Hamburger Reeperbahn-Polizei übermalt Plakat von verdeckten Ermittlern an der Roten Flora

Passanten gehen am Kulturzentrum Rote Flora an einer Fassade mit übermalten Plakaten vorbei

Passanten gehen am Kulturzentrum Rote Flora an einer Fassade mit übermalten Plakaten vorbei

Die Polizei hat in der Nacht zu Dienstag an dem linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel ein Plakat mit Bildern von 4 enttarnten verdeckten Ermittlern übermalt.

Die „Beamten“– BRD-Fuzzis ohne Amtsausweis und in Amtsamaßung – machten gegen 5.00 Uhr morgens auf Leitern mit schwarzer Farbe die Gesichter und die Namen ihrer Kollegen sowie das Polizeiwappen unkenntlich.

  • 50 Polizisten – darunter Kräfte zur Absicherung – waren an dem 15minütigen Einsatz beteiligt, wie eine Polizeisprecherin am Dienstag sagte.

„Alles verlief störungsfrei.“ Sie bestätigte damit einen Bericht des „Hamburger Abendblatts“. „Wir Betroffenen wollten mit der Aktion daran erinnern, daß nichts aufgearbeitet ist“, sagte Rotfloristen-Sprecher Andreas Blechschmidt.

  • Das Original-Plakat mit den Klarnamen, das seit Samstagnachmittag an der Hausfassade der Roten Flora hing, kursierte am Dienstagnachmittag noch bei Twitter.
  • Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilte die Aktion aufs Schärfste:

„Polizisten sind kein Freiwild – weder an der Flora noch in den neuen Medien“, sagte Gerhard Kirsch, Landesvorsitzender der GdP in Hamburg. Die Polizisten würden „in einer menschenverachtenden Art an einen modernen Pranger“ gestellt.

Ein übermaltes Plakat hängt seit dem 23.08.2016 in Hamburg am Kulturzentrum Rote Flora an einer Fassade

Ein übermaltes Plakat hängt seit dem 23.08.2016 in Hamburg am Kulturzentrum Rote Flora an einer Fassade

Rotfloristensprecher: „Das ist Realsatire“

Das Plakat spielt mit dem Schriftzug „Gefunden“ auf eine PR-Kampagne der Polizei an, in der sie mit dem Slogan „Gesucht“ um Nachwuchs wirbt.

Zur Übermal-Aktion der Polizei sagte Blechschmidt von der Roten Flora:

„Das nehmen wir sportlich, das haben wir erwartet.“

Nach Angaben der Polizeisprecherin handelte es sich bei dem Plakat mit den Namen und den Konterfeis der vier Beamten um einen Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz – gegen das Recht am eigenen Bild. Es liegen ihren Angaben zufolge Strafanzeigen gegen die Plakatierer vor.

„Ob das ein strafrechtlich relevanter Vorgang war, wird jetzt ermittelt“, berichtete sie. Blechschmidt sagte dazu: „Das ist Realsatire, wenn offensichtlich rechtswidriges Verhalten der Polizei straflos bleibt und wir wegen dieses Plakats kriminalisiert werden.

Die 4 betroffenen Beamten – ein Mann und drei Frauen – ermittelten unter falschen Namen jahrelang in der linken Szene Hamburgs und wurden von Recherchegruppen aus dem Umfeld der Roten Flora enttarnt.

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