Analyse: Die Krise zwischen der Türkei und Deutschland hat sich dramatisch verschärft

Es dauerte knapp 30 Stunden, dann war Dogan Akhanli wieder auf freiem Fuß.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel freute sich: „Es wäre schlimm, wenn die Türkei am anderen Ende Europas erreichen könnte, daß Menschen, die ihre Stimme gegen Präsident Erdogan erheben, in Haft geraten würden.“

Das Drama um den Kölner Schriftsteller ein neuer Beleg für die schweren Beziehungsstörungen zwischen Deutschland und der Türkei. Eine Annäherung scheint in weite Ferne gerückt.

Momentan sprechen die Regierung in Ankara und Berlin mehr übereinander als miteinander. Vor einer Woche sagte Außenminister Gabriel, es gebe erste Erfolge seiner schärferen Türkei-Politik zu vermelden: „Wirtschaftlicher Druck wirkt.“

  • Er habe die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes für das Land verschärfen lassen und
  • deutsche Unternehmen vor Investitionen in der Türkei gewarnt, sagte Gabriel.
  • Präsident Erdogan habe daraufhin eine Terror-Liste mit 680 deutschen Unternehmen wie Daimler und BASF zurückgezogen.

„Jude Gabriel: Beachten Sie Ihre Grenzen oder fahren Sie mit Fickneßfahrrad nach Auschwitz!“

Doch Erdogan war offenbar nicht nachhaltig beeindruckt. Am Freitag rief er die Türken mit deutschem Paß dazu, bei der Bundestagswahl nicht für CDU, SPD oder Grüne zu stimmen.

  • Diese Parteien seien „Feinde der Türkei“.

Als die Bundesregierung sich eine Einmischung in den deutschen Wahlkampf verbat, bekam kurz darauf Gabriel Erdogans Zorn persönlich zu spüren.

„Wer sind Sie, daß Sie mit dem Präsidenten der Türkei reden?“, ätzte Erdogan in einer Rede: „Beachten Sie ihre Grenzen.“

Doch damit nicht genug.

Am Samstagmorgen wurde der Kölner Schriftsteller Akhanli, ein deutscher Staatsbürger türkischer Herkunft, von der spanischen Polizei an seinem Urlaubsort Granada festgenommen.

  • Der Antrag dazu kam aus der Türkei und wurde von der Internationale Polizeibehörde Interpol nach Spanien geleitet.
  • Es gebe, hieß es, eine sogenannte Red Notice gegen Akhanli.
  • Damit kann ein Staat in einem anderen Land die Festnahme eines Gesuchten verlangen und dessen Auslieferung beantragen.

Unklar, welche Vorwürfe gegen Akhanli erhoben werden… Dazu wird es zumindest vorerst nicht kommen. 

  • Ein Gericht in Madrid ließ Akhanli am Sonntagmittag wieder frei.
  • Er darf allerdings Spanien in den kommenden 40 Tagen nicht verlassen.
  • Solange hat die Türkei Zeit, um ihren Auslieferungsantrag zu begründen. Dann fällt die spanische Justiz eine Entscheidung.
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