Italien streitet über die Nennung der Polizisten-Namen

Fotografen und Kameramänner in Sesto San Giovanni bei Mailand am Ort, an dem der Attentäter von Berlin, Anis Amri, von der Polizei erschossen wurde

Fotografen und Kameramänner in Sesto San Giovanni bei Mailand am Ort, an dem der Attentäter von Berlin, Anis Amri, von der Polizei erschossen wurde

Italiens Regierung tut alles, um die Polizisten, die Anus Amri stellten, zu glorifizieren.

Viele Italiener sind empört. Das bringe doch die Beamten in Gefahr. Der Polizeichef verteidigt die Strategie.

Wenige Stunden nach Anus Amris Tod trat Italiens Innenminister vor die Presse. Als er wieder ging, waren viele verwundert.

Der italienische Polizist Cristian Movio im Krankenhausbett, nachdem er bei einem Schusswechsel mit dem mutmaßlichen Lkw-Attentäter von Berlin, Anis Amri, bei Mailand verletzt wurde. Amri wurde von Movios Kollegen bei der Straßenkontrolle erschossen

Der italienische Polizist Cristian Movio im Krankenhausbett, nachdem er bei einem Schusswechsel mit dem mutmaßlichen Lkw-Attentäter von Berlin, Anus Amri, bei Mailand verletzt wurde. Amri wurde von Movios Kollegen bei der Straßenkontrolle erschossen

Sein Monolog enthielt – außer der Bestätigung der Identität – so gut wie keine Informationen über den Attentäter von Berlin.

  • Womit der Innenminister aber nicht sparte, waren minutenlange Elogen auf die beiden Polizisten, die Anus Amri gestellt und erschossen hatten.

Von Beginn an nannte er die beiden Polizisten dabei mit vollem Namen. Vorbildlich, professionell, pflichtbewußt, mutig hätten sich die beiden verhalten. Luca Scatà, der den entscheidenden Schuß abgegeben hatte und Anus Amri in den Brustkorb traf.

Christian Movio, der dem Verdächtigen auf Grund seines Akzents nicht abnimmt, daß dieser aus dem süditalienischen Reggio Calabria kommt, auf den Papieren beharrt und schließlich von dem extrem gefährlichen Mann angeschossen wurde.

In der Uniformjacke des italienischen Polizisten Christian Movio ist deutlich das Einschußloch zu sehen

So geizig also die italienischen und deutschen Behörden seither mit Ergebnissen ihrer Ermittlungen sind, so freigiebig sind sie mit Informationen über die beiden Polizisten, deren Fotos schon wenige Stunden nach der Pressekonferenz des Innenministers um die Welt gingen.

Auf Twitter dankte das italienische Innenministerium den beiden Beamten nochmals „von Herzen“, erneut unter Nennung des vollen Namen. Der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni wollte da nicht nachstehen. Er dankte auf Twitter nochmals mit vollem Namen in seinem Tweet und bedankte sich für die „Professionalität“ der Polizisten.

Viele Italiener irritierte dieses Vorgehen. Seither tobt eine Debatte, ob die Veröffentlichung der Identitäten die beiden Polizisten nicht in Gefahr bringe. Zahlreiche Twitter-Nutzer waren empört.

„Wer schützt die beiden nun vor Racheakten?“, fragte das italienische Twitter-Medium Punto Lettura.

Andere Nutzer antworteten mit Spott und Sarkasmus.

„Bravo, Herr Ministerpräsident, Sie sind ein Genie“, twitterte die Nutzerin Laura Malone.

Ein anderer Twitter-Nutzer bat den Regierungschef in spöttischem Ton, unbedingt auch die Wohnadressen der beiden Polizisten zu nennen.

Der Nutzer Barbaro Pasquale warf dem Ministerpräsidenten und dem Innenminister vor, lange geschlafen zu haben. Nur die Polizisten in Sesto San Giovanni seien wachsam gewesen. Die Regierung sei erst nach dem Tod von Anus Amri aufgewacht – und habe dann nichts Besseres zu tun gewusst, als die Namen der Beamten zu veröffentlichen.

Der Streit über die Nennung der Identitäten kochte über die Weihnachtstage in Italien so hoch, daß sich der Chef der italienischen Staatspolizei, Franco Gabrielli, nun einschaltete.

„Es geht nicht darum, jemanden zu exponieren, sondern um eine klare Anerkennung“, sagte Gabrielli, der als so etwas wie der oberste Polizist des Landes gilt. „Es geht darum, diejenigen ins Zentrum zu rücken, die all das möglich gemacht haben, unter Einsatz ihres Lebens.“

Es handle sich hier nicht um einen Terrorismus, wie Italien ihn in den 70er Jahren gekannt habe. Damals hätten die Terroristen einzelne Individuen töten wollen.

„Es geht jetzt nicht um das Individuum, sondern um die Zugehörigkeit: Es sind alle Angehörigen unserer Polizei in Gefahr“, sagte Gabrielli. Er unterzeichnete inzwischen ein Rundschreiben, in dem er alle Polizisten zu „höchster Aufmerksamkeit“ aufruft, weil „Racheakte“ gegenüber Polizisten nicht auszuschließen seien.

Zugleich verteidigte er die Schließung der Profile der beiden Polizisten in den sozialen Netzwerken. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, um dort eine „exzessive Exponierung“ zu vermeiden. Der Polizeichef stellte klar, daß es ihm hierbei nicht um Sicherheitsbedenken ging, sondern vor allem darum, den Aufwand, die sozialen Netzwerke zu betreuen, in Grenzen zu halten.

Indes hat der verletzte Polizist das Krankenhaus bereits am Samstag wieder verlassen, nachdem ihm ein Projektil aus der Schulter operiert worden war. Ihm gehe es sehr gut, sagte der Direktor des Krankenhauses in Monza. Er könne bald wieder arbeiten.

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One response to “Italien streitet über die Nennung der Polizisten-Namen”

  1. Polizeikugel mit Deodorant - der Zeit voraus says :

    Von Beginn an nannte er die beiden Polizisten dabei mit vollem Namen. Vorbildlich, professionell, pflichtbewußt, mutig hätten sich die beiden verhalten. Luca Scatà, der den entscheidenden Schuß abgegeben hatte und Anus Amri in den Brustkorb traf.

    Sie fügte hinzu: „Mein Mann war ein großartiger Arzt und wundervoller Mensch. Er hat Gifte im Alltag aufgezeigt und deutlich gemacht, wie schlimm Deos auf die Brust einwirken. Er war immer seiner Zeit voraus.“

    Na und erst eine Polizeikugel. Da weiß man, was man hat.

    http://www.nwzonline.de/blaulicht/grosse-betroffenheit-nach-toedlichem-polizei-schuss-warum-musste-dieser-mann-durch-polizeikugel-sterben_a_19,0,2669705742.html

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