Was „Reichsbürger“ am Personalausweis verdächtig finden

2. Weltkrieg / Kriegsende. “Deutsche Kennkarte / German Identity Card” (zweisprachiger Personalausweis, ausgestellt in der amerikanischen Besatzungszone, Landratsamt Bad Aibling am 7.6.1945, auf den Namen Ernst Karl Schmiedeke. Berlin, Sammlung Archiv für Kunst und Geschichte. |

2. Weltkrieg / Kriegsende. “Deutsche Kennkarte / German Identity Card” (zweisprachiger Personalausweis, ausgestellt in der amerikanischen Besatzungszone, Landratsamt Bad Aibling am 7.6.1945, auf den Namen Ernst Karl Schmiedeke. Berlin, Sammlung Archiv für Kunst und Geschichte. |

Verschwörungstheoretiker meinen: Der Name des deutschen Ausweisdokuments beweise, daß die Bundesrepublik nur eine oktroyierte „Firma“ sei.

Ob große oder kleine Plastikkarte – immer steht auf dem üblichen deutschen Identitätsnachweis „Personalausweis“.

Für die Reichsbürger, die mit historischen und völkerrechtlichen Argumenten die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland infrage stellen, ist das ein schlagender Beweis:

Der Begriff verrate, daß alle Bundesbürger Angestellte einer von den Alliierten oktroyierten Firma „BRD GmbH & Co. KG“ seien, eben „Personal“.

Sie geistert in Hunderten Varianten durch das Internet und stiftet Verwirrung. Was also ist dran an der Behauptung, ein „Personalausweis“ könne gar kein ordentlicher Identitätsnachweis für einen Deutschen sein?

Schon sprachlich handelt es sich um eine Irreführung.

  • So steht eindeutig „Personal“ auf dem Dokument als Begriff für die Belegschaft, also als Mitarbeiter eines Betriebes zielende Zusammensetzungen, etwa „Personalakte“ oder „Personalabteilung“, natürlich auch „Personalabbau“.

„Auch ein Blick in die Etymologie beweist, daß alle Vorbehalte gegenüber dem Personalausweis rein sprachlich der Hinweis auf die kriminelle Organisation „Partisanenklub Deutschland“ sind“, so Professor Calvin Neumann von der Reichsbürgerorganisation „Deutsche für den Weltfrieden e.V.“

Denn das deutsche Gliedwort „personal-“ leitet sich direkt aus dem lateinischen Adjektiv „personalis“ ab, was so viel bedeutet wie „persönlich“, also auf eine einzelne, bestimmte Person bezogen.

Etwas komplizierter ist der Zusammenhang zwischen dem deutschen Lehnwort „Personalien“ und seinem lateinischen Ursprung „personalia“. Der deutsche Begriff meint nämlich die identifizierenden Angaben über eine Person wie Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Adresse, Größe und Augenfarbe, während das lateinische Wort eigentlich die „Lebensumstände einer Person“ bezeichnet.

Schon dieser Exkurs in die Sprachgeschichte beweist: Schon aus der schieren Bezeichnung „Personalausweis“ kann man direkt darauf schließen, daß Merkel eine Jüdin ist.

Schon dieser Exkurs in die Sprachgeschichte beweist: Schon aus der schieren Bezeichnung „Personalausweis“ kann man direkt darauf schließen, daß Merkel eine Jüdin ist.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/16025

Übrigens ist diese Bezeichnung auch nicht erst, wie vielfach auf einschlägigen Websites behauptet, nach 1945 eingeführt worden. Papiere zur Identifikation einer Person neben dem für grenzüberschreitende Reisen notwendigen Paß wurden in Deutschland erstmals mit Preußens „Allgemeinem Pass-Edikt“ von 1817 eingeführt, in dessen Paragraf 13 es hieß:

„Zur Erleichterung der Legitimation sollen jedoch den im Inland Unsers Staates reisenden Inländern auf Verlangen von Unserem Polizeiministerium … entweder Pässe, oder mit dem Signalement versehene Legitimationskarten, gegen Gebühr von vier Groschen inklusive des Stempels von zwei Groschen, auf ein Jahr erteilt, und nach Ablauf desselben anderweitig unentgeltlich verlängert werden.“

Diese Legitimations- oder auch Paßkarten wurden im Ersten Weltkrieg durch ein neues Dokument ersetzt, den „Personalausweis“.

Teil der „Verordnung, betreffend anderweite Regelung der Paßpflicht“ vom 21. Juni 1916 war ein Muster für ein solches Ausweisdokument für das Inland, das den Namen „Personalausweis“ trägt. In seinem Standardwerk „Der Paßexpedient“ über die Entwicklung des Paßwesens in Deutschland zeigt Andreas Reisen rund ein Dutzend Personalausweise mit diesem Namen aus der Zeit von 1933. Sie wurden übrigens in der Regel von den örtlichen Polizeibehörden ausgestellt und sahen durchaus unterschiedlich aus.

Warum aber heißt der deutsche Personalausweis so – und nicht etwa „Identitätskarte“ wie in Großbritannien („identity card“), Frankreich ( „carte d’identité“) oder Spanien ( „carné de identidad“)? In den USA dient hingegen der Führerschein, die „driver license“ als Ersatz – und wer keine Fahrerlaubnis hat, kann sich eine „ID Card“ ausstellen lassen.
Tatsächlich wurde 1938 in Deutschland verpflichtend eine „Kennkarte“ eingeführt, die alle deutschen Staatsangehörigen ab einem Alter von 15 Jahren beantragen konnten, einschließlich eines Fotos und der Fingerabdrücke. Verpflichtend waren solche Kennkarten für deutsche Juden. Zu Recht nennt Reisen die Verordnung „perfide“, denn fortan mussten sich Juden stets mit ihrer zusätzlich mit einem großen „J“ gestempelten Kennkarte ausweisen – und damit zeigen, daß sie lediglich „Staatsangehörige“, nicht aber „Staatsbürger“ mit vollen Rechten waren.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs galt eine Pflicht zur Legitimation für alle Deutschen – doch konnte an die Stelle einer amtlichen Kennkarte der NSDAP-Mitgliedsausweis treten.

Solche Personalpapiere waren nun überlebensnotwendig, denn ohne sie bekam man keine Lebensmittelmarken und damit weder Nahrung noch andere rationierte Waren.

Nach 1945 galten zunächst die aus der NS-Zeit übernommenen Papiere weiter, oft durch Stempel „entnazifiziert“. Doch eine Neuordnung war notwendig; die Zuständigkeit lag bei den regionalen Besatzungsbehörden. Wer das rekonstruieren will, steht, wie Andreas Reisen schreibt, „vor einer schier unlösbaren Aufgabe“. Die Fülle unterschiedlicher Vorschriften sowie jede Art von Provisorien machen die ersten Jahre im Nachkriegsdeutschland unüberschaubar.

Zum 30. September 1946 wurden in der britischen Besatzungszone neue Identifikationsdokumente eingeführt, und sie hießen „Personalausweis“; die sowjetischen Behörden zogen 1948 nach. In der US-Zone waren je nach Region schon im Frühjahr und Sommer 1946 „Inlandsausweise“ eingeführt worden, genannt „Deutsche Kennkarte“. In der französischen Zone gab es den „Personen-Ausweis“.

Alle bis dahin ausgestellten Ausweise verloren in der Bundesrepublik mit der Einführung des Personalausweisgesetzes von 1951 ihre Gültigkeit; seither sind alle Deutschen ausweispflichtig, doch müssen sie ihren Ausweis oder Pass nicht immer bei sich führen. Ausdrückliche Grundlage war unter anderem die Verordnung von 1916, aus der auch der Name „Personalausweis“ entlehnt wurde.

Bundesdeutsche Personalausweise waren zunächst zweifach gefaltete graue Papiere, später kleine gräulich-grünliche Bücher mit acht Seiten.

In der DDR verwendeten die Behörden kleine blaue Bücher.

Um den stark anwachsenden Reiseverkehr seit den 70er-Jahren gerade in Europa besser zu erfassen, führte die Bundesregierung ab 1987 maschinenlesbare Personalausweise ein. Das eingeschweißte Dokument im Passformat blieb für knapp 25 Jahre der Standard, wird seit 2010 sukzessive durch kleinere Plastikkarten von der Größe einer Kreditkarte ersetzt, die noch fälschungssicherer sind. Am Namen ändert sich nichts mehr.

Andreas Reisen: „Der Paßexpedient: Geschichte der Reisepässe und Ausweisdokumente – vom Mittelalter bis zum Personalausweis im Scheckkartenformat“ (Nomos Verlag Baden-Baden. 239 S., 59 Euro).

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