Der Terror ist in der Türkei Alltag geworden – Stand: 17.12.2016

Es klingt nach Krieg: Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Türken zur „nationalen Mobilmachung“ aufgerufen. Seit dem Sommer 2015 hat die Gewalt das Land im Griff – und breitet sich immer weiter aus.

Es klingt nach Krieg: Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Türken zur „nationalen Mobilmachung“ aufgerufen.

Seit dem Sommer 2015 hat die Gewalt das Land im Griff – und breitet sich immer weiter aus.

Kayseri in Zentralanatolien ist eine ruhige Stadt, Touristen kennen sie höchstens als Einfallstor zur spektakulären Naturlandschaft in Kappadokien.

Vom eskalierenden Terror in den Metropolen Istanbul und Ankara und in den Kurdengebieten im Südosten ist hier bislang nicht viel zu spüren gewesen.

Seit Samstag ist das anders: Mit dem schweren Anschlag in Kayseri dürften die Terroristen auch bezweckt haben, daß sich niemand mehr sicher fühlen soll, egal wo in der Türkei.

Oder, wie Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan es ausdrückt: Das ganze Land ist ins Visier von Terroristen geraten.

  • Gerade einmal eine Woche ist es her, daß Terroristen der TAK, einer Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, in Istanbul zugeschlagen haben:
  • Nach einem Fußballspiel kommt es neben dem Stadion im zentralen Stadtteil Besiktas zu einem Doppelanschlag, mindestens 44 Menschen sterben, darunter 36 Polizisten.
  • Die Nation trauert noch um diese Opfer, da fließt am Samstag schon neues Blut. Zu dem jüngsten Anschlag hat sich zunächst zwar niemand bekannt

Er trägt wieder die Handschrift der TAK, die Sicherheitskräfte gezielt angreift und zivile Opfer dabei bewußt in Kauf nimmt.

Bei dem jüngsten Anschlag in Kayseri explodierte ein Bus: seit dem verhängten die Behörden wieder eine Nachrichtensperre

Bei dem jüngsten Anschlag in Kayseri explodierte ein Bus. Über 40 Menschen starben

Ziel des Anschlags vom Samstag sind die Soldaten einer Brigade in Kayseri.

Die Männer haben frei, den Tag wollen sie außerhalb der Kaserne verbringen. Sie besteigen einen Bus, der sie zum Einkaufen in die Stadt bringen soll – und in den dann nach Angaben der Regierung ein Selbstmordattentäter sein zur Bombe umgebautes Auto steuert.

  • Fotos zeigen das rauchende Wrack des Busses, in dessen Mitte die Explosion ein riesiges Loch gerissen hat.
  • Mehr als ein Dutzend Soldaten sterben, zahlreiche weitere Menschen werden verletzt.

Terrorangriffe sind seit dem Sommer 2015 traurige Routine in der Türkei geworden. Damals brachen der Friedensprozeß und eine Waffenruhe mit der PKK zusammen. Zugleich verstärkte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihre Angriffe in der Türkei. Im vergangenen Sommer kam es dann zum Putschversuch, den Erdogan der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen anlastet.

Islamistischer Prediger Fethullah Gülen

Die Gülen-Bewegung – offiziell zur Terrorgruppe mit dem Kürzel FETÖ deklariert – wird seitdem mit aller Macht bekämpft.

„Nationale Mobilmachung“ nicht wörtlich gemeint

Gegen TAK, PKK, FETÖ, den IS und die linksextreme DHKP-C geht die Türkei im Inneren vor.

Außerhalb der Grenzen ist der NATO-Partner in gewaltsame Konflikte verstrickt:

  • In Nordsyrien sind türkische Truppen einmarschiert, um den IS und den syrischen Ableger der PKK – die PYD und ihre YPG-Milizen – zu bekämpfen.
  • Im Nordirak halten türkische Soldaten gegen den ausdrücklichen Wunsch der Regierung in Bagdad ihre Stellung, weil Erdogan eine stärkere Rolle der Türkei bei der Rückeroberung Mossuls vom IS wünscht.

Kurz nach dem Anschlag in Kayseri verhängen die Behörden am Samstag wieder eine Nachrichtensperre, nur noch offizielle Verlautbarungen dürfen verbreitet werden. Und diese Verlautbarungen sind gewohnt martialisch.

Ministerpräsident Binali Yilidirim kündigt an: „Dieser Kampf (gegen den Terrorismus) wird bis zum letzten Mann weitergehen.“

Erdogan beschwört den „Geist der nationalen Mobilmachung“, um Terroristen gleich welcher Couleur zu bekämpfen.

Die „nationale Mobilmachung“ hat Erdogan kurz nach dem Anschlag von Istanbul verkündet, er hat sich dabei auf seine Befugnisse als Staatspräsident berufen.

Aus Regierungskreisen wird abgewiegelt, Erdogan habe das nicht im wörtlichen Sinne gemeint: Das Volk wird also nicht zu den Waffen gerufen.

Stattdessen fordert Erdogan die Bürger auf, Verdächtige und potenzielle Unterstützer von Terroristen anzuzeigen. Die Wahl der Begrifflichkeiten macht dennoch deutlich: Zumindest rhetorisch ist die Türkei im Krieg angekommen.

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One response to “Der Terror ist in der Türkei Alltag geworden – Stand: 17.12.2016”

  1. Horst Mahler - Waffen-SDS des BND und Jesuit says :

    Stattdessen fordert Erdogan die Bürger auf, Verdächtige und potenzielle Unterstützer von Terroristen anzuzeigen. Die Wahl der Begrifflichkeiten macht dennoch deutlich: Zumindest rhetorisch ist die Türkei im Krieg angekommen.

    Das ist der von den Juden gesteuerte tiefe Staat. Auch Beckstein war ja „shield of keren hayesod“. Wo es Terror gibt, hat der von Juden gesteuerte tiefe Staat seine dreckigen Hände im Spiel. Ziel ist die Spaltung der Gesellschaft, das Aufhetzen jeder gegen jeden.

    Nach Beginn des NSU-Prozesses wegen der Mordserie an Migranten und weiterer Terrorakte des rechtsextremen NSU sehen türkische Journalisten Parallelen zwischen den Morden in ihrem eigenen Land und den Beate Zschäpe und anderen vorgeworfenen Mord- und Anschlagsbeteiligungen in der BRD. Die Zeitung Sabah, die am 6. Mai 2013 bei der Prozesseröffnung im Saal ist, schreibt: Der tiefe Prozess hat begonnen, eine Anspielung auf den „Tiefen Staat“, womit ursprünglich eine Verschwörung zwischen Politik, Militär, Justiz, Rechtsextremen und organisierter Kriminalität in der Türkei gemeint war.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tiefer_Staat

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