fallzahlen höher sind. Es gibt sicherlich Labors, denen der Erreger durchgerutscht ist“, sagte Zentrumsleiter Oliver Kurzai.

Der Hefepilz namens Candida auris besiedelt Ohren und Atemwege, er kann aber auch im Blut oder in Wunden schwere Infektionen verursachen.

  • Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Diabetiker oder Frühgeburten ist der Pilz eine tödliche Gefahr – sie erleiden nach einer Ansteckung oft ein Multiorganversagen.
  • Für einen gesunden Menschen stelle der Pilz keine Bedrohung dar, betonte Kurzai.

 „Aufgrund der bislang vergleichsweise wenigen Fälle besteht allerdings noch kein klares Risikoprofil.“

Viele diagnostische Labors seien noch nicht ausreichend auf den erst seit einigen Jahren bekannten Hefepilz vorbereitet. Auch medizinischem Personal ist der Erreger noch nicht ausreichend geläufig.

„Die aktuellen Standard-Verfahren für Pilzinfektionen erkennen diesen Hefepilz nicht. Im besten Fall zeigen die Tests nur, dass etwas nicht stimmt“, erklärte der Mediziner von der Universität Würzburg.

Bis zu 60 Prozent der Patienten sterben

Die Hersteller der Testverfahren seien nun am Zug und müßten die Datenbanken aktualisieren, auf denen die Tests basieren. 

  • Der Hefepilz wurde 2009 erstmals in Asien nachgewiesen.
  • Seitdem hat er sich Kurzai zufolge ungewöhnlich schnell weltweit ausgebreitet und bereits zu mehreren Ausbrüchen geführt.
  • Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat – basierend auf den bislang vergleichsweise wenigen Fällen – festgestellt, daß etwa 40 bis 60 Prozent der mit Candida auris infizierten Patienten gestorben sind.

Ob der Pilz die Ursache war, läßt sich dabei allerdings meist nicht genau sagen, da es sich jeweils um schwer kranke Patienten handelte. Der Hefepilz ist gegen viele Anti-Pilz-Mittel resistent. Kurzai erklärte, daß der Erreger nur im Labor identifizierbar sei.

„Das wichtigste ist deshalb, daß man den Pilz erkennt.“

Noch gebe es zudem keine Meldepflicht für Infektionen mit Candida auris.

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