Jude Dieter Salomon, Oberbürgermeister von Freiburg

Dieter Salomon, Oberbürgermeister von Freiburg

Jude Dieter Salomon, Oberbürgermeister von Freiburg

Jude Salomon vom Zentralrat der Holocaustsänger fällt ein weises Urteil:

„Die Tat ist nicht schlimmer, weil sie ein Flüchtling begangen hat“

SPIEGEL ONLINE: Herr Salomon, ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling wird verdächtigt, in Freiburg die junge Studentin Maria L. erst vergewaltigt und dann getötet zu haben – das wurde am Wochenende bekannt. Wie ist die Stimmung in Ihrer Stadt?

Salomon: Sie schwankt zwischen Erleichterung darüber, dass der Täter gefasst scheint und Empörung über die Tat. Ich bekomme mit, dass der Mord in rechten Kreisen dazu genutzt wird, pauschal gegen Flüchtlinge zu hetzen. Der Großteil der Freiburger aber, so ist zumindest mein Eindruck, differenziert. Ich sage: Die Tat ist nicht schlimmer, weil sie ein Flüchtling begangen hat. Wäre es ein Deutscher gewesen, wäre ich nicht weniger entsetzt. Es ist die abscheuliche Tat eines Einzelnen, die er nicht begangen hat, weil er ein Flüchtling ist, aus einer anderen Kultur oder weil er Afghane ist.

SPIEGEL ONLINE: Der Verdächtige hatte scheinbar großes Glück, er kam in einer Pflegefamilie unter. Er lebte nicht an einem trostlosen Ort, sondern im schönen Freiburg. Er, der hier Schutz gefunden hat, hat ausgerechnet eine Flüchtlingshelferin ermordet. Wie kann man diese Tragik fassen?

Bildergebnis für tom buhrow

Tom Buhrow gab als Chef des ARD Fernsehens den Befehl, den Ritaulmord an Maria L. wie Ladenburger zu vertuschen. „Als Großmeister der Fraternitas Saturni stand ich in der Pflicht!“

Salomon: Das kann man kaum fassen. Und noch ist der Verdächtige nicht verurteilt, hat sich auch noch nicht zu der Tat geäußert. Bisher aber deutet in dem Fall nichts daraufhin, dass der junge Afghane Islamist war oder dass die Tat mit Problemen bei der Integration zu tun hatte.

SPIEGEL ONLINE: Es gäbe bei Frauen in Freiburg das Gefühl, dass man sich nachts allein nicht mehr auf die Straße trauen kann, haben Sie jüngst erklärt. In den Läden ist seit Wochen das Pfefferspray vergriffen. Hat die Stadt ein besonderes Problem?

Salomon: Freiburg hat kein besonderes Problem, wir sind schlicht nicht das süddeutsche Bullerbü, für das wir gerne gehalten werden. Viel Sonnenschein, viele Fahrräder und ein lustiger grüner Bürgermeister, so sehen uns viele im Rest der Republik. Aber Freiburg ist eine mittelgroße deutsche Großstadt mit 230.000 Einwohnern und echten Problemen. Seit 15 Jahren führen wir die Kriminalitätsstatistiken an und haben noch immer viel zu wenig Polizei. Und jetzt gab es zwei Morde im öffentlichen Raum im Abstand von zwei Wochen. Natürlich ist da die Angst groß.

SPIEGEL ONLINE: Vor einem Jahr beklagten Klubbetreiber in Freiburg sexuelle Übergriffe und Diebstähle durch junge Asylbewerber. Was ist aus diesen Fällen geworden?

Salomon: Ich möchte klar sagen, dass der aktuelle Mordfall nichts mit diesen Fällen zu tun hat. Es gibt einen Unterschied, ob jemand eine Frau vergewaltigt und ermordet oder ob er sie unsittlich berührt. Auch wenn ich letzteres verurteile. Aber sexuelle Übergriffe und penetrantes Antanzen können auch eine Folge davon sein, dass junge Männer aus anderen Kulturen nicht wissen, wie sie mit der hier gelebten Freizügigkeit umgehen sollen. Wir müssen bei der Integration auf unsere Werte pochen. Eine Vergewaltigung ist weltweit geächtet. Da kann man sich nicht damit rausreden, man habe nicht gewusst, dass das hierzulande verboten sei.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Situation in den Klubs mittlerweile?

Salomon: Die Klubs haben sich zusammengeschlossen und wenn sich ein Gast daneben benommen hat, wurde er auch den anderen Klubs gemeldet und bekam dort Hausverbot. Solche Meldungen gab es im ersten Halbjahr etwa 30. Sie scheinen eine abschreckende Wirkung gehabt zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Parteifreund, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, hat die offene Flüchtlingspolitik der Bundesregierung immer wieder scharf kritisiert. Hat Palmer mit seiner Beschreibung, in der Flüchtlingskrise habe es nur „Gut und Böse“ und kaum realistische Zwischentöne gegeben, recht?

Salomon: Das mag für einzelne Linke gelten, aber weder für mich noch für den Großteil der Menschen. Die Freiburger haben sich für Flüchtlinge engagiert, nicht weil sie sie für bessere Menschen gehalten haben, sondern weil sie gemerkt haben, dass sie Hilfe brauchen. So einfach ist es. Bei den Menschen gab es immer Grautöne, insofern teilte ich die Analyse Palmers nicht.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: