Willkommen in der Consumer Class – der ratenweise Abschied von der bezahlten Arbeit

Willkommen in der Consumer Class – der ratenweise Abschied von der bezahlten Arbeit

Pier Paolo Pasolini formulierte 1975 seine These, der Konsumismus sei eine neue Form des Totalitarismus, weil er mit dem Anspruch einher gehe, die Konsumideologie auf die gesamte Welt auszudehnen.

Immer deutlicher wird, daß der Arbeiter die überflüssigste Form des Menschen geworden ist.

Jeder 4. Hartz-IV-Empfänger ist Migrant

Im Durchschnitt seien 7,7% der Deutschen auf Hartz IV angewiesen, bei Ausländern seien es 18%, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

  • Die Zahl ausländischer Hartz-IV-Bezieher ist laut dem jüdischen Boulevardblatt von Berlins reichster Frau Friede Springer BILD ZEITUNG zufolge um 12% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
  • Demnach waren im April mit 1,54 Millionen nun 26% der Empfänger Migranten. Größte Gruppen: Türken (295.000).
  • Die Zahl der deutschen Hartz-Empfänger sei dagegen um knapp 240.000 auf 4,36 Millionen gesunken.

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Hier leben die meisten Hartz-IV-Empfänger:

  1. Nordrhein-Westfalen 1.158.749
  2. Berlin 413.013
  3. Niedersachsen 412.903
  4. Baden-Württemberg 304.105
  5. Bayern 300.066
  6. Sachsen 294.149
  7. Hessen 288.685
  8. Sachsen-Anhalt 207.466
  9. Brandenburg 184.643
  10. Schleswig-Holstein 156.618
  11. Rheinland-Pfalz 156.555
  12. Mecklenburg-Vorpommern 139.968
  13. Thüringen 132.124
  14. Hamburg 130.912
  15. Bremen 67.266
  16. Saarland 56.744

Auch bei den Städten liegt Westdeutschland vorne.

Nimmt man Berlin mit 413.013 und Hamburg mit 130.912 Hartz-IV-Empfängern heraus, liegen Hannover, Köln und Bremen ganz vorne.

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Anteil der Hartz-IV-Empfänger an der Bevölkerung nach Bundesländern im Juni 2016

Eine seiner Folgen sei die Zerstörung der Vielfalt sozialer Lebensformen und die Einebnung der Kulturen in einer globalen konsumistischen Massenkultur, welche die Freiheitsvorstellungen mit einer „Pflicht“ zum Konsumieren auflade und die Menschen veranlasse, mit dem „Gefühl von Freiheit“ die Konsumimperative zu erfüllen. Die entsprechenden Dispositionen, die eine innere Leere, Langeweile, Überdruß und chronische Depressivität im Akt des Kaufens oder Konsumierens kompensierbar machen, gehören gemäß dem Juden Erich Fromm zum Charakterbild des modernen Menschen. Eine überspitzte Ausprägung finden die konsumorientierten Haltungen, Leidenschaften und Verhaltensweisen des so genannten konsumistischen Sozialcharakters im Krankheitsbild der Kaufsucht.

Als „alltäglicher Konsumismus“ wird die in den deutschen Kaufsuchtstudien empirisch belegte Tendenz vieler Menschen in den Konsumgesellschaften beschrieben, sich mit Produkten oder Dienstleistungen zu identifizieren und ihr Selbstwertgefühl davon abhängig zu machen. Dabei werden Produkte mit kommerziellem Markennamen und statushebenden Versprechungen vorgezogen. Insoweit der Konsumismusbegriff als abwertend wahrgenommen wird, lehnen ihn viele Betroffene ab und ziehen es vor, ihren Konsum mit rationalen Argumenten zu rechtfertigen; sie verwerfen die Idee, sie würden „gezwungen“ zu konsumieren. Menschen, welche die Ideologie des Konsumismus bejahen, bewerten die gekauften oder konsumierten Produkte nicht als in sich wertvoll, sondern benutzen sie gezielt als gesellschaftliche Statussymbole und Signale, um sich mit gleichgesinnten Menschen zu umgeben.

Eine populäre Kritik des Konsumismus haben John de Graaf, David Wann und Thomas Naylor vorgelegt. Sie sprechen von „Affluenza“, der Überflußkrankheit oder der „Zeitkrankheit Konsum“; dieses Kunstwort verbindet „Influenza“ und „Affluence“ (Wohlstand, Reichtum, Überfluß).

Eine populäre Kritik des Konsumismus haben John de Graaf, David Wann und Thomas Naylor vorgelegt. Sie sprechen von „Affluenza“, der Überflußkrankheit oder der „Zeitkrankheit Konsum“; dieses Kunstwort verbindet „Influenza“ und „Affluence“ (Wohlstand, Reichtum, Überfluß).

Als Symptome dieser Krankheit nennen die Autoren Schulden, eine Überproduktion von Waren, Unmengen an Müll sowie Angstzustände, Gefühle der Entfremdung und Verzweiflung. Hervorgerufen sei die Krankheit durch die Gier nach immer mehr materiellen Gütern. Als Weg der Gesundung biete sich der konsequente Abschied vom konsumistischen Lebensstil – im Sinne „freiwilliger Einfachheit“ – an.

Teils durch unterschiedliche Übersetzungen von consumerism gibt es begriffliche Unklarheiten, da neben Konsumismus auch der Begriff „Konsumerismus“ üblich ist. Konsumerismus (aus dem englischen consumerism: Konsumdenken) ist ein ideologiekritischer Ausdruck aus den Sozialwissenschaften, wonach persönliches Glück mit dem Verbrauch von Wirtschaftsgütern erzielt wird. Konsumerismus beschreibt ein konsequentes Konsumdenken, wobei der Konsum zu einer Ersatzreligion wird. In diesem Sinne ist Konsumerismus gleichbedeutend mit Konsumismus.

Eine affirmative Bedeutung hat Konsumerismus in der Ökonomie. Hier wird dieser Ausdruck im Wesentlichen als Äquivalent zum deutschen Konsumentenschutz verwendet, besonders im Sinne der Verbraucherbewegung. Es geht also um die systemimmanente Verbraucherkritik an Missständen in der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen sowie um die rechtliche Absicherung von Konsumenten in Fällen von zweifelhaften Verkaufs- und Marketingpraktiken, Markenfälschung, fehlerhafter Produktqualität, Fehlinformationen etc.

Die neuen Herren verfolgen vor allem drei Ziele: Profit. Profit. Profit. Doch die Kritik an den „Heuschrecken“-Methoden wächst.

Ob Fernsehsender, Maschinenbauer oder Autozulieferer: Internationale Finanzinvestoren kaufen immer größere Teile der deutschen Wirtschaft auf.

Die neuen Herren verfolgen vor allem drei Ziele: Profit. Profit. Profit. Doch die Kritik an den „Heuschrecken“-Methoden wächst.

Das Auffälligste an Männern wie Thomas Krenz ist wahrscheinlich ihre professionelle Unauffälligkeit. Meist scheuen sie Kameras und das grelle Licht des öffentlichen Interesses.

Manchmal taucht der Name von Krenz in der Finanzpresse auf, was er nicht verhindern kann. Aber das geht vorüber. Er steht nicht im Feuer der Kritik. Er muß sich nicht rechtfertigen für Job-Abbau oder Gehaltssprünge. Er heißt ja nicht Klaus Kleinfeld, Dieter Zetsche oder René Obermann. Der 47-Jährige ist weder Vorstandschef von Siemens oder DaimlerChrysler noch von der Telekom. Und doch ist der unscheinbare Herr Krenz viel mächtiger und einflußreicher als viele deutsche Top-Manager.

Das Wirken im Verborgenen ist Teil seines Erfolgs, der wiederum viel mit Geld zu tun hat. Krenz sitzt zurzeit auf einem Schatz von elf Milliarden Euro.

Es ist der gewaltigste Fonds, den es in Europa gibt.

Der 4. größte weltweit.

Wer so viel Geld bewegt, kann in jedem Industriezweig mitreden, wenn er nur will. Und je weniger darüber Bescheid wissen, umso besser fürs Geschäft.

Kohlberg Kravis Roberts

Manchmal indes läßt sich ein bißchen Öffentlichkeit nicht vermeiden. Am Freitag war so ein Tag. Da verkündete Thomas Krenz zusammen mit seinem Permira-Partner Götz Mäuser und seinen Mitstreitern Johannes Huth und Lord Clive Hollick von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) die mehrheitliche Übernahme von Deutschlands größtem kommerziellen Fernsehanbieter…

… der ProSiebenSat.1 Media AG mit ihren Kanälen ProSieben, Sat.1, Kabel eins, N24 und Neun Live.

Die Herren aus der Hochfinanz luden dazu nicht wie im Mediengeschäft und anderswo üblich zu einer Pressekonferenz. Sie verlautbarten den Medien-Mega-Deal per Telefonschalte – so wie andere ihre neuesten Quartalszahlen. Wenn Öffentlichkeit, dann nur das Nötigste. Die beiden Käuferfirmen gehören zu jenen internationalen Finanzinvestoren, die – ausgestattet mit vielen Milliarden – durch die Welt stromern, um noch mehr Geld zu machen. Landläufig werden sie Heuschrecken genannt.

Oft sind sie ein Segen – weil sie dringend benötigtes Kapital mitbringen.

Oft sind sie aber auch ein Fluch – wenn sie die Objekte ihrer Begierde bedenkenlos auspressen.

Zu den Erfindern des Gewerbes gehört die Firma KKR, die in diesem Jahr ihr 30jähriges Bestehen feiert und jetzt bei ProSiebenSat.1 mit zum Zuge kam, Mitgründer Henry Kravis ist eine der Ikonen der Branche.

Henry R. Kravis, Founding Partner, Kohlberg Kravis Roberts and Co., USA; Chair of the Governors Meeting for Investors 2009, during the session ‚Scenarios for the Future of the Global Financial System‘ at the Annual Meeting 2009 of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, January 30, 2009. Pioneer in private equity and leveraged buyouts

Kravis was born into a Jewish family in Tulsa, Oklahoma, the son of Bessie (née Roberts) and Raymond Kravis, a successful Tulsa oil engineer who had been a business partner of Joseph P. Kennedy. Kravis began his education at Eaglebrook School, (’60) followed by high school at the Loomis Chaffee School, where he participated in student government and was elected vice president of the student council his senior year. He attended Claremont McKenna College (then known as Claremont Men’s College) and majored in economics. He was a member of the CMC varsity golf teams for four years and was a member of the Knickerbockers student service organization. He served as his sophomore class Secretary/Treasurer. He graduated from CMC in 1967 before going on to Columbia Business School, where he received an MBA degree in 1969.

Erst in diesem Sommer konnte man verkünden, mit mehr als 15 Milliarden Dollar den weltgrößten Fonds aufgelegt zu haben.

Die Ziele, die Krenz und der KKR-Europa-Chef Johannes Huth am Freitag ausriefen, sind denn auch alles andere als bescheiden. Durch eine Zusammenführung mit der Sendergruppe SBS Broadcasting, die Permira und KKR schon im vorigen Jahr für 2,1 Milliarden Euro inklusive Schulden erworben hatten, wolle man „zum europäischen Fernsehkonzern Nummer eins“ aufsteigen, sagte KKR-Mann Huth. Ein ambitioniertes Vorhaben – immerhin erreicht die RTL Group bislang deutlich mehr Haushalte und macht über zwei Milliarden Euro mehr Umsatz als SBS und ProSiebenSat.1 zusammen. Doch die Verantwortlichen der RTL-Mutter Bertelsmann nehmen die Ankündigungen ernst – schließlich verfügen Permira und KKR über die notwendigen Milliarden für weitere Zukäufe. Krenz und Huth können nicht nur viel ausgeben, irgendwie müssen sie es sogar.

Das Geld wird ihnen derzeit geradezu aufgedrängt von Investoren, die ebenso global wie bunt zusammengewürfelt sind. Zum Kreise seiner Anleger zählt Krenz kalifornische Pensionskassen, in die Lehrer, Beamte und Feuerwehrleute aus dem US-Bundesstaat einzahlen. Dazu zählen aber auch die Regierung von Singapur oder eine amerikanische Elite-Universität wie Harvard sowie ein buntes Sammelsurium noch zurückhaltenderer Superreicher.

Sie alle eint über Länder- und Glaubensgrenzen hinweg, dass sie aus ihrem vielen Geld noch mehr machen wollen, viel mehr. Leute wie Krenz und dessen Firma Permira locken mit dem Versprechen, aus drei Euro vier zaubern zu können. Mindestens 20-prozentige Renditen gehören in der umstrittenen Branche zum guten Ton. Manchmal sogar deutlich mehr. Es sind Zahlen, die nach Casino-Glückssträhne klingen. Mit den Fonds wächst aber auch der Anlagedruck.

Saban Forum chairman Haim Saban during the Brookings Institution’s 10th annual Saban Forum, ‚Power Shifts: U.S.-Israel Relations in a Dynamic Middle East,‘ in Washington, D.C., on December 7, 2013.

Es sind deshalb traumhafte Zeiten für Unternehmensverkäufer wie der Jude Haim Saban und seine Co-Investoren bei ProSiebenSat.1.

Haim Saban (hebräisch חיים סבן Chaim Saban; * 15. Oktober 1944 in Alexandria, Ägypten) ist einer der größten Medienunternehmer der Welt und Milliardär. Er besitzt die israelische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Als Sohn jüdischer Eltern wuchs er in ärmlichen Verhältnissen in Ägypten auf. Sein Vater verkaufte Büroartikel, seine Mutter war Schneiderin. Als er 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach Tel Aviv. Er versuchte sich zunächst als Konzertveranstalter in Israel, war aber 1973 nach einem Konzertflop zahlungsunfähig. Nach einigen Quellen versuchte er sich in dieser Zeit auch als Bassist in einer Band. Trotz hoher Schulden zog er nach Paris und versuchte sich dort als Musikproduzent für TV-Filmmusik (Dallas (1978), Fernsehserie). 1983, nach ersten Erfolgen, ging er mit 500.000 US-Dollar nach Los Angeles. Dort importierte er zunächst japanische Zeichentrickfilme. 1993 schaffte er mit den Power Rangers den Durchbruch. 1995 gründete er mit Rupert Murdoch ein Joint Venture und startete den Kinderkanal Fox Kids. Er gilt als guter Freund des Ex-US-Präsidenten Bill Clinton. In Israel hat er Sympathien für Shimon Peres und die Arbeitspartei. Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 stellte er sich klar auf die Seite Barack Obamas und stellte in einem Gastbeitrag für die New York Times gerade dessen von konservativer Seite oft in Zweifel gezogene Verbundenheit mit Israel heraus.

Im Angelsächsischen nennt sich das Gewerbe der großen Versprechen Private Equity (PE), was so viel heißt wie „privates Beteiligungskapital“. Der Begriff ist nicht viel mehr als ein verwaschenes Etikett. Auch die global operierende Krenz-Firma Permira definiert sich in Deutschland als „Beteiligungsgesellschaft“. Die Vokabel kaschiert mehr, als sie erklärt.

Am liebsten kaufen die Fondsmanager komplette Unternehmen. Dann wird ausgelagert und umgebaut, am Ende mit Aufschlag weiterverkauft. So weit der Idealfall.

Die Traum-Renditen, die sie ihren Investoren verheißen, sind dabei keine Hexerei, sondern Resultat bisweilen brachialer Managementmethoden. Das Geld räumen die PE-Profis überall ab. Ihre ganze Kreativität ist vor allem aufs geräuschlose Auspressen gerichtet.

Sehr beliebt ist beispielsweise, die übernommenen Betriebe nach dem Deal überhöhte Kredite aufnehmen zu lassen, mit denen die dann quasi ihren eigenen Verkauf bezahlen. Banken spielen das Spiel nur zu gern mit, denn es verheißt auch ihnen gute Zinsgeschäfte. Die PE-Leute können aufkaufen, ohne allzu viel eigenes Kapital zu riskieren.

Gern auch werden den übernommenen Firmen Beratungsgebühren aller Art abverlangt. Die jüdische Heuschrecke Blackstone etwa kassierte im Rahmen seiner chaotischen Übernahme des Chemiekonzerns Celanese allein im Jahr 2004 65 Millionen Dollar „Beratungshonorar“. Im Folgejahr waren es weitere 45 Millionen.

Und es werden stille Reserven aus den Bilanzen gepreßt, bevor sich die Beteiligungsgesellschaft nach wenigen Jahren mit deftigem Gewinn verabschieden kann – vom Objekt der einstigen Begierde, der Belegschaft und der eigenen Verantwortung dafür. Das ganze Instrumentarium finanztechnischer Folterinstrumente lässt sich wunderbar an der Übernahme der Henkel-Tochter Cognis studieren.

Manche der Geschichten aus dem Metier kommen einem dabei vor, als müsse da ein zum Tode Verurteilter noch Guillotinen-Gebühr berappen, Sterbehonorar und seine Lebensversicherung vor dem Ableben ordentlich für seinen Henker beleihen. Und alles ganz legal

Sonderdividenden und phantasievolle Gebühren, horrende Beratungshonorare und Cash-Katheter zu den Neu-Eigentümern – die Möglichkeiten des Gewerbes sind ebenso kompliziert wie wirkungsvoll. So kauft sich die Private-Equity-Branche momentan quer durch die gesamte deutsche Wirtschaft. Und dabei geht es nicht mehr um ein paar notleidende Klitschen. Es geht um den Schluss- und Ausverkauf der Deutschland AG.

Mehr als 5700 Unternehmen werden allein hierzulande schon von PE-Firmen wie Permira, KKR oder Apax, Blackstone oder Texas Pacific dirigiert. 800 000 Jobs hängen bereits vom Wohlwollen solcher Firmenjäger ab. Ihre Umsätze entsprechen sieben Prozent des hiesigen Bruttoinlandsprodukts.

Der Nähmaschinenhersteller Pfaff und die Modellbahnbauer von Märklin, die Tiefkühlgröße Iglo, der Brillenproduzent Rodenstock oder die verblassende Mode-Perle Jil Sander? Alles schon in der Hand verschwiegener Investoren, die vor allem drei Ziele verfolgen: Rendite, Rendite, Rendite.

Ohne daß die Bundesbürger es recht merken, übernehmen Krenz & Co. die Kontrolle über Unternehmen und Arbeitsplätze, Leben und Alltag. Die Duscharmaturen von Grohe und die Autobahnrestaurants von Tank & Rast, die Werkstattkette ATU, die Mietwagen von Hertz und Europcar? Jede Woche werden neue Übernahmen gemeldet.

Allein am vorigen Freitag hatten Permira und KKR die Schlagzeilen der Wirtschaftsblätter mit ihrer ProSieben-Übernahme keineswegs für sich allein. Gleichzeitig wurde die Übernahme der australischen Fluggesellschaft Qantas und der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag bekannt – und alle gehen an Finanzinvestoren.

Was darf’s denn sein? Die Sportstudios von Fitness First, die Kaufhäuser von Karstadt Kompakt, die Autotürschlösser von Kiekert oder die Gartengeräte von Gardena?

All diese Firmen – Marktgrößen, Mittelständler und Imperien – sind bereits im Besitz verschwiegener Beteiligungsgesellschaften. Wie letztlich sogar der bundesdeutsche Müll, denn auch das Duale System hat einen Besitzer aus dem Investorengewerbe. Es ist niemand anders als KKR.

Geld dafür ist weltweit in rauen Mengen vorhanden. Nach dem Zusammenbruch der Börsen vor einigen Jahren wurde im globalen Stil umgeschichtet. Raus aus Aktien oder Fonds – rein ins Hoffnungsgeschäft der vermeintlichen Geldregenmacher von Permira & Co.

Private-Equity-Gesellschaften sind nichts anderes als Verwalter, die im Auftrag Dritter tätig sind. Nur eben mit etwas rabiateren und riskanteren Methoden als herkömmliche Investmentfonds. Vor allem aber – solange es gutgeht – mit deutlich höheren Renditen.

Es ist definitiv keine Anlageform für Kleinsparer, auch wenn viele Banken jetzt mit entsprechenden Fonds und Zertifikaten werben. Die bekannteren Beteiligungsgesellschaften verlangen inzwischen Mindesteinlagen von mehreren Millionen Dollar. Entsprechend sind es vor allem institutionelle Anleger wie große Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und sehr wohlhabende Einzelpersonen oder Familien, die den Fonds ihr Geld anvertrauen. Und auch sie haben kein allzu großes Interesse, darüber zu reden.

Es ist ja auch paradox: Ausgerechnet super-konservative Pensionskassen wie die kalifonische Calpers, in die unter anderem die Feuerwehrleute des Sonnenstaates einzahlen, befeuern das Geschäft mit dem Risikokapital. Calpers allein verwaltet derzeit insgesamt 218 Milliarden Dollar. Noch skurriler: Gut möglich, dass der Fließbandarbeiter, der fleißig für seine Altersversorgung einzahlt, damit letztendlich einen Private-Equity-Fonds finanziert, der seine Firma übernimmt und seinen Arbeitsplatz ins Ausland verlagert.

Bis vor kurzem spielte der Bereich „Private Equity“ für die Rentenriesen und Versicherungen noch eine marginale Rolle – wegen der enormen Risiken steckten sie allenfalls ein oder zwei Prozent ihres Kapitals in solche Fonds. Doch die enormen Renditen machen auch die mächtigen Entscheider bei Calpers und Co. immer gieriger: Viele Kassen weiteten ihr PE-Engagement massiv aus, manche auf bis zu zehn Prozent und sogar darüber. Ein riskantes Spiel mit den Altersbezügen, wie zuletzt die Pleite des Hedgefonds Amaranth zeigte: Die Rentenkasse der Bezirks San Diego verlor dabei 105 Millionen Dollar.

Doch der Boom ist ungebrochen, im Gegenteil: In diesem Jahr dürfte das Private-Equity-Gewerbe weltweit Firmen im Wert von 600 Milliarden Dollar übernommen haben. Das ist fast doppelt so viel wie noch 2005.

Im Sommer fädelte ein Konsortium dreier Finanzinvestoren die Übernahme des US-Klinikbetreibers HCA ein. Die Rekord-Transaktion kostete 33 Milliarden Dollar. Kürzlich erst lotete KKR eine Übernahme des französischen Medienriesen Vivendi aus – es kursierten Transaktionssummen um 40 Milliarden Euro.

Deutschland ist in dem weltweiten Geschacher aus mehreren Gründen zu einem der Hauptkriegsschauplätze geworden: Die alte Deutschland AG mit ihren einst engmaschigen Beteiligungsnetzen der großen Banken und Konzerne hat sich in wenigen Jahren fast vollständig aufgelöst. Die neue Freiheit und Selbständigkeit macht aber auch anfällig für Angreifer.

Zudem haben sich in den Jahren der Flaute nach dem Börsenkater viele hiesige Firmen durchaus ordentlich selbst saniert. Etliche stehen wieder blendend da. Nur an Eigenkapital fehlt es oft. Und so sind auch gesunde Weltmarktführer außerordentlich günstig zu haben.

Dazu kommen die Nachfolgeprobleme vieler Familienbetriebe. Was sollen die alten Gründer tun, wenn da plötzlich junge smarte Manager aus London oder Frankfurt mit dem Ende aller Finanzsorgen winken? Es gibt wirklich furchtbarere Schicksale, als plötzlich mit Geld zugeschüttet zu werden.

Inzwischen sind es nicht mehr nur kleinere oder größere Mittelständler, die übernommen werden. Angesichts des vielen Geldes, das die PE-Branche anhäuft, mischt sie in immer größeren Dimensionen mit – und dabei in immer sensibleren Bereichen.

Seit dem Frühjahr hält die US-Private-Equity-Firma Blackstone 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom – und wird damit sogar dem eigenen Branchen-Grundsatz untreu, eigentlich nur klare Mehrheiten zu erobern. Die 80.000 Wohnungen der Immobiliengesellschaft Gagfah gingen 2004 in den Besitz von Fortress über. Andere Wohnungsbaukonglomerate werden folgen, denn auch viele deutsche Städte brauchen dringend frisches Geld.

Und das ist noch lange nicht alles. Gerade das Mediengeschäft lockt – neben ihrer wachsenden Marktmacht kumulieren Finanzinvestoren auch zunehmend Meinungsmacht, und das nicht nur im überwiegend werbefinanzierten Fernsehen der ProSiebenSat.1 Media AG: Die Nachrichtenagentur DDP ist ebenso in der Hand von Beteiligungsfirmen wie das Bezahlfernsehen von Arena. Der britische Investor David Montgomery hat mit Hilfe von Fonds erst die „Berliner Zeitung“ gekauft, dann die „Hamburger Morgenpost“ und schaut sich nun nach weiteren Blättern um.

Permira-Boß Krenz war auch hier einer der Pioniere. Aus der Insolvenzmasse des untergegangenen Medienimperiums von Leo Kirch hatte er 2003 für insgesamt rund 220 Millionen Euro mehrheitlich dessen größtes Sorgenkind übernommen, den Pay-TV-Anbieter Premiere. Sofort nach Ablauf der Sperrfristen nach dem Börsengang 2005 verkaufte er das Gros der Anteile wieder, vor wenigen Wochen auch noch den kleinen Rest – insgesamt für ein Vielfaches seines Einsatzes. Diese „Medien-Erfahrung“ machte ihm offenbar Lust auf deutlich mehr.

Sie sind also längst überall. Und sie fangen an, aus der Bundesrepublik einen Hort unverhohlenen Effizienzdenkens zu machen.

Ja – und? Ist das denn so schlimm? Man könnte doch auch argumentieren, dass es letztlich egal ist, wem eine Firma gehört. Hauptsache, sie ist gesund, wetterfest in den Stürmen der Globalisierung und ausgestattet mit einer anständigen Produktpalette. Aber genau da fangen die Probleme an. Denn darum geht es gar nicht.

Die übernommenen Unternehmen taugen den Eroberern nur noch als Transmissionsriemen ihrer Profitversprechen. Sie sind ihnen nicht verpflichtet. Sie verfolgen keine langfristige Strategie. Also wird in immer rasanteren Zyklen ein- und wieder ausgestiegen.

Auch die Beteiligungsfirmen sind Getriebene – der eigenen Versprechen wie der Erwartungen des fremden Kapitals, aber auch des wachsenden Konkurrenzdrucks ihres Gewerbes. Geld ist noch immer da. Auf rund drei Billionen Dollar schätzen Experten das weltweit verfügbare Kapital inklusive Fremdkapital. Aber weil die interessanten Übernahmeobjekte immer knapper werden, steigen auch die Preise.

Die Gabelstapler-Sparte der Linde Group ging gerade für vier Milliarden Euro an ein PE-Konsortium – auch hier mit von der teuren Partie: KKR.

Das deutsche Unternehmen mit dem Kunstnamen Kion ist auf dem Weltmarkt die Nummer zwei hinter Toyota. Seine Bilanzen sind hervorragend. Noch.

Im Fall der Gabelstapler gibt es Job-Garantien, durchaus langfristige Geschäftspläne und sogar die beruhigenden Worte von Betriebsräten – die sich im Bieterverfahren übrigens vehement gegen ein in diesem Fall konkurrierendes Angebot von Permira eingesetzt hatten. Aber selbst hier wird ein Teil der Kreditlast gleich dem Unternehmen selbst aufgebürdet.

Die Belegschaft fürchtet sich vor den möglichen Folgen. Je höher der Preis, umso aggressiver und schneller muss womöglich das Unternehmen selbst nach dem Kauf ausgequetscht werden.

„Buy it, strip it, flip it“, so das Credo der PE-Branche. Kauf es, zieh es aus, wirf es weg!

Oft sind Firmen nach solchen Crashkursen in puncto Turbokapitalismus nicht mehr wiederzuerkennen: Bis nah an den Hungertod verschlankt, drohen sie unter der Last jener Kredite zusammenzubrechen, die ihnen die neuen Besitzer zugemutet haben. Weit verheerender noch sind in dem gigantischen Geldvermehrungszauber aber ganz andere Folgen.

Denn wo zum Beispiel bleiben in den Geschäftsmodellen der neuen Besitzer so schwer berechenbare Größen wie Forschung und Entwicklung? Wieso soll eine Firma riskante Innovationen bezahlen, deren Ertragskraft sich bisweilen erst Jahre später erschließt? Wer plant überhaupt noch langfristig und strategisch unternehmerische Schritte, wenn doch nur noch Quartalszahlen von Bedeutung sind?

Das große Fressen des Finanzmarkts hat auch eine makroökonomische Komponente. Denn was wird aus einer Volkswirtschaft, in der alle Manager, Ingenieure oder Firmen nur noch dem kurzfristigen Cash-Gewinn hinterherhecheln? Wann also erstickt diese einst so stolze deutsche Industrie unter dem Diktat der neuverordneten Kurzatmigkeit? Und, vor allem: Welche gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen hat es eigentlich, wenn derart bedeutende Teile der deutschen Wirtschaft auf dem Grabbeltisch landen? Schlimme, prophezeit Dieter Heuskel.

Der Mann ist kein apokalyptischer Sozialdemokrat oder bornierter Gewerkschafts-Betonkopf. Er ist promovierter Volkswirt und noch bis Ende des Jahres Deutschland-Chef der renommierten Unternehmensberatung Boston Consulting. Heuskel warnt davor, dass sich die hiesige Unternehmenskultur durch die neuen Finanzjongleure dramatisch ändern wird.

Er sieht die Zeichen einer „tiefgreifenden Neuordnung der Eigentümerstrukturen“. Und er befürchtet „eine massive Umverteilung von Wert und Gewinn aus der Zukunft in die Gegenwart“.

Kurz: Private Equity lebt seiner Ansicht nach davon, dass das Morgen schon heute versilbert wird.

Heuskel tut dabei etwas fast schon Romantisches: Er proklamiert die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen und ihr langfristiges Engagement. Er weiß zugleich, dass viele von denen gar keine Chance mehr bekommen werden, sich für derart altmodische Werte starkzumachen.

Mit seiner Warnung steht der Boston-Consulting-Chef nicht allein: Der deutsche Rechtswissenschaftler Uwe H. Schneider wettert gegen die neue Generation der „Eigenkapitalräuber“. Das liberale US-Wirtschaftsmagazin „Business Week“ beschrieb die Private-Equity-Ära als „Geschichte eines Exzesses“. Und sogar in der durchaus zum Größenwahn neigenden Branche selbst mehrt sich die Selbstkritik.

„Wir glauben wieder, dass wir alles in Gold verwandeln können“, sagte Arthur Levitt, Berater der US-Beteiligungsgesellschaft Carlyle unlängst bei einer Branchenkonferenz in Genf. Levitt war früher Chef der amerikanischen Wertpapieraufsicht und hat als Orakel einen untadeligen Ruf. In den neunziger Jahren warnte er frühzeitig vor einer Börsen-Blase. Mit der gleichen Düsternis tadelt er nun, dass die PE-Branche „starke Anreize für unmoralisches Verhalten“ schaffe.

Die Ära der neuen Bilanzakrobaten ist in Deutschland noch zu jung, um allzu viele abschließenden Urteile fällen zu können – aber die ersten Opfer sind bereits zu besichtigen.

Dazu gehört die extrem verschuldete Celanese, das alte Chemiegeschäft der Hoechst AG. Der Telekommunikationsdienstleister Tenovis und der Autozulieferer Kiekert wurden gar an den Rand des Exitus gemanagt. Beide erwiesen als Fehlinvestition für die Investoren.

Die Angst in der deutschen Wirtschaft wächst. Die Kassen der Beteiligungsgesellschaften sind so dick gefüllt, da scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich an die Großen der deutschen Wirtschaft heranwagen – an Siemens, Telekom, DaimlerChrysler oder die Lufthansa. Im September hatte ein Konsortium um den US-Finanzinvestor Bain erstmals versucht, ein Dax-Unternehmen zu kapern. Die Übernahme des Reifenherstellers Continental scheiterte, am Unvermögen der Beteiligten und am Aktienkurs, der den Plänen der Investoren davongeeilt war.

Grundsätzlich aber sind solche Ziele keine Frage des Geldes mehr – eher eine des öffentlichen Aufschreis, den man mit einpreisen müsste. Außerdem könnten klagende Kleinaktionäre eine Übernahme unkalkulierbar verzögern.

Was wird aus der deutschen Wirtschaft, wenn sich das Geschäftsmodell der Beteiligungsgesellschaften immer mehr durchsetzt? Wenn kurzfristiger Erfolg zum alleinigen Maßstab wird?

„Heuschrecken“ nannte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering die marodierenden Wesen der modernen Hochfinanz vor der jüngsten Bundestagswahl. Der Begriff machte Karriere.

Zeitungen veröffentlichten danach Listen mit den bekanntesten Akteuren. Sie sahen aus wie Fahndungsaufrufe. Auch Permira-Chef Krenz fand sein Bild darin wieder und war not amused.

Krenz hat recht – Müntefering auch. Nur: Der SPD-Mann hatte auch kein probates Gegenmittel. Und vor allem steht er unter dem Generalverdacht des Populismus, denn selbst seine eigene Regierung kollaboriert mit diesen „Heuschrecken“, wenn es denn passt.

Es ist schon eine besondere Ironie, dass der SPD-Fraktionschef Peter Struck die finanzmarktfreundliche Unternehmenspolitik des Telekom-Managements kritisiert. Denn es war der Bund, der Blackstone in den Kreis der Telekom-Aktionäre holte, um für frischen Wind zu sorgen.

Als Verkehrsminister hat Müntefering 1998 die staatliche Restaurant- und Zapfsäulen-Kette Tank & Rast vom Bund an PE-Firmen verkauft.

Noch weniger Berührungsängste vor der Branche hat der frühere Finanzminister Theo Waigel – er hat mit der Texas Pacific Group ausgerechnet das PE-Unternehmen beraten, das durch die Umstände seiner Grohe-Übernahme Müntefering erst zu seinem Insekten-Vergleich inspirierte.

Und die Deals zwischen öffentlicher Hand und privatem Beteiligungskapital haben gerade erst begonnen. Nur am Veto des Bundespräsidenten scheiterte vor wenigen Wochen der geplante Verkauf der Deutschen Flugsicherung. Neben der Lufthansa waren auch etliche Fonds interessiert.

Selbst der Deutsche Gewerkschaftsbund ist nicht frei von dieser Doppelzüngigkeit. Einerseits geißelt er den „Spekulationsverkauf“ von Immobilien der Stadt Dresden an die PE-Gesellschaft Fortress. Andererseits verkaufte die Gewerkschaftsholding vor einem Jahr über 20 000 Wohnungen für eine Milliarde Euro an die US-Beteiligungsfirma Cerberus (in der griechischen Mythologie der Höllenhund). Nach einer klaren Linie sollte man in diesem riesigen Poker gar nicht mehr Ausschau halten.

Einerseits wird heftig und monatelang darum gestritten, die Gehälter der Top-Manager zu veröffentlichen, um mehr Transparenz zu schaffen. Andererseits weiß man bei Hedgefonds und Private Equity oft nicht einmal, wer mit wessen Geld da gerade welchen Konzern angreift.

Einerseits verbieten Kartellamt und Konzentrationskontrolleure hierzulande mit Hinweis auf drohende Markt- und Meinungsmacht, dass zum Beispiel ein Verlag wie Axel Springer beim TV-Geschäft von ProSiebenSat.1 einsteigt. Andererseits können Fonds wie KKR und Permira jetzt wohl problemlos einen paneuropäischen Medienkonzern errichten – und damit den zweitgrößten TV-Konzern Europas.

Die Gier greift wieder um sich. Und sie ist mindestens so gefährlich wie jene, die einst die Internet-Blase aufblähte. Diesmal wird nicht mit virtuellen Werten gespielt, dieses Mal geht es um Hunderttausende Jobs, um jahrzehntelang gewachsene Branchen und reale Unternehmen, die nicht nur Tradition, sondern auch glänzende Zahlen und Zukunftsaussichten vorzuweisen haben.

Und das alles hat man einem Metier zu verdanken, das vor 20 Jahren hier noch kaum jemand kannte – ja, das sich damals überhaupt erst selbst erschuf. Permira-Chef Krenz kann sich noch gut daran erinnern, wie das alles anfing – und was für eine kleine Nummer er selbst damals darstellte.

Er war Ende zwanzig und ein junger Betriebswirt aus Hamburg, als er mit seinem ersten kleinen Fonds unterwegs war in der damals noch florierenden Deutschland AG. Das Geld sollte ihm die Türen öffnen zu verkaufswilligen deutschen Firmen-Inhabern. Es musste ja nicht gleich ein Riese sein wie der US-Nahrungsmittel-Multi Nabisco, der 1988 für 25 Milliarden Dollar in PE-Besitz überging – eine frühe und lang anhaltende Rekordmarke. Einer wie Krenz scheiterte meist schon am Telefon, in den Vorzimmern der alten Macht. Sie nahmen ihn nicht ernst – oder gar nicht erst wahr.

Vor 20 Jahren gehörte es noch zum guten Ton, daß man – wenn überhaupt – seine Firma an den Stärksten verkauft, an den Marktführer. Jedenfalls nicht an irgendwelche Milchbubis mit Schecks in den Alu-Koffern. Das hätte ja ausgesehen, als wäre man auf das Geld angewiesen.

„Für uns blieben die leftovers“, erinnert sich Krenz im branchenüblichen Denglisch-Kauderwelsch. Die Reste also, die Ladenhüter, jene Firmen, die wirklich niemand haben wollte. Krenz kann darüber heute nur noch lächeln. Er sitzt jetzt in einem schmucklosen Neubau am Rande des Frankfurter Uni-Viertels Bockenheim. Die einzige Extravaganz im Foyer ist eine Skulptur mit einem Globus. So müssen sie sich fühlen wie die neuen Könige des Universums: allgegenwärtig und allmächtig. Krenz übernahm in den vergangenen sieben Jahren unter anderem die Takko-Modemärkte, die Chemieproduzenten TFL und Cognis, das Brillenimperium von Rodenstock, den Telekom-Anbieter Debitel und das TV-Geschäft von Premiere. Für die Tiefkühlsparte des britisch-niederländischen Lebensmittelmultis Unilever und die dazugehörende Traditionsmarke Iglo bezahlte er dieses Jahr 1,73 Milliarden Euro. Und sein größter Coup ist jetzt, zusammen mit KKR, die Übernahme von ProSiebenSat.1. Jetzt lacht niemand mehr über Krenz. Krenz ist einer dieser Master of the Universe geworden. Einer, der in der Nahrungskette des globalen Fressens und Gefressenwerdens weit oben steht. Und er befindet sich in bester Gesellschaft.

Etliche Managementlegenden haben die Seiten gewechselt. PE ist sehr schnell sehr schick geworden. Es verspricht nicht nur Geld, sondern auch neuen Respekt.

Der einstige GE-Boss Jack Welch tummelt sich heute in der Branche ebenso wie der frühere IBM-Chef Louis Gerstner, der heute die einflussreiche Carlyle Group anführt. Zu deren 390 Mitarbeitern gehörten auch Ex-US-Präsident George Bush senior und der frühere britische Premierminister John Major. Von den 400 vermögendsten Amerikanern hat schon jeder zwanzigste seinen Reichtum dem Geschäft mit Private Equity zu verdanken.

Auch hierzulande wechseln deshalb viele Top-Manager ins Gewerbe des schnellen und vor allem großen Geldes: Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser arbeitet in einem Büro an der Düsseldorfer Flaniermeile Kö für die amerikanische PE-Gesellschaft General Atlantic. Und Ron Sommer fädelte ausgerechnet den Einstieg von Blackstone bei seinem alten Arbeitgeber Telekom ein. Andere wie der frühere Kaufhof-Chef Jens Odewald gründen gleich selbst eine Fonds-Firma.

Es ist ein kleiner, exklusiver Zirkel von verschwiegenen Spitzenverdienern. Über den sogenannten Carried Interest oder Carry partizipieren die Partner, Berater oder Investment Professionals, wie sie sich auf ihren Visitenkarten nennen, an der Wertentwicklung ihrer Fonds. Nachwuchssorgen gibt es denn auch keine. „Wir können uns unter den Elite-Absolventen die Besten der Besten aussuchen“, sagt Jens Reidel, Chef von BC Partners. Wer mit 40 noch arbeiten muss, gilt als hoffnungsloser Fall.

So rücksichtslos viele Heuschrecken bei ihren Geschäften vorgehen: Es gibt auch die nützliche Spezies. In den Augen vieler Ökonomen spielt PE eine entscheidende Rolle als Motor des volkswirtschaftlichen Umbaus.

„Private-Equity-Gesellschaften erfüllen eine wichtige Aufgabe bei der Restrukturierung von konsolidierungsbedürftigen Industrien“, sagt die Münchner Professorin Ann-Kristin Achleitner – Ehefrau von Paul Achleitner, Finanzchef des verstärkt in PE investierenden Allianz-Konzerns.

Tatsächlich entsorgen PE-Manager oft den Mief aus Markenunternehmen, sie bauen durch Zukäufe neue, schlagkräftige Unternehmensgruppen – wie etwa die Verbindung aus ProSiebenSat.1 und SBS. Sie liefern vor allem frisches Kapital. Vor allem das große Heer der Mittelständler ist schlicht zu klein, um sich am Kapitalmarkt neues Geld holen zu können. 32 Milliarden Euro Eigenkapital haben PE-Firmen so in den vergangenen 20 Jahren meist in kleine und mittlere Firmen gepumpt. Der brancheneigene Verband BVK, der zu den Verschuldungsexzessen seiner wenigen Mitglieder aus der Weltliga gern schweigt, brüstet sich mit positiven volkswirtschaftlichen Effekten. Die Umsätze von Beteiligungsunternehmen seien in der Vergangenheit viermal schneller gestiegen als im Durchschnitt der Wirtschaft, zitieren die Funktionäre „empirische Untersuchungen“. Die Beschäftigtenzahlen hätten sich gar um 5 bis 15 Prozent pro Jahr erhöht, „während in der Wirtschaft insgesamt kaum Entlastungen am Arbeitsmarkt sichtbar waren“. Es gibt durchaus Beispiele dafür, dass Private-Equity-Firmen vor der Pleite und Belegschaften vor der Arbeitslosigkeit rettete. Es gibt diese Fälle, wo die neuen Besitzer nicht nur frisches Geld, sondern auch frischen Wind mitbrachten und am Ende alle Beteiligten gewannen. So wurden die Drogeriekette Ihr Platz oder der Bankautomatenproduzent Wincor Nixdorf saniert. Bei Märklin in Göppingen machte sich sogar der Betriebsrat dafür stark, daß die alten, untereinander heillos zerstrittenen Eigentümerfamilien endlich an einen schneidigen Finanzinvestor verkauften. Bei den Bahnbastlern stieg Kingsbridge ein – wie zuvor schon bei der Strumpfdynastie Kunert.

Nun sind die Familien weg und die neuen Investoren an Bord. Sie drücken ein neues Preissystem durch, führten den Direktvertrieb übers Internet ein und lancierten neue Produkte. Das ehrwürdige Modellbahnmuseum wurde schon in einen notdürftig aufgehübschten Zweckbau ausgelagert, in dem bis vor wenigen Wochen noch Fliesen und Badewannen präsentiert wurden. Plötzlich geht alles sehr schnell. Die Übernahme der ebenfalls zum Verkauf stehenden Garten-Modellbahn LGB wird geprüft. Man weiß noch nicht genau, was der ganze Aktionismus bringen wird. Aber der Märklin-Belegschaft ist das allemal lieber als die alte Agonie, die womöglich geradewegs zum Insolvenzrichter geführt hätte. Oft läuft es wie bei Cognis oder, wenn es ganz schlimm kommt, sogar wie bei Kiekert. Das Unternehmen dominierte bis vor kurzem den Weltmarkt für Autotürschlösser. Vor dem Rathaus am Firmensitz im rheinischen Heiligenhaus steht ein stählerner Schmied, der auf einen riesigen Amboss eindrischt. Seit 1604 schon werden dort Schlösser produziert. Noch immer ist fast jeder BMW und Mercedes mit Kiekert-Produkten bestückt.

Das Geschäft lief so gut, dass Permira im Jahr 2000 530 Millionen Euro für das Unternehmen zahlte. Das war viel Geld. Kurz darauf verlor Kiekert den Großkunden Ford. Ein Drittel des Umsatzes brach weg – wie auch das gesamte Finanzkonstrukt der Permira-Profis.

Drei der vier Werke in der Stammregion werden dichtgemacht. In Heiligenhaus parken nun Laster, die Billigteile aus Tschechien heranschaffen. Der Unternehmenssitz, wo Anfang des Jahres noch 1500 Menschen arbeiteten, soll verkauft werden. Die Kiekert-Belegschaft hat einer Verlagerung der Produktion an den Stadtrand ebenso zugestimmt wie Entlassungen und dem Abschied von Urlaubsgeld bis 2009. Schon unter regulären Bedingungen hätte es Kiekert schwer. Doch mit den hohen Schulden stellte sich schnell die Existenzfrage.

„Permira hat einen Mondpreis bezahlt. Nun müssen es die Beschäftigten ausbaden“, heißt es bei der IG Metall. Permira-Chef Krenz lässt das so nicht gelten. Er federt aus seinem Konferenzsessel und malt das ganze Kiekert-Konstrukt in Sekundenschnelle auf ein Flipchart-Blatt. Schuld sind immer die anderen. Und die müssen es nun eben richten.

Krenz hat die Firma abgeschrieben, mittlerweile haben die Gläubiger das Sagen. Ein anderes Objekt muss jetzt eben zum Ausgleich 40 Prozent Rendite liefern, ProSiebenSat.1 vielleicht. Dann ist das Debakel verdaut.<

„Das Geschäft dreht sich vor allem um das Risiko“, sagt Krenz. Er zieht an seinem Zigarillo. „Der Preis für das Risiko ist die Rendite.“ Es klingt ganz einfach. Es klingt nach Lohn der Angst. Aber an wem bleibt dieses ominöse Risiko am Ende wirklich kleben? An den Beteiligungsgesellschaften? An den Banken? An den übernommenen Firmen? Beim Bund, der nach so manchem Rausch der Beteiligungsbranche ein paar hundert oder tausend neue Arbeitslose alimentieren muss? Wer bezahlt wirklich? Und wer könnte überhaupt was dagegen tun? Bislang macht es Deutschland den Angreifern leicht. Das zeigt das Beispiel der deutschen TV-Kabelnetze, die zu Zeiten des Telekom-Monopols mit Milliarden aus den Telefongebühren quer durch die gesamte Republik verlegt wurden. Im Jahr 2003 übernahmen die PE-Firmen Apax und Providence gemeinsam mit der Investmentbank Goldman Sachs das Unternehmen. Preis: 1,73 Milliarden Euro. Eigeneinsatz der neuen Herren: minimal.

Innerhalb von zweieinhalb Jahren saugten sie 1,6 Milliarden aus dem Unternehmen, das dadurch tief in die roten Zahlen rutschte. Beim anschließenden Komplettverkauf an Providence sahnten Apax und Goldman Sachs nach Berechnungen der „Börsen-Zeitung“ weitere 300 Millionen ab – jeweils.

Es war ein wunderbares Geschenk in einem wunderbaren Land, das Firmenjägern geradezu den Tisch deckt: Die einstmals mit Gebührengeldern bezahlte Infrastruktur wurde regelrecht verschenkt.

Der Fiskus hatte beim Geschäft mit Kabel Deutschland das Nachsehen: Die auch in diesem Fall künstlich geschaffenen Schulden sind abzugsfähig. Die Beteiligungsfonds haben ihre Sitze in Steueroasen wie auf der Kanalinsel Guernsey oder auf den karibischen Cayman Islands. Und die damalige rot-grüne Regierung half kräftig mit, indem sie schon vor dem Kabelnetz-Deal für Unternehmensverkäufe strikte Steuerbefreiung beschlossen hatte.

„Oma-Deals“ nennen die PE-Profis so etwas. Todsichere Geschäfte. Als würde man sein Geld abends unters Kopfkissen legen, und morgens hätte es sich verdoppelt.

„Eigentum verpflichtet“, heißt es im Grundgesetz. Aber im Fall der Beteiligungsbranche gerierte sich die Berliner Politik bislang merkwürdig arg- und kritiklos. Zwar schimpft SPD-Chef Kurt Beck, ganz in der Tradition des Vizekanzlers Müntefering: „Das ist nicht die Wirtschaft, die wir haben wollen.“ Aber die schwarzrote Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel will sich im Zeitalter der Globalisierung nicht als Bremser des freien Marktes brandmarken lassen.

Im Gegenteil: Die steuerliche Absetzbarkeit der Kreditfinanzierung wird voraussichtlich weniger eingeschränkt als ursprünglich geplant. Und 2008 soll ein Private-Equity-Gesetz kommen, es soll Deutschland als Sitz für Beteiligungskapital-Gesellschaften attraktiver machen. Bislang sind deutsche Gesellschaften gegenüber fast allen ausländischen Konkurrenten steuerlich im Nachteil, Steinbrück will das ändern.

Die Private-Equity-Branche übernehme „eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion bei der Vermittlung von Kapitalangebot und Kapitalnachfrage“ , heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Von den Exzessen ist nicht die Rede.

Von der Politik haben die Finanzinvestoren demnach kaum etwas zu befürchten. Kein Wunder: Städte und Gemeinden, Länder und Bund brauchen selbst dringend frisches Geld. Öffentliche Hand und privates Kapital gehen seit wenigen Jahren ganz neue Verbindungen ein: im Immobiliengeschäft.

„Die meisten Städte und Länder sind doch fast pleite“, bilanziert David Pascall, Deutschland-Chef der Beteiligungsfirma Terra Firma, die über die Tochter Deutsche Annington bereits 65 000 frühere Eisenbahner-Wohnungen sowie 150 000 Werksobjekte vom Energieriesen E.on übernommen hat. In zehn Jahren sollen es eine Million sein. Bereits jetzt haben sich PE-Firmen in Deutschland mehr als 550 000 Wohnungen einverleibt. Der Markt kommt gerade erst in Schwung: Berlin, Kiel und Dresden haben große Tranchen ihrer Bestände schon verkauft. Kleinere Städte wie Halle und Schwerin dürften folgen. Allein Nordrhein-Westfalen möchte sich mit der Privatisierung der Landesentwicklungsgesellschaft LEG bald auf einen Schlag von 100 000 Wohnungen trennen. Doch es formiert sich auch Widerstand: In Freiburg im Breisgau stimmten die Bürger kürzlich gegen einen Verkauf der kommunalen Wohnungen.

Ein derart großangelegter Eigentümerwechsel ist in der deutschen Geschichte ohne Beispiel. Nur: Wie sollen nüchterne Plattenbauten und Mietskasernen eigentlich über Nacht die angestrebten Wahnsinnsrenditen liefern? Über welches Geheimwissen verfügen die neuen Besitzer?

Das Beispiel Fortress zeigt es anschaulich. Die amerikanische PE-Firma hat in den vergangenen drei Jahren 160 000 Wohnungen aus dem Besitz der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, der Norddeutschen Landesbank und der Stadt Dresden gekauft. Gesamtpreis: 6,7 Milliarden Euro.

Das Geschäft wurde in einer Holding gebündelt, die ihren Sitz steuersparend in Luxemburg hat. Schon Mitte Oktober brachte Fortress das Unternehmen namens Gagfah an die Börse und verkaufte 20 Prozent der Aktien im Wert von 850 Millionen Euro. Schon seit dem Börsengang bezeichnen Analysten das Papier als überbewertet.

Die Gagfah-Zukunft soll von drei Geschäftsfeldern dominiert werden: Erhöhung der Mieten, Verkauf von Wohnungen sowie Zukauf neuer Objekte. Hinzu kommt ein bisschen Bilanzakrobatik. Der Wert der Immobilien in den Büchern dank neuer Buchhaltungsregeln kurzerhand hochgeschraubt.

Der Verkauf der Wohnungen funktioniert bisher nur schleppend. Zudem wurde der Etat für Renovierungen zusammengestrichen. Wenn die neuen Gagfah-Eigentümer aber zu wenig in die Instandhaltung stecken, könnten bald noch mehr Wohnungen leerstehen.

Schwere Zeiten erlebt derzeit auch das Personal der ehemals gewerkschaftseigenen Holding, die mit ihren 20 000 eigenen Wohnungen Ende vergangenen Jahres von Cerberus übernommen wurde. Von den alten Managern ist kaum noch jemand da. Der Stellenabbau ist in vollem Gang. Die hannoverschen Arbeitsrichter kriegten dieses Jahr gleich mehrere Streitfälle auf den Tisch. Der neue Chef bringt besondere Erfahrung mit: Er arbeitete vorher in der Entsorgungswirtschaft.

Noch sind die PE-Manager schneller als die eigenen Mißerfolge. Noch immer haben die Beteiligungsfirmen unglaubliche Mengen Geld zur Verfügung. So viel, dass sie manchen Investor sogar dankend ablehnen können.

Beim letzten Jahrestreffen der Branche in einem Genfer Luxushotel las eine kleine Asiatin den Managern die Leviten: „Es gibt ein Problem der Fettleibigkeit. Die Beteiligungsfonds fressen und fressen und fressen“, wetterte Wanching Ang, eine zierliche Lady aus Singapur, die über vier Milliarden Euro wacht, die der Münchner Allianz-Konzern in PE-Fonds angelegt hat.

Die Nervosität ist so groß geworden, daß die Profis mittlerweile etwas versuchen, was sie früher strikt ablehnten: Sie gehen an die Öffentlichkeit. „Wir sind keine Heuschrecken“, sagte etwa Terra-Firma-Manager Pascall kürzlich auf einer Podiumsdiskussion in München. Die Finanzjongleure merken, dass sie für sich werben müssen. Dass sie sich auf andere Zugeständnisse einlassen müssen als noch vor kurzem. Dass auch Vertrauen Kapital ist.

Auch die Telefonschalte zur Übernahme von ProSiebenSat.1 sollte deshalb am Freitag schon fast zu einer Art vertrauensbildender Maßnahme geraten.

Die Permira-Männer Krenz und Mäuser und ihr KKR-Kollege Huth bekannten sich zum Standort München, dem bestehenden Management, und betonten, das Geschäft sei „sehr konservativ“ finanziert – sie würden insgesamt immerhin deutlich mehr als 30 Prozent der Kaufsumme als Eigenkapital einbringen. Vertretern von KKR war es in Hintergrundgesprächen mit Journalisten im Vorfeld wichtig zu betonen, das Unternehmen sei anders als andere Private-Equity-Fonds nicht für exzessive Sonderdividenden (sogenannte Recaps) und Gebührenexzesse bekannt: KKR habe sich bei seinen mehr als 140 Transaktionen nicht einmal eine Sonderdividende ausbezahlt.

Tatsächlich sind auch andere Große der Branche bestrebt, sich von den Heißspornen möglichst zu distanzieren. Doch mit der zunehmenden Konkurrenz steigen die Preise. Weil parallel auch noch die Zinsen nach oben gehen, wird Fremdkapital immer teurer – und damit gerät das Geschäftsmodell der Fonds unter Druck.

Früher war ihr Leben noch einfach. Die Fonds hatten zwar vergleichsweise weniger Mittel. Damit kauften sie sich indes günstig in schlecht geführte Firmen ein, peppten sie auf und reichten sie schließlich nach fünf bis sieben Jahren mit Gewinn weiter. Heute ertrinken die Fonds fast in den Milliarden, in diesem Sommer wurden Monat für Monat neue Rekorde verkündet. Bis zum Jahresende könnten PE-Gesellschaften bis zu 300 Milliarden Dollar zugeflossen sein. KKR-Manager Huth spricht inzwischen von einer „Liquiditätsblase“, die Bundesbank warnt vor einer Überhitzung.

Die Private-Equity-Firmen kaufen gesunde Unternehmen zu immer absurderen Preisen mit immer riskanteren Finanzierungen und müssen ihren Einsatz in immer kürzeren Zyklen von nur noch zwei, drei Jahren wieder herauspressen, um ihre Renditeversprechen erfüllen zu können.

Das kann nicht gutgehen. Roman Zeller, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft AlixPartners, rechnet in den nächsten beiden Jahren mit Kreditausfällen in Höhe von bis zu 30 Milliarden Euro. Vergangene Woche machten deutsche Kreditversicherer gar publik, dass die Anzahl von PE-finanzierten Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten in diesem Jahr „deutlich zugenommen“ hat.

Schon jetzt wird ein schwunghafter Handel mit Schulden betrieben, die wie heiße Maronen immer weitergereicht werden. Die Dresdner Bank warnt in einer Studie vor einem möglichen „Blutbad“ bei den übernommenen Firmen.

Der Titel der Studie klingt wie eine Beschreibung des Geschäftsmodells der Branche: „Gier übertrifft Angst“.

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