„Team Wallraff“ – So reagiert die Lebenshilfe Leverkusen auf die schweren Vorwürfe

„Team Wallraff“ – So reagiert die Lebenshilfe Leverkusen auf die schweren Vorwürfe

Zwei Gruppenleiter der Lebenshilfe Leverkusen – eine Frau und ein Mann, die beide zur langjährigen Belegschaft gehörten – sind nach der Ausstrahlung der RTL-Sendung Team Wallraff  mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt worden.

Wallraffs Vater war erst Arbeiter, später Angestellter bei Ford in Köln. Seine Mutter entstammte einer südfranzösischen Hugenottenfamilie, ihre Eltern waren Klavierbauer

Als er fünf Jahre alt war, erkrankte der Vater schwer, Folge seiner Arbeit in der Lackiererei von Ford, die sein Sohn später „Lackhölle“ nannte.

Da die Mutter für den Unterhalt der Familie arbeiten gehen mußte, kam Günter Wallraff vorübergehend in ein katholisches Waisenhaus. Nach seiner Geburt evangelisch getauft, wurde er auf Drängen der Ordensschwestern mit Einwilligung seines Vaters ein weiteres Mal getauft, dieses Mal katholisch. Als er 16 Jahre alt war, starb sein Vater. Zu Gymnasialzeiten schrieb er einige Gedichte und schickte sie Heinrich Böll, mit dessen Neffen er befreundet war und dessen Nichte er später heiratete. Nach der 10. Klasse verließ er das Gymnasium und begann eine Buchhändlerlehre, die er 1962 abschloß.

Auf das Schärfste kritisiert die Geschäftsführung der Lebenshilfe-Werkstätten das Verhalten der Mitarbeiter.

Wie am Montagabend gezeigt wurde, haben sie eine junge Frau mit schweren Behinderungen wiederholt drangsaliert.

Wie Harald Mohr, Geschäftsführer der Lebenshilfe-Werkstätten Leverkusen und Rhein-Berg, ankündigte, werden arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet.

„Ihr Verhalten wird zu Recht skandalisiert. Es ist nicht entschuldbar.“

Günter Wallraff und seine Kollegen haben in der neuesten ‚Team Wallraff‘-Reportage Missstände in Einrichtungen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung aufgedeckt. Undercover-Reporterin Caro Lobig nahm für ihre Recherchen die Rolle der Praktikantin Steffi an.

Team-Wallraff-Reporterin deckt auf
Günter Wallraff und seine Kollegen haben in der neuesten ‚Team Wallraff‘-Reportage Missstände in Einrichtungen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung aufgedeckt. Undercover-Reporterin Caro Lobig nahm für ihre Recherchen die Rolle der Praktikantin Steffi an.

Praktikantin Steffi arbeitet in Leverkusen in einer Werkstatt der Lebenshilfe e.V. mit schwerstbehinderten Menschen. Das ‚Team Wallraff‘ hat Hinweise bekommen, dass hier Missstände vorkommen. Günter Wallraff traf im Vorfeld der Recherchen eine junge Frau, die anonym bleiben will. Die Informantin kritisierte vor allem den Umgang mit Schwerstbehinderten in ihrer Werkstatt. Sie war nach der Schule in dieser Einrichtung gelandet, weil sie von Geburt an schwer behindert ist und keine normale Ausbildung gefunden hatte.
Undercover-Reporterin Caro Lobig lernt in der Werkstatt an ihrem ersten Praktikumstag Lisa, die eine schwere Körperliche und geistig Behinderung hat, kennen. Die junge Frau ist Anfang 20 und fällt der Reporterin auf, weil sie sehr lebensfroh ist und die Nähe zu anderen Menschen sucht. Lisa ist motorisch eingeschränkt – sie kann nicht sprechen und versteht auf Grund ihrer geistigen Behinderung auch nicht alles.
Weil sie ihren Speichelfluss nicht kontrollieren kann, trägt Lisa ein Halstuch, das die Flüssigkeit auffängt. Als es sich löst, geht die hilflose Lisa auf einen Betreuer zu. Dieser weiß, dass die junge Frau sich das Tuch nicht selbst umbinden kann. Doch der Gruppenleiter findet es offenbar lustig, ihr mit dem speichelfeuchten Tuch die Augen zu verbinden. „Das ist ein respektloser Umgang mit Hilflosen“, sagt Pflege-Experte Claus Fussek. Er ist fassungslos über diese Kränkung und Erniedrigung, als er die Aufnahmen der versteckten Kamera sieht.
Drastische Szenen: Betreuer machen sich über Lisa auf dem Flur lustig
Oft ist zu beobachten, wie die schwerbehinderte Lisa in Arbeitspausen scheinbar gelangweilt durch die Gänge läuft. Einmal ruft der Gruppenleiter sie dabei wie einen Hund. Er pfeift und schnalzt nach Lisa. Doch das ist erst der Anfang, Reporterin Caro Lobig erlebt noch drastischere Szenen.
Am zweiten Praktikumstag sucht die sehr aktive Lisa wieder einmal nach Beschäftigung. Sie geht über den Flur, auf dem mehrere Betreuer zusammenstehen. Lisa kann zwar ohne Hilfestellung gehen, durch ihre Behinderung kann sie allerdings Hindernisse nicht richtig einschätzen. Mit seinen ausgestreckten Beinen macht ein Betreuer den Flur für Lisa zur Stolperfalle. Obwohl der Mann sieht, dass Lisa auf ihn zuläuft, lässt er sein Bein ausgestreckt zieht. Wie zu erwarten, stolpert Lisa und stürzt auf den Boden. Doch die Betreuer helfen ihr nicht. Stattdessen machen sie sich über die am Boden liegende schwerbehinderte Frau lustig. Während Lisa sich mühsam aufrafft, wird sie verspottet: „Sie hat zwei Füße. Zwar nicht zu glauben, ist aber so.“
Den Pflege-Experten Claus Fussek machen die Aufnahmen der versteckten Kamera fassungslos: „Das ist mutwillig und das ist Vorsatz. Das besonders Beschämende ist auch, dass die umliegenden Mitarbeiter das scheinbar für normal halten.“ Das gehe gar nicht. „Sie demütigen, sie erniedrigen jemanden, der wehrlos ist.“

Das ‚Team Wallraff‘ entscheidet sich nach dem Praktikum der Undercover-Reporterin Caro Lobig, Lisas Vater anonym über die Vorgänge in der Lebenshilfe-Einrichtung zu informieren. Alle Vorfälle im Umgang mit Lisa wurden auch der Werkstatt geschildert. „Ihre Darstellung als richtig unterstellt, hätte dies für die beteiligten Betreuer arbeitsrechtliche und unter Umständen auch strafrechtliche Konsequenzen“, teilt die Werkstatt in einer Stellungnahme mit. „Mitarbeiter, die behinderte Mitarbeiter körperlich unangemessen und übergriffig behandeln, haben in unserer Einrichtung nichts zu suchen“, heißt es weiter.
Das ‚Team Wallraff‘ ist mit der Leitung der Werkstatt, die sich tief betroffen über die Recherchen zeigt, im Gespräch.

(mehr dazu bei rtl.de)

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