Trump versucht, den Euro anzugreifen

gold-abwertung-30er

„Der Währungskrieg hat schon begonnen“, sagt beispielsweise der Wirtschaftshistoriker Harold James, Professor an der renommierten Princeton-Universität.

Seit 80 Jahren habe kein US-Präsident derart isolationistische Töne angeschlagen.

„Die Rhetorik mag Teil der Verhandlungsstrategie sein. Aber sie wird wohl kaum positive Ergebnisse bringen“, sagt James.

abwertung-dollar-2012-2017

Abwertung Dollar 2012 2017

Er sollte es wissen. Er hat die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen intensiv studiert. Und anhand der Äußerungen von Trumps Team glaubt er eine simple Strategie zu erkennen: die nämlich, die Handelspartner in Europa zu schwächen.

„Das Weiße Haus versucht, den Euro anzugreifen oder zu suggerieren, daß die Währungsunion zerfällt.“

James glaubt, daß das schiefgeht.

Folgt Trump dem Beispiel von Montagu Norman? 1931 ließ der damalige Gouverneur der Bank of England das Pfund rapide abwerten und zettelte damit den letzten Währungskrieg an

In 1931 ließ Montagu Norman als Gouverneur der Bank of England das Pfund rapide abwerten und zettelte damit den letzten Währungskrieg an

Denn je mehr Kapital aus der EU in den Dollar-Raum fliehe, desto höher steige der Greenback. Desto schwieriger werde es für amerikanische Unternehmen, konkurrenzfähig zu bleiben. Und wenn James die Dinge richtig vorhersieht, dann wird Trumps Regierung darauf reagieren, indem sie noch mehr Zölle und Beschränkungen für ausländische Unternehmen einführt, die in den USA Geschäfte machen wollen.

Trump, sagt James, treibe die Welt in einen „Teufelskreis von Währungskrieg und Protektionismus“.

Diese Gefahr sehen inzwischen auch Wirtschaftsbosse. Eine Mehrheit der deutschen Wirtschaftsführer hält inzwischen einen Währungskrieg für die größte Gefahr, die von Trump ausgeht. Mehr als ein Drittel der Vorstände ist alarmiert, das ergab eine Umfrage der Welt am Sonntag.

Das erklärt auch die gedrückte Stimmung an den Börsen. Von dem anfänglichen Hurra nach der Wahl Trumps ist nichts mehr zu spüren. Denn die Geschichte lehrt, wie gefährlich Handelskonflikte zwischen den großen Wirtschaftsmächten sind.
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die USA eine gewisse Stabilität des internationalen Finanzgefüges garantiert. Sie haben schon immer darauf geachtet, ihre Interessen zu wahren, oft genug handelten sie egoistisch, doch sie ließen nach 1945 selten Zweifel aufkommen, dass sie internationale Zusammenarbeit als unerlässlich betrachten. Trump aber scheinen die Allianzen der Nachkriegszeit bisher nicht sonderlich wichtig.

Ein Krieg, in dem es keine Gewinner gibt

Damit drohen Verunsicherungen an den Börsen, wie derzeit. Vor allem aber tut sich ein Horrorszenario auf, das man aus den 30er Jahren kennt, als jede Nation gegen jede kämpfte.

Es waren die Briten, die diesen bisher letzten Währungskrieg anzettelten. Im Herbst 1931 schlug die Bank of England unter ihrem damaligen Gouverneur Montagu Norman das Pfund aus der Gold-Bindung – und ließ den Sterling rapide abwerten.

Mit der billigen Währung steigerte das Königreich kurzfristig seine Exportchancen, da britische Waren im Ausland nun günstiger wurden.

Doch damit zerriß London auch die letzten Bande internationaler Zusammenarbeit, die das angeschlagene Finanzsystem noch vor dem endgültigen Kollaps bewahrt hatten. Andere Staaten reagierten, indem auch sie ihre Devise abwerteten.

Es war ein Krieg, in dem es keine Gewinner gab. Niedrigere Wechselkurse, um die heimische Industrie zu stärken, Schutzzölle, Handelsbarrieren

Zuvor hatten die USA 1930 den Smoot-Hawley Tariff Act verabschiedet. Protektionismus in Reinform. Die USA belegten mehr als 20.000 ausländische Produkte mit Strafzöllen.

Der Welthandel brach um rund zwei Drittel ein.

Die Initiatoren des Gesetzes, die Kongreßabgeordneten Reed Smoot und Willis Hawley, sprachen ähnlich wie Trump heute.

„Das Risiko für einen Handelskrieg ist zuletzt gestiegen“, sagt deshalb auch Bernd Weidensteiner, Ökonom bei der Commerzbank. Trump betrachte den internationalen Austausch von Waren und Gütern offensichtlich als Nullsummenspiel: „Er wird wohl aggressiv agieren, um den USA vermeintliche Vorteile zu verschaffen.“

Unter Trump suchen die USA zum ersten Mal seit den 30er-Jahren die Konfrontation mit ihren europäischen Partnern. Sie schüren sogar – völlig neu – Spannungen zwischen den EU-Partnern.
Die Europäer konnten sich lange darauf verlassen, daß Washington den Zusammenhalt der EU respektieren und unterstützen würde. Das ist nun vorbei.

„In der Vergangenheit sahen die Amerikaner Europa als einen Pol der Stabilität in einer unsicheren Welt“, sagt der Wirtschaftshistoriker James. Trump dagegen wolle ein schwaches Europa, „sowohl ökonomisch als auch politisch“.

  • James hält es allerdings für möglich, daß Trumps Attacken die Europäer zusammenschweiße und am Ende zu einer engeren Kooperation von Europa und China führen könnten.
  • In ein paar Monaten wird man wissen, wie die Dinge stehen. Im Juni findet das nächste Treffen der G 20 in Deutschland statt.
  • Wenn die USA den Zerfall der alten Weltordnung bis dahin weiterbetreiben, könnte es das letzte Treffen dieser Art sein.
Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

%d Bloggern gefällt das: