90 Prozent aller reichen Familien verlieren ihr Vermögen spätestens in der dritten Generation, sagt eine US-Studie. Gilt das auch für deutsche Dynastien?

Gutle SCHNAPPER war die Stamm-Mutter der Rothschilds und lebte in grausiger Armut in der Judengasse von Frankfurt am Main

Die US-Vermögensberatung Williams hat ausgerechnet, daß 70 Prozent der reichen Familien in Nordamerika ihr Vermögen schon in der zweiten Generation wieder verlieren.

Nur zehn Prozent überleben gar die dritte Generation.

Lang anhaltende Dynastien sind also die Ausnahme.

Teilweise geschieht das ganz bewußt:

  • Bill Gates und Warren Buffett etwa, heute zwei der reichsten Männer der Welt, werden ihren Nachkommen nur einen Bruchteil ihres gigantischen Vermögens überlassen und den Rest spenden.

Teilweise geschieht das aber auch durch eine Mischung aus schlechten Geschäftsentscheidungen, Teilungen des Familienvermögens unter mehreren Nachkommen und – ja, sehr oft – Alkoholproblemen einzelner Reicher.

Time Magazine:

70% of Rich Families Lose Their Wealth by the Second Generation

Auch Deutschland kennt dieses Phänomen. Einige der unsagbar reichen Familien früherer Zeiten spielen in unserem heutigen Alltag kaum noch eine Rolle. Wir schauen deswegen einmal, was eigentlich aus ihnen wurde.

Mutti wollte es: Seid furchtbar und mehret Euer Geld… Gutle SCHNAPPER war die Stamm-Mutter der Rothschilds und lebte in grausiger Armut in der Judengasse von Frankfurt am Main

1. Die Rothschilds

Die Rothschild sind DIE deutsche Bankerfamilie schlechthin. Ihren Reichtum erwarben sie unter dem Familienpatriarchen Nathan Mayer Rothschild und seinen fünf Söhnen im 19. Jahrhundert.

Die Rothschilds sind eine jüdische Familie, die um 1800 im Frankfurter Ghetto in der Judengasse in einem Haus lebte, das mit einem roten Schild gekennzeichnet war. Auch wenn die Familie später öfter umzog, blieb der Name „Rothschild“ so hängen.

Ihren Reichtum verdankt die Familie vor allem Napoleon. Erst übernahmen die Rothschilds die Besoldung der britischen Truppen in Europa zu hohen Zinsen. Großbritannien konnte sie wegen Napoleons Kontinentalsperre nicht mehr selber bezahlen. Nachdem der Franzose aus seinem Exil in Elba zurück nach Paris kehrte, kauften die Rothschilds massenhaft billige britische Staatsanleihen auf, die nach der Schlacht bei Waterloo kräftig im Wert stiegen. Dadurch, dass der lange währende Krieg in Europa beendet war, brauchte England weniger Geld und emittierte weniger Staatsanleihen. Bei sinkendem Angebot stiegen also die bisher ausgegebenen stark im Wert – rund 40 Prozent Gewinn machten die Rothschilds alleine damit.

Als Juden waren sie aber das gesamte Jahrhundert und teils bis heute üblen antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Zeitgenossen lästerten oft darüber, dass sich die Familie meist für Frieden einsetzte – im 19. Jahrhundert noch verpönt. Ihnen wurde nachgesagt, sie seien so reich, dass kein Herrscher mehr ohne ihren Segen Krieg führen könne.

Heute gilt das nicht mehr. Die Rotschilds sind zwar immer noch eine reiche Familie, aber keine Einheit mehr. Verschiedene Zweige existieren noch, auch wenn die Familie durch Cousin-Hochzeiten oft versucht hat, dies zu verhindern. Im Wesentlichen lassen sich noch drei Rothschild-Familien ausmachen:

– Die französische Finanzholding „Rothschild & Co.“, eigentlich ein Eisenbahnunternehmen, heute eine Vermögensverwaltung und Investmentbank in Paris. Die Rothschilds halten hier 58 Prozent der Aktien, der Börsenwert der Firma liegt bei rund zwei Milliarden Euro.

– Die Groupe LCF Rothschild in der Schweiz. Zu der Gruppe gehört eine Versicherung, die Weingüter der Familie, Hotels, Immobilien und eine Privatbank, die börsennotiert ist. Börsenwert: Rund 640 Millionen Euro.

– Die RIT Capital Partners Plc in London. Die Investmentgesellschaft wurde 1961 von Jacob Rothschild gegründet, der sie seitdem auch leitet. Börsenwert: 2,9 Milliarden Euro.

Jakob Fugger

2. Die Fugger

Der Aufstieg der Familie Fugger in Augsburg ist untrennbar mit Jakob Fugger verbunden. Der Familienpatriarch bekam den Beinamen „Der Reiche“, um seine herausragende Stellung zu unterstreichen.

Dabei waren die Fugger schon eine erfolgreiche Familienfirma als Jakob den Betrieb 1487 übernahm. Er lieh dem verschwenderisch lebenden Erzherzog Sigmund ständig Geld für dessen Lebensstil und Bautätigkeiten. Entlohnt wurde er dafür mit Silber und Kupfer aus den Minen im Reichen Sigmunds. Das ließ das Vermögen der Fugger schnell anwachsen. 1511 besaßen sie 200.000 Gulden, 1527 schon 1,8 Millionen Gulden – das macht eine Steigerung von 55 Prozent pro Jahr!

Das Modell „Geld gegen Rohstoffe“ exportierten die Fugger schließlich bis in den Vatikan. 1546, unter Jakobs Neffen Anton, stieg das Familienvermögen auf fünf Millionen Gulden und machte sie damit wohl zur reichsten Familie Europas.

Doch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verschuldeten sich die europäischen Herrscherhäuser so stark, dass sie bankrott gingen – und die Fugger damit leer aus. Zwei spanische Staatinsolvenzen rissen tiefe Löcher in die Fugger-Taschen, der 30-Jährige Krieg ab 1618 begrub dann das Familienvermögen endgültig.

Heute bestehen noch drei Familienlinien der Fugger, von denen eine auch noch eine Privatbank in Augsburg besitzt. Der Ruhm vergangener Tage ist aber verblasst. Hervorstechendster Besitz der Familie ist die Fuggerei in Augsburg. Das Wohnviertel dort folgt eigenen Regeln, die Miete liegt bei 87 Cent im Jahr. Eine Familienstiftung betreut zudem verschiedene Museen zur Geschichte der Handelsdynastie.

Alfred Krupp

3. Die Krupps

Die Familie Krupp stammt eigentlich aus den Niederlanden, wanderte aber schon im 16. Jahrhundert nach Essen aus. Dort stiegen sie zu einer reichen Handelsfamilie auf, die wichtige Ämter in der damals allerdings noch relativ unbedeutenden Stadt übernahm. Die Krupps scheuten sich dabei auch nicht vor schmutzigen Geschäften: So bauten und verkauften sie Gewehre und nutzten den Tod von Pest-Kranken, um deren Häuser billig aufzukaufen.

Zur wahren Größe gelangte die Familie aber nach der Entdeckung der Kohlevorkommen im Ruhrgebiet und der Industrialisierung des Kontinentes. 1852 patentierte Alfred Krupp ein bruchsicheres Eisenbahnrad, das er ab dato in die ganze Welt exportierte. 1912 erfanden die Krupps den „nicht-rostenden Stahl“. Außerdem blieben sie wichtigste Waffenlieferanten sämtlicher deutscher Regierungen.

Zwischenzeitlich war Krupp so das größte Unternehmen Europas. Doch der Abstieg der Familie begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Krupps hatten Hitler und die Nationalsozialisten von Anfang an unterstützt, Waffen produziert und Zwangsarbeiter eingesetzt. Dafür musste die Familie hohe Reparationszahlungen leisten und wurde teilweise enteignet.

Als der damalige Patriarch Alfred Krupp 1967 starb, verzichtete sein einziger Sohn auf das Erbe. Das Familienvermögen ging daher in eine Stiftung über. Ab 1980 verhandelte der Stahl-Konkurrent Thyssen mit den Krupps über eine Fusion. Die ging 1999 schließlich über die Bühne.

So bleibt von den einst schillernden Krupps heute nur noch ein Namensbestandteil des Dax-Konzerns ThyssenKrupp. Die Familiengeschichte lässt sich in der „Villa Hügel“ in Essen nacherleben – dem ehemaligen Stammsitz der Krupps.

Von Christoph Sackmann

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One response to “90 Prozent aller reichen Familien verlieren ihr Vermögen spätestens in der dritten Generation, sagt eine US-Studie. Gilt das auch für deutsche Dynastien?”

  1. Du hast den jüdischen Adel vergessen. says :

    http://www.almanachdegotha.org/id216.html

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