Gestörte „Polizei“. Massive Störungen im Berliner „Polizeifunk“ in der Silvesternacht

Gestörte „Polizei“. Massive Störungen im Berliner „Polizeifunk“ in der Silvesternacht

Wegen technischen Störungen war die Kommunikation der Beamten mit der Einsatzzentrale teils erheblich beeinträchtigt.

Ausgerechnet in der Silvesternacht, einer der für die Polizei arbeitsreichsten Nächte des Jahres, erschwerte ihnen der Digitalfunk zusätzlich ihre Arbeit. Beamte, die in der Nacht unterwegs waren, beklagten den Ausfall der Statustasten an den Digitalfunkgeräten.

„Mit Reichweitenprobleme, die wir bereits seit Jahren beim Digitalfunk bemängeln, hatte es in der Silvesternacht nichts zu tun“, sagte ein Beamter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, der Berliner Morgenpost.  „Die Statustasten haben gar nicht funktioniert, haben falsche Meldungen an die Einsatzleitzentrale (ELZ) rausgeschickt oder haben Meldungen an die ELZ rausgeschickt, obwohl wir die Tasten überhaupt nicht gedrückt haben.“

Das habe zu ständigen Nachfragen der ELZ geführt und zu zeitlichen Verzögerungen bis zur Übermittlung an den Sprecher von bis zu 40 Sekunden.

„Bis etwa 3 Uhr nachts gingen geschätzt 30 Prozent der Sprechzeit für unnötige Nachfragen drauf“, so der Beamte.

Andere Polizisten berichten von einem stadtweiten Ausfall der Statustasten.

Das geschah in der Silvesternacht in Berlin

„Unser Funkwagen war belegt und wir waren auf dem Weg zur Gefangenensammelstelle (Gesa). Das hatten wir der ELZ auch mit der Statustaste übermittelt“, erklärt eine Polizistin. „Als wir uns wieder einsatzbereit gemeldet hatten, hatte die ELZ noch nicht einmal mitbekommen, daß wir auf der Gesa waren und nicht in unserem vorgesehenen Streifenbereich.“

Um Mißverständnisse aufzuklären hätten viele Beamte mit ihren Mobiltelefonen mit der ELZ telefoniert. Die ELZ hätte in der Silvesternacht teilweise nicht gewußt, wo einzelne Funkwagen waren beziehungsweise mit was die Beamten beschäftigt waren.

Die Statustasten sollen die Arbeit eigentlich erleichtern. So sind die Tasten, von 0 bis 9 durchnummeriert, mit einzelnen Befehlen belegt.

  • 0 ist der Notruf,
  • 1 steht für Einsatzbereit im vorgesehenen Streifenbereich,
  • die 2 steht für Einsatzbereit oder in Einsatzbearbeitung auf der Einsatzdienststelle.
  • Drückt ein Beamter die Taste 5 äußert er einen Sprechwunsch
  • bei der 8 wird die Kamera des Funkwagens aktiviert
  • Taste 6 meldet „außer Betrieb“ an die ELZ. Mit dieser Information melden sich die Funkstreifen aus ihrem Funkkreis ab, wenn sie beispielsweise aus zwingenden Gründen den Funkbetrieb einstellen oder einen Kanalwechsel vornehmen.

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„Nach jetzigem Erkenntnisstand waren die Probleme in der Silvesternacht der mangelhaften Software geschuldet“, sagte Steve Feldmann, Mitglied des Landesvorstandes der Gewerkschaft der Polizei (GdP).  Die ständigen Probleme im Funkverkehr würden die Sicherheit der Beamten gefährden. „Innensenator Andreas Geisel (SPD) muß das erforderliche Geld für Technik und Personal bei der Landesstelle Digitalfunk in die Hand nehmen.“

Nach Angaben der GdP werde ständig von Verbesserungen und einem Ausbau des Netzes gesprochen, bislang seien aber noch gar keine Gelder dafür bereitgestellt worden.

„Wie lange soll die Berliner Polizei den technischen Möglichkeiten noch hinterherhinken?“

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Die Vermutung, daß es sich um eine Softwarepanne handelte, wird durch das Handeln der ELZ gestärkt.

„Wir wurden von der ELZ gebeten, die Funkgeräte für eine Weile komplett auszuschalten“, sagte die Polizistin, die die ganze Nacht unterwegs war. „Dann sollten wir sie wieder anschalten und ausprobieren, ob die Statustasten funktionieren. Wie bei einem Rechner, den man ausschaltet und wieder hoch fährt. Das hat nicht funktioniert.“

„Der Funkverkehr verlief in der Silvesternacht störungsfrei und war zu jeder Zeit gewährleistet“, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage der Morgenpost. „Lediglich die Zusatzdienste, die Statustasten, funktionierten eine Zeit lang nicht richtig.“

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