@realDonaldTrump kennt keine Beißhemmung

@realDonaldTrump kennt keine Beißhemmung

Der künftige Präsident der USA hat es versprochen: Er wird die Welt auf Twitter weiterhin über seinen Seelenzustand informieren.

Das kann für ihn aber auch heikel werden. Bei maximal 140 Zeichen an eigenem Text ist man leicht festzunageln.

Vielleicht bietet die Aktie TWITTER (NYSE: TWTR) jetzt einen guten Einstieg, um mit wenigen Dollars Milliardär zu werden?

Nach seiner Wahl zum künftigen US-Präsidenten hat der für die Republikaner angetretene Immobilienmakler Donald Trump versprochen, daß er seine Angewohnheit aus der Kampagne beibehalten werde, die Öffentlichkeit mit persönlichen Tweets über alle nur denkbaren Themen zu versorgen.

Das verspricht weitere Zuspitzungen.

Statt langweiliger Reden an die Nation oder diplomatisch formulierter Zusammenfassungen von Gipfelgesprächen sind prägnante Aussagen zu erwarten – über Mexikaner, medizinische Versorgung, fernöstliche Verwicklungen und den globalen Terror an sich.

Wie faßt das Weiße Haus künftig seine Einschätzung der Nahostpolitik des russischen Staatspräsidenten, Wladimir Putin, in maximal 140 Zeichen zusammen?

Dem @realDonaldTrump wird es an originellen Ansätzen sicher nicht mangeln. Er hat keine Beißhemmung.

Sanders mahnt Versprechen ein.

  • Trumps Gegnern bietet dessen Angewohnheit, seinen Seelenzustand derzeit knapp 19 Millionen Followern spontan und rund um die Uhr darzulegen, ausreichend Chancen, politisch zu punkten.

Trump: MAKE AMERICA GREAT AGAIN!

Durch die Kürze der Botschaften kann man den Präsidenten leicht festnageln. Ein erstes Beispiel dafür hat soeben US-Senator Bernie Sanders geliefert, der im Vorwahlkampf der Demokratin Hillary Clinton unterlegen war. Er brachte im neuen Jahr in eine Senatssitzung ein Plakat mit, auf dem ein Tweet von Trump aus dem Wahlkampf zu lesen war.

Im Mai 2016 hatte Trump vollmundig über die heiß diskutierte bezahlbare Sozialversicherung getextet, er sei der einzige ernsthafte Kandidat der Republikaner, der garantiere, daß es keine Einschnitte beim „Affordable Care Act“ geben werde: „ . . . no cuts to Social Security, Medicare & Medicaid“.

Sanders erinnerte den künftigen Präsidenten also via aufgeblasenem Tweet an die Versprechungen, die er seinen Wählern gegeben habe. Von den Republikanern werden im Kongreß derzeit drastische Kürzungen im Sozialbereich verlangt.

  • Und Trump, der selbst nur 42 Personen und Institutionen folgt (aus der eigenen Familie und den eigenen Unternehmen sowie dem reaktionären Kanal Fox)?
  • Der twittert munter darauf los, als ob es kein Gestern gebe.

Obama-Care sei von Anfang an eine Lüge gewesen. Das System werde sich 2017 massiv verteuern:

„Dems are to blame for the mess“.

Der Präsident Rußlands soll in einem Eil-Dekret aus dem Kreml befohlen haben, daß russische Hacker Donald Trump zur Präsidentschaft boosten. Jedes Mal, wenn Fans von Hillary Clinton deren Seite anklickten, wurden AdSense-Erlöse für die MAKE AMERICA GREAT AGAIN-Kampagne von Donald Trump generiert!

Und die russische Hackeraffäre?

Eine grobe Vernachlässigung durch das Nationalkomitee der Demokraten.

Der Präsident Rußlands soll in einem Eil-Dekret aus dem Kreml befohlen haben, daß russische Hacker Donald Trump zur Präsidentschaft boosten. Jedes Mal, wenn Fans von Hillary Clinton deren Seite anklickten, wurden AdSense-Erlöse für die MAKE AMERICA GREAT AGAIN-Kampagne von Donald Trump generiert!

Und die von ihm im Wahlkampf angekündigte Mauer an der Grenze zu Mexiko?

„Die unehrlichen Medien berichten nicht, daß all das Geld, das für die Große Mauer [. . .] ausgegeben wird, später von Mexiko zurückgezahlt wird.“

Trump schwelgte innerhalb einer Woche in Drohungen gegenüber Nordkorea, China, US-Autokonzernen, dazwischen blieb noch Zeit, seinem Sohn Eric zum Geburtstag zu gratulieren, Häme über Arnold Schwarzenegger als wenig erfolgreichen TV-Moderator zu verbreiten und Geheimdienst-Komitees in Senat und Repräsentantenhaus einzuschüchtern.

In diesem Fall gibt er allen anderen Schuld am eigenen schlechten Image:

„Die Medien lügen, um es so auszusehen lassen, als sei ich gegen Geheimdienstaktivitäten, wo ich doch tatsächlich ein großer Fan von ihnen bin.“

Die simple Strategie: Kontern!

Für Donald Trump ist völlig klar: Was kümmert mich der Unsinn, den ich gestern produziert habe, wenn ich längst mit dem Aberwitz von morgen beschäftigt bin?

Bezeichnend ist zum Beispiel, wie er die eigene Inauguration in einem Tweet zusammenfaßt:

Er hoffe, „daß alle Anhänger und jene, die AMERIKA WIEDER GROSS MACHEN WOLLEN, am 20. Jänner nach D. C. kommen“.

Was erwartet diese Fans in Washington?

„It will be a GREAT SHOW!“

Das Land der Tapferen und Freien wird von einem Hutschenschleuderer regiert.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 08.01.2017)

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