Teil 6 – Das Camp 1142, Eleven Forty-Two. Der Hitler war’s, ich konnte nichts dafür

Technik, wie die Amerikaner sie auf U-234 finden.

Es sind zwei Wörter, die sich abzustoßen scheinen wie zwei gleiche Pole.

Wörter, die beweisen, daß die Strategie der Freundlichkeit nicht nur die deutschen Gefangenen veränderte, die immer redseliger wurden.

Sie veränderte auch die amerikanischen Soldaten, die durch all ihre Abscheu, ihren Haß hindurch auf einmal nicht nur Monster vor sich sahen, sondern Menschen, in all ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit.

Und noch etwas ändert sich in Eleven Forty-Two. Das Interesse der Amerikaner an der deutschen Schuld währt nicht sehr lange. Oder genauer: Es wird, erst nur ein wenig, dann immer stärker, überlagert vom Interesse an deutschem Wissen, deutscher Technik, die nützlich sein könnte für den nächsten Konflikt, den nächsten großen Krieg.

Technik, wie die Amerikaner sie auf U-234 finden.

Vom Ende des Krieges hat die Besatzung dieses deutschen U-Boots nichts mitbekommen. Als das Deutsche Reich kapituliert, durchquert das U-Boot gerade den Atlantik auf dem Weg nach Japan, abgeschnitten von allen Nachrichten. Der „Führer“ persönlich hat U-234 losgeschickt, vollgepackt mit deutscher Kriegstechnik für die verbündeten Japaner. Auch einer von Hitlers besten Wissenschaftlern ist an Bord, der Ingenieur Heinz Schlicke. Dazu der Luftwaffengeneral Ulrich Kessler, designierter Militärattaché an der deutschen Botschaft in Tokio.

Luftwaffengeneral Ulrich Kessler, designierter Militärattaché an der deutschen Botschaft in Tokio

Ulrich Kessler (* 3. November 1894 in Danzig-Langfuhr; † 27. März 1983 in Bad Urach) war … zuletzt General der Flieger der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Im Januar 1933 wurde er zum Sachverständigen für die Marineluftfahrt bei der deutschen Delegation auf der Genfer Abrüstungskonferenz bestellt. Danach war er im Juli und August 1933 Referent in der Marineleitung.

Am 1. September 1933 trat Kessler zu der noch geheim betriebenen Luftwaffe über, wo er bis Ende September 1934 als Gruppenleiter des Amtes A im Reichsluftfahrtministerium in Berlin eingesetzt war. Am 1. Oktober 1934 wurde Kessler zum Kommandeur der Fliegerwaffenschule in Warnemünde ernannt, die er bis Ende September 1935 leitete. Nach einer Ausbildung an der Wehrmachtakademie in Berlin von Oktober 1935 bis September 1936 wurde Kessler am 1. Oktober 1936 zum Kommandeur der Küstenfliegertruppe List auf Sylt ernannt, die er bis Ende September 1937 kommandierte. Von Oktober 1937 bis Juni 1938 war er Chef des Stabes des Luftkreis-Kommandos IV, anschließend bis September 1938 im Generalstab der Luftwaffe. Von Oktober bis Mitte November 1938 war Kessler Offizier zur besonderen Verwendung im Reichsluftfahrtministerium. Am 15. November 1938 wurde er zum Kommodore des Kampfgeschwaders 1 „Hindenburg“ ernannt.

Dieses Geschwader führte Kessler im Polenfeldzug und darüber hinaus bis zum 17. Dezember 1939. … Kessler nahm …am 1. Januar 1940 seine Tätigkeit als Chef des Generalstabs der Luftflotte 1 auf, dessen Funktion er allerdings nur bis Ende April 1940 innehielt. Vom 1. Mai bis 27. Juni 1940 fungierte er als Chef des Generalstabes des X. Fliegerkorps bei der Besetzung Norwegens und war dort zugleich Fliegerführer Drontheim. Am Folgetag, dem 28. Juni 1940, übernahm Kessler die Funktion des Chefs des Stabes des Ausbildungswesens der Luftwaffe, wo er zugleich auch als zeitweiliger Chef des Bildungs- und Erziehungswesens der Luftwaffe im Reichsluftfahrtministerium agierte. Am 5. Februar 1942 wurde Kessler zum Fliegerführer Atlantik ernannt, dessen Posten er … bis zum 15. März 1944 innehielt. Anschließend wurde er zum Chef des Luftwaffen-Verbindungstabes in Tokio ernannt sowie am 22. Januar 1945 zugleich auch zum Luftattaché an der dortigen Deutschen Botschaft. Auf der Fahrt nach Tokio, welche an Bord von U 234 unter Kapitänleutnant Johann Heinrich Fehler stattfand, erhielt der Kommandant am 10. Mai 1945 die Kenntnis von der Kapitulation der Wehrmacht.

Daraufhin ergab er sich und seine Besatzung am 14. Mai 1945 der USS Sutton östlich des Flemish Cap.

Kessler wurde am 10. Mai 1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Als der Kapitän von U-234 von der Kapitulation erfährt, ändert er den Kurs. Er steuert auf die amerikanische Ostküste zu und ergibt sich einem Schiff der U. S. Navy. Die beiden japanischen Offiziere an Bord des U-Boots spritzen sich lieber eine tödliche Dosis Schlafmittel, als dem Feind in die Hände zu fallen. Die Amerikaner schleppen U-234 in den Hafen von Portsmouth in Neuengland.

Henry Kolm: Die brauchten jemanden, der sich mit Technik auskannte. Also fuhr ich hin. U-234 lag am Dock. Unsere Leute luden mit einem Kran die Fracht aus. Es war unglaublich, V2-Motoren, Kisten voller Zeichnungen und Dokumente, ein Kampfflugzeug vom Typ Messerschmitt 262 in Einzelteilen und eine Palette mit einer Art Tank drauf. Später habe ich erfahren, dass darin 560 Kilogramm Uranoxid waren, das Grundmaterial für eine Atombombe. Die deutsche Wissenschaft war der amerikanischen damals Jahre, teilweise Jahrzehnte voraus. Unser Glück war, dass sogar jemand an Bord war, der die Technik verstand, Dr. Heinz Schlicke. Wir brachten die Crew nach Eleven Forty-Two.

U 234 bei der Kapitulation am 14. Mai 1945. An Bord auch Ulrich Kessler.

General Ulrich Kessler bezieht Quartier in der Holzvilla mit dem Kürzel T-250. Sein Mitbewohner ist ein ehemaliger Untergebener, der Luftwaffenoffizier Heinrich Aschenbrenner. Die beiden Häftlinge lesen Zeitung, spielen Tischtennis. Bevor sie zu Bett gehen, singen sie manchmal deutsche Lieder. Oft sprechen sie vom Krieg. Die Protokolle füllen ganze Archivboxen.

„K: (Jemand) sagte mir, er wäre mit der Panzerarmee Kleist nach Mariupol gekommen, und die Leute hätten sie gegrüßt mit Obst und Blumen usw. und 2 Tage später kam eine SS Einheit und hat 60.000 Leute in 3 Tagen erschossen, mit Panzern. Weil sie Juden waren, oder weiß der Teufel was.

A.: Also, Herr Kessler …

K.: Warum sagen Sie immer Herr Kessler?

A.: Also, Herr von Kessler. Also, diese Judensache ist doch, etwas dümmeres konnte dieses Schwein, dieser Hitler oder dieser Himmler nun wirklich nicht …

K.: der Hitler war das!

A.: Sie meinen das hat der Hitler gemacht?

K.: Aber nur.“

Offenbar vermutete kaum ein Gefangener, dass er abgehört wird. Die meisten Äußerungen in den Protokollen wirken unverstellt. Nicht selten fragen sich Häftlinge, anscheinend zum ersten Mal, wie ihr Land in diesen moralischen Abgrund rutschen konnte – und wie sie selbst mitrutschen konnten. Liest man diese Sätze 70 Jahre später, sieht man die Gefangenen in ihren Zellen ungläubig den Kopf schütteln. Vorgegaukelt oder aufrichtig, fast alle flüchten sich in dieselbe Erklärung: persönliche Distanzierung. Der Hitler war’s, ich konnte nichts dafür.

Henry Kolm: Viele Gefangene sagten: Wir Deutschen und ihr Amerikaner sollten uns nicht bekämpfen, wir sollten uns für den nächsten Kampf rüsten, den gegen die Russen.

Arno Mayer: Mir war klar: Wir holten diese Leute nicht nach Amerika, um sie zu bestrafen, sondern weil sie Informationen über die Russen hatten. Ich schrieb meinen Eltern damals: Ich bereite hier den dritten Weltkrieg vor.

Dr. Heinz Max Schlicke

Schlicke was taken to a secret POW camp codenamed P. O. Box 1142, based out of Fort Hunt, Virginia. He was repatriated to Germany in 1946, but was invited to return to the United States to work under Operation Paperclip at the Office of Naval Research in Sands Point, New York.

His work there consisted of what is now known as stealth technology.

In September, 1950 he accepted a job with the Allen-Bradley Company in Milwaukee, Wisconsin to manage the development of ferrite based electronic components. While working there, he authored the book Essentials of Dielectromagnetic Engineering in 1961 which deals with ferrites and dielectric materials. In the late 1960s and early 1970s, he became involved with Electromagnetic compatibility EMC issues, becoming the president of the IEEE Electromagnetic Compatibility Society, and in 1967 an IEEE Fellow. He retired from Allen-Bradley in 1974, but continued to work in the EMC field by consulting and authoring another book Electromagnetic Compossibility in 1982. In 1994 he coauthored a personal development book with his son Lutz Schlicke, titled Ready for any Challenge.

Dr. Schlicke died in his sleep in 2006 at the age of 93.

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3 responses to “Teil 6 – Das Camp 1142, Eleven Forty-Two. Der Hitler war’s, ich konnte nichts dafür”

  1. Dielectromagnetic Engineering in 1961 which deals with ferrites and dielectric materials. says :

    Die Lackierung des ATF Dingo enthält infrarotfilternde Elemente.

    Wenn man sich jetzt sein Auto – besonders die Nummernschilder – mit Bismaleimidhaltiger Farbe spritzen läßt, kann man doch unsichtbar für diese lästigen Radarfallen werden, weil Radarstrahlen absorbiert werden. Ist das erlaubt ? Die Bundeswehr in Afghanistan macht das doch auch.

    Bismaleimide bestehen aus zwei miteinander verbundenen Maleimidgruppen und werden als Vernetzer für hitzebeständige Harze eingesetzt, wie zum Beispiel das Bismaleimid auf Basis von 4,4′-Diaminodiphenylmethan.

    Ich hätte ja auch im Pentagon Vorträge halten können, weil Deutsche sind ja so dämlich und müssen immer zeigen, daß sie was wissen.

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    • Schlau Meir says :

      Warum sollte das verboten sein? Die Kennzeichen sind allerdings NICHT das Eigentum des Fahrzeughalters, sondern der ausstellenden Behörde, also in der Regel das Straßenverkehrsamt der jeweiligen Kommune. Jegliche Veränderungen an dieser Urkunde, mit Ausnahme der Durchbohrungen zum Befestigung mit Schrauben, ist eine Straftat (Urkundenfälschung). Sollte bekannt sein.

      Weiterhin ist der Einsatz von Radarwarnern untersagt. Bereits das Mitführen solcher Geräte kann verfolgt werden. Zumindest erfolgt „Sicherstellung“ und sodann bei illegalen Geräten „Beschlagnahme“. Hier sollte sich der Ratsuchende also vorher kundig machen…

      https://de.wikipedia.org/wiki/4,4′-Diaminodiphenylmethan#Sicherheitshinweise
      4,4′-Diaminodiphenylmethan ist als krebserzeugend eingestuft. Der Stoff wurde am 28. Oktober 2008 in die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) aufgenommen.


      Chemische Struktur von Bismaleimid
      https://de.wikipedia.org/wiki/Maleimide#Verwendung

      Bismaleimide bestehen aus zwei miteinander verbundenen Maleimidgruppen und werden als Vernetzer für hitzebeständige Harze eingesetzt, wie zum Beispiel das links gezeigte Bismaleimid auf Basis von 4,4′-Diaminodiphenylmethan.

      Maleimid und substituierte Derivate dienen sowohl als Photoinitiatoren als auch als monomere Ausgangsstoffe für anionische oder radikalische Homopolymerisationen und Copolymerisationen.

      N-Alkylmaleimide und N-Arylmaleimide dienen als polymerisationsfähige Monomere für temperaturbeständige Polyimide und sind Bestandteile von Mischungen zur Beschichtung von Autoteilen, von Dichtmassen an elektronischen Bauteilen sowie von Klebstoffen.

      Maleimide finden auch Anwendung in der Photolithographie und in der Bildgebung. In der organischen Synthese sind Sie sowohl wichtige Dienophile in Diels-Alder-Reaktionen als auch Alken-Komponenten in 1,3-dipolaren Cycloadditionen sowie [2+2]-Cycloadditionen.

      Sie sind wichtige Alkene für Michael-Additionen und dienen als Vorstufen zur Synthese von Pyrrolinen, Pyrrolidinen und Pyrrolidonen. Aufgrund ihrer Polyfunktionalität sind sie gut in Tandem-Reaktionen einsetzbar.

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  2. Der Wahrheitsfunk der Loki-Fraktion says :

    1. Alter, gebrauchter Schrank. Für „Flüchtlinge“ … 😆

    http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/verteilung-der-integrationspauschale-in-rp-kommunen-erhalten-ein-drittel-der-gelder/-/id=1682/did=18665130/nid=1682/cuasgy/index.html

    2. Hartzi´s mit darlehensfinanziertem Gebrauchtkrempel guckt her: der Geldschein steckt in den Ritzen; was wollt ihr also mit neuem Zeug!?
    3. Invasoren sind die einzig wahren ehrlichen Gestalten. Besonders, wenn
    sie so „schöne“ Augen haben.

    https://web.de/magazine/news/jahresrueckblick/schatz-schrank-fluechtling-50000-euro-zurueck-32076052

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