Tausende Menschen bei CSD-Parade in Hamburg

Seit Mittag läuft die große Parade zum Christopher Street Day. 

24 Trucks haben sich von St. Georg aus in Bewegung gesetzt.

  • Die Organisatoren erwarten mehr als 15.000 Teilnehmer und 150.000 Zuschauer. 
  • Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle ziehen durch die Stadt, demonstrieren und feiern.
  • Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer ist dabei und auch die Senatoren Katharina Fegebank und Till Steffen (beide ) und Melanie Leonhard (SPD) wollten teilnehmen.
  • Sie alle demonstrieren für Geschlechtervielfalt und die Gleichstellung sexueller Minderheiten in der Gesellschaft.
  • Daß jetzt die „Ehe für alle“ komme, sei nicht das Ende aller Probleme, sagte Stefan Mielchen, der Vorstand von Hamburg Pride.

„Daß wir jetzt heiraten dürfen, heißt nicht, daß die Diskriminierung im Alltag, am Arbeitsplatz, oder an anderen Stellen in der Gesellschaft verschwunden wäre“, so Mielchen. „Es ist toll, daß wir etwas zu feiern haben. Wir haben Jahrzehnte dafür gekämpft, aber es bleibt noch viel zu tun“.

Russische Gäste bei Rathausbeflaggung

Das Motto in diesem Jahr lautet: „Kommt mit uns! Diskriminierung ist keine Alternative“. Diesmal nehmen auch Unternehmen wie die Otto Group und die Haspa an der  teil. 

Homosexuelle Jugendliche aus St. Petersburg sind zu Gast. 

„Die waren auch bei der Rathausbeflaggung auf dem Balkon mit dabei und haben große Augen gemacht, weil sie so etwas in ihrer Heimat nicht erleben können“, sagte Mielchen.

Regenbogenflagge am US-Konsulat und der Elbphilharmonie

Mielchen hatte am Freitagabend am US-Generalkonsulat an der Alster die Regenbogenflagge gehißt.

  • Wie US-Präsident Donald Trump die Aktion in Deutschland bewertet, wisse Mielchen nicht.
  • Aber daß die Fahne wehe, sei ein tolles Zeichen.
  • Bis zum Sonntag leuchtet auch die Elbphilharmonie nachts in den Regenbogenfarben und wird jeweils von 21 bis 5 Uhr bunt illuminiert.

Aktionswoche gegen Diskriminierung

Der CSD ist Teil der Hamburg Pride Week, die am vergangenen Sonnabend eröffnet wurde. Die große CSD-Parade hat um 12 Uhr in in der Langen Reihe/Ecke Schmilinskystraß in St. Georg begonnen und führt durch die Innenstadt. Es geht durch die Mönckebergstraße , die Spitalerstraße und über die Lombardsbrücke. Die Parade endet am Nachmittag beim großen Straßenfest am Jungfernstieg und auf dem Ballindamm.

  • Der HVV rät, mit U- und S-Bahnen in die City zu fahren und setzt verlängerte Züge ein.
  • Zudem fahren die meisten U-Bahnen bis 0.30 Uhr im 10-Minuten-Takt, die U3 sogar alle 5 Minuten.

Erinnerung an Proteste nach Razzia 1969 in New York

Der CSD steht weltweit für den Widerstand der Homosexuellen gegen Diskriminierung. Er wird jedes Jahr im Sommer mit Paraden, Demonstrationen und Festen gefeiert. Der CSD geht auf das Jahr 1969 zurück, als es nach einer Polizei-Razzia im New Yorker Bezirk Greenwich Village zu dreitägigen, massiven Protesten von Lesben, Schwulen, Transgender-Menschen und Bisexuellen kam. In Erinnerung daran gibt es seit 1980 auch in Hamburg die alljährliche Parade.

Vom Stonewall zum CSD – Politikparade seit 1980

1980 ist die Veranstaltung der Lesben und Schwulen in Hamburg noch politisch betonter als heutzutage – wie etwa mit einem Protest gegen den CSU-Politiker Franz-Josef Strauß, der 1970 in einem Zeitungsinterview sagte: 

„Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder.“

Das Stonewall Inn in der St. Christopher Street in New York: Hier kommt es 1969 zu Auseinandersetzungen zwischen Schwulen und der Polizei. Um daran zu erinnern, findet 1970 die erste CSD-Parade statt.

Beim ersten CSD in Hamburg kommt es zu einer Prügelei zwischen Polizei und Aktivisten. Heute ist das Verhältnis entspannt.

Erste Dragqueens sind mit Rollschuhen, Perücken und in Frauenkleidern unterwegs: Gunther Schmidt (l.) als eine der ersten Dragqueens überhaupt und Schwulenaktivist Corny Littmann (M.), später Theater-Macher und Präsident des FC St. Pauli.

1982 demonstrieren die Aktivisten für wärmere Zeiten, gegen Paragrafen, die Homosexualität bestrafen und für „Liebe ohne Grenzen.“

1992 wird die Hamburger Stonewall-Demonstration in Christopher Street Day Parade umbenannt.

Motto: „Das Wärmste am Norden“.

Weltreligionen werden beim CSD etwa 1995 auf die Schippe genommen.

  • Die katholische Kirche hat das ehemals strikte Kondomverbot mittlerweile eingeschränkt.

1996: Biker-Power auf dem CSD. Der Bewegung geht es darum darzustellen, wie vielfältig die Szene sein kann.

2003 kommt mit einer Erfolgsbotschaft daher: Politiker können öffentlich zu ihrer Sexualität stehen…

… wie Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust, hier beim CSD 2009.

Die Botschaft der Bewegung ist in der Politik angekommen. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ist 2011 dabei.

Nun soll die Bewegung auch im Profifußball der Männer ankommen. Deswegen hat die Veranstaltung 2011 eine sportliche Botschaft: Auch Fußball ist schwul.

Das Motto 2012: Die Hansestadt soll und kann stolz sein auf die von Schwulen und Lesben ausgehende Kultur.

Bis in die 80er Jahre gab es in Hamburg Rosa Listen. 

  • Darin wurden mutmaßlich homosexuelle Bürger registriert.
  • Eine Karriere als Lehrer mit einem solchen Eintrag damals – unmöglich.

Nicht nur die nationale Situation der Schwulen und Lesben bewegt 2014 die Hamburger Szene – auch die Weltpolitik.

Sie steht für den Hamburger CSD wie kaum eine andere: Dragqueen Olivia Jones.

2014 kämpfen 15.000 Teilnehmer für Toleranz und Respekt. An den Straßen stehen 150.000 Menschen, um den Umzug durch die Hamburger Innenstadt zu begleiten.

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