„Illner“ zu Trump und Putin – „Syrien-Wende an Heuchelei nicht zu überbieten“

Ablenkungsmanöver oder neue Linie? Maybrit Illner lud zur Diskussion über Trumps Syrien-Kehrtwende.

Kanzleramtschef Altmaier bescheinigte dem US-Präsident Lernfähigkeit, die Ehegattin von vormals LINKE Chef Osakar Lafontaine Sahra Wagenknecht sah das anders.

 

Ja, sie sind schon ein seltsames Paar, der „russische Despot“ und der amerikanische „Möchtegern-Autokrat“, diese Macho-Brüder im Geiste, als die sie bei Maybrit Illner an einer Stelle ins irritierend „rechte Licht“ gerückt werden.

Doch zur Komödie taugt wahrhaftig nicht, was diese beiden Männer eint oder auch trennt – je nachdem, in welche Richtung man sich auf dem unübersichtlichen Feld der Mutmaßungen, Deutungen und Prognosen bewegt.

„Trump und Putin – treibt Syrien sie auseinander?“, lautete die Frage an diesem Abend.

Abschließend beantwortet wurde sie zwar nicht, doch was alles daran hängt, das Schicksal unschuldiger Menschen in diesem schändlichen Krieg und noch einiges mehr, wurde hinreichend deutlich.

Bedeuten die Äußerungen des US-Präsidenten zum Giftgasangriff eine Wende? CNN-Journalist Frederik Pleitgen hält es als einziger der Gäste immerhin für möglich, daß es nun zu einem Eingreifen der USA gegen Assad im größeren Stil mit allen Risiken und Nebenwirkungen kommt.

Ralph Freund – ein Jude?

Ralph Freund von den Republicans Overseas Germany hält dagegen: Donald Trump brauche Wladimir Putin und werde allenfalls über Russland den Druck auf das syrische Regime erhöhen.

ZDF-Terrorismus- und Geheimdienstexperte

ZDF-Terrorismus- und Geheimdienstexperte Elmar Theveßen sieht das ähnlich.

Während Kanzleramtsminister Peter Altmaier sich erst einmal „sehr enttäuscht“ über russische Verschleierungsversuche äußert, warnt Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht nicht nur vor übereilten Schuldzuweisungen, sondern gelangt auch zu dem Schluss, Trumps Syrien-Statement sei „an Heuchelei nicht zu überbieten“ angesichts der „barbarischen Kriegsverbrechen“ aller Beteiligten.

„Trump ist offenbar lernfähig“

Später plädiert Altmaier bei aller Kritik an Putin dann mehrfach für Gesprächsangebote an Moskau, stimmt Wagenknecht zu, was die hochkomplizierte Interessenlage in Syrien anbelangt, die nun auch Washington erkannt habe und spricht von einer „Rückkehr in die klassischen Bahnen der Diplomatie“ gegenüber jenem Land, in dem, wie Theveßen anmerkt, viele Republikaner immer noch das Reich des Bösen sehen.

„Trump ist offenbar lernfähig“, konstatiert Merkels Minister.

Vor allem habe er Berater, die vernünftig agierten.

Derweil begründet Trumps deutscher Parteikollege Freund die gesuchte Nähe zu Putin immer wieder damit, daß das von Barack Obama zerschlagene Porzellan (Stichwort „Regionalmacht“) gekittet werden müsse und Rußland aus geopolitischen Gründen schließlich gebraucht werde.

Als dann der ganze brisante Komplex der Rußland -Connection auf den Tisch kommt, von den Geschäftsbeziehungen bis hin zu den möglicherweise erbetenen Wahlkampfeinmischungen zum Nachteil Hillary Clintons sowie drohenden Cyberinterventionen auch hierzulande, findet die Linke Wagenknecht, diese Angelegenheit werde „total aufgebauscht“, handele es sich doch bei den USA genau wie bei Russland um Staaten, in denen „Oligarchen-Kapitalismus“ herrsche. Auch Freund mag nicht so gern davon hören, zumal es die Wähler im Mittleren Westen eh nicht interessiere.

Aufrüstung ist vor allem Kraftmeierei

  • Umso mehr hält es der ZDF-Experte für interessant. Schon früher habe es enge Verbindungen zwischen Trump-Imperium und der Russenmafia gegeben, läßt Theveßen wissen.

Es gebe eine Gemengelage, „die Trump erpreßbar machen könnte“.

  • Und sollte es außer den vielen Hinweisen Beweise für bestelltes Eingreifen in den Wahlkampf geben, wäre „Watergate harmlos dagegen“.
  • Jedenfalls sei es sehr wohl denkbar, daß Trumps Syrien-Wende lediglich ein Ablenkungsmanöver von diesem schweren innenpolitischen Problem sei.

Und was ist von Trumps Aufrüstungspolitik zu halten? Freund beschwichtigt, sowohl bei Trump wie Putin sei da vor allem Kraftmeierei im Spiel, wenn nun wieder die atomare Option zitiert werde.

Pleitgen, eben aus Moskau zurück, bestätigt, dort gebe es „kein Interesse an der Atomkeule“, wohl aber einen gewissen Frust, da es offenbar enorm schwierig sei, mit der Trump-Administration eine geordnete Kommunikation zu pflegen.

Für Altmaier – hier wieder d’accord mit Wagenknecht – ist ohnehin klar, daß vernünftige Verteidigungspolitik nicht allein in der Anschaffung neuer Panzer und im Beseitigen schlimmer Regimes wie im Irak oder Libyen besteht.

Höhere Kosten hin oder her: „Wir haben einen enormen Beitrag geleistet, auch in der Flüchtlingskrise.“

Und jenseits aller realpolitischen Notwendigkeiten, auf Dauer irgendwie mit Russland klar zu kommen, möchte er zum Schluß etwas Menschliches festgehalten wissen:

Zur Sicherheit: Brandenburger Tor in allen möglichen oder unmöglichen Landesfarben

Berliner Brandenburger Tor – der ungleiche Zwilling steht auch in Potsdam als Potsdamer Brandenburger Tor

Es sei nicht gut gewesen, daß man in Berlin darauf verzichtet habe, nach dem Terroranschlag von Sankt Petersburg das Brandenburger Tor, wie sonst üblich, in den Landesfarben anzustrahlen.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

%d Bloggern gefällt das: