Teil 7 – Das Camp 1142, Eleven Forty-Two. „Zum Glück wußte ich nicht, was er im Krieg gemacht hatte“

TIME MAGAZINE: Missileman VON BRAUN

So wird im Laufe des Jahres 1945 in Eleven Forty-Two aus dem Verhör- ein Anwerbeprogramm. Sein Ziel: neues Personal für das amerikanische Militär. Besonders begehrt sind deutsche Wissenschaftler, nicht selten sind sie weltweit führend in ihrer Disziplin.

Der Bedeutendste von ihnen ist Wernher von Braun.

Ein halbes Jahr zuvor, im Dezember 1944, sitzt der Ingenieur Wernher von Braun im Ballsaal eines Schlosses im Münsterland. An der Wand hängen Hakenkreuzfahnen im warmen Kerzenlicht. Für von Braun ist es ein großer Abend. Nachdem die britischen Bomber die Fabrik auf Usedom zerstört hatten, ließ Hitler die Produktionsanlagen für die V2-Rakete in einen Bergwerksstollen im Harz verlegen. Die Arbeiter sind Häftlinge aus den nahen Konzentrationslagern. Wernher von Braun, NSDAP-Mitglied, SS-Hauptsturmführer, fährt mindestens einmal persönlich in das KZ Buchenwald, um Arbeitssklaven auszuwählen. Tausende erfrieren und verhungern in der unterirdischen Fabrik. Dafür verlassen jeden Tag zwei bis drei fertige V2-Raketen die Produktionsstätte.

Albert Speer im Jahre 1933 der „Machtergreifung“ von Führer und Reichskanzler Adolf Hitler

An jenem Abend im Münsterland würdigt der „Führer“ die Leistung des Ingenieurs Wernher von Braun für das Deutsche Reich. Albert Speer, der Rüstungsminister, ist aus Berlin angereist. Feierlich überreicht er dem Raketenkonstrukteur das Ritterkreuz, einen der höchsten Orden des nationalsozialistischen Deutschlands.

Kurz vor der deutschen Kapitulation stellt sich Wernher von Braun im Allgäu den Amerikanern. Er tritt dabei mit großem Selbstvertrauen auf, ein amerikanischer Armeeangehöriger wird über ihn sagen: „Er behandelte unsere Soldaten mit der leutseligen Herablassung eines Kongressabgeordneten auf Informationsbesuch.“

Von Braun weiß: Er hat etwas zu bieten. Er könne für die Amerikaner neue Raketen entwickeln, sagt er. Raketen, die, unvorstellbar damals, Kontinente und Meere überfliegen könnten. Wenn die Amerikaner ablehnten, hätten ja vielleicht die Sowjets Interesse.

Was tun, wenn der Feind von gestern helfen kann, den Feind von morgen zu besiegen?

In der US-Regierung entbrennt ein Streit. Der Militärgeheimdienst will von Braun und seine Wissenschaftler nach Amerika holen und von ihrem Wissen profitieren. Im Außenministerium heißt es: Niemals, man muss sie bestrafen.

Die Militärs warten keine Lösung dieses Streits ab. Im Juni geben sie Wernher von Braun einen Arbeitsvertrag, ohne das Wissen großer Teile der amerikanischen Regierung. Zusammen mit 115 weiteren Wissenschaftlern, unter ihnen seine engsten Mitarbeiter, besteigt von Braun ein Flugzeug.

Henry Kolm: Arno, Peter und ich bekamen den Befehl, nach Boston zu fahren und die Von-Braun-Truppe zu empfangen. Weil alles so geheim war, richteten wir auf einer verlassenen Insel im Hafen einen provisorischen Stützpunkt ein. Niemand durfte diese Leute sehen, es wäre ein Riesenskandal gewesen. Auf der Insel stand ein großes Haus, in dem wir mit den Wissenschaftlern wohnten. Wir nannten es „Haus der deutschen Wissenschaft“. Sie hielten Vorlesungen, von Braun sprach über seinen Traum, zum Mond zu fliegen. Einmal sagten sie zu mir: „Wir haben so lange nicht mehr Mendelssohn gehört. Das war verboten.“ Also besorgte ich eine Schallplatte. Später brachten wir die Wissenschaftler nach Eleven Forty-Two.

Arno Mayer: Ich war von Brauns Moraloffizier. Zum Glück wusste ich nicht, was er im Krieg gemacht hatte. Aber auch so stank es mir gewaltig, diesen Typen zu hofieren. Hinter meinem Rücken nannten mich die Wissenschaftler „mein kleiner Judenbube“. Einmal bin ich ausgerastet, als von Braun sagte: „Hitlers einziger Fehler war, die Juden umzubringen.“ Ich habe gesagt: „Wärst du in Russland, würdest du sagen: Sein einziger Fehler war, die Sowjetunion zu überfallen.“ Später rügte mich mein Vorgesetzter. Wenn ich das noch mal machen sollte, käme ich vor ein Militärgericht.

Irgendwann gab mir der Commander ein paar Hundert Dollar und schickte mich mit vier Wissenschaftlern shoppen, von Braun war auch dabei. Sie wollten ihren Frauen Weihnachtspakete schicken. Das war ein Anblick: Wernher von Braun in seiner preußischen Pracht, groß, blond, blaue Augen. Die anderen waren kleiner, aber alle trugen diese Ledermäntel bis zu den Knöcheln. Mehrere hatten einen Tirolerhut auf, mit Feder.

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One response to “Teil 7 – Das Camp 1142, Eleven Forty-Two. „Zum Glück wußte ich nicht, was er im Krieg gemacht hatte“”

  1. Angebertypen says :

    Langsam wird aber komisch. Diese drei Juden waren wohl überall dabei und wollen ihren Mostrich dazugegeben haben.

    Braun hatte einen Arbeitsvertrag und diese Angeberbande will ihm dämlich gekommen sein ?

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