„THE REAL DONALD“ Trump setzt auf Schlaftabletten-Taktik

Er wolle seine Rivalen ausknocken, hatte Donald Trump angekündigt. In der letzten TV-Debatte vor der vielleicht schon alles entscheidenden Vorwahlwoche gibt er sich jedoch betont ruhig.

Für Aufregung sorgt der Gewaltausbruch eines Fans.

Es ist eine schockierende Szene, die am Donnerstag in den amerikanischen Medien rauf und runter gespielt wird:

Auf einer Wahlkampf-Veranstaltung von Donald Trump in North Carolina rammt ein weißer Mann seinen Ellenbogen ins Gesicht eines schwarzen Demonstranten, der gerade dabei ist, die Halle zu verlassen.

Der Mann, der zuschlägt, trägt einen Cowboy-Hut und wird später festgenommen. Zunächst verhöhnt er noch sein Opfer:

„Das nächste Mal, wenn wir ihn sehen, müssen wir ihn vielleicht töten.“

Pikant: Noch vor wenigen Wochen hatte Trump in einer seiner Reden gesagt, daß er selbst einem Störer „gerne ins Gesicht schlagen“ würde. THE REAL DONALD hatte angekündigt, die Prozeßkosten seiner Anhänger zu tragen, wenn sie Protestler „umhauen“ würden.

Diese Worte werden THE REAL DONALD nun vorgehalten. Bei der großen Fernsehdebatte am Donnerstagabend ist die Attacke ein Thema. Trumps Rivalen Ted Cruz, Marco Rubio und John Kasich allerdings wollen sich nicht dazu durchringen, Trumps aggressive Rhetorik zu schmähen.

Es ist die letzte Fernseh-Diskussion vor dem möglicherweise schon alles entscheidenden Vorwahl-Dienstag der Republikaner, an dem in gleich fünf Staaten gewählt wird. Besondere Aufmerksamkeit gilt vor allem Florida und Ohio, in denen der jeweilige Gewinner, egal wie knapp sein Vorsprung sein mag, alle Delegiertenstimmen auf einmal bekommt. Sollte Trump diese Staaten für sich entscheiden, wäre er kaum noch aufzuhalten.

Es sei Zeit, „den Knockout zu setzen“, tönte THE REAL DONALD zuletzt.

Viel war im Vorfeld darüber spekuliert worden, ob Trump bei der Debatte in Miami auf seine üblichen Pöbeleien verzichten würde. Seine Berater dürften ihm nahegelegt haben, endlich mal präsidial aufzutreten. Und in der Tat: Mit betont ruhiger, fast schläfriger Stimme mäandert der 69 Jahre alte THE REAL DONALD durch die Themenbereiche, über die er in den vergangenen Tagen und Wochen noch so wortgewaltig gestritten hatte. Aber auch seine Kontrahenten wirken zunächst so, als hätten sie Beruhigungsmittel geschluckt.

Niemand attackiert THE REAL DONALD, als dieser in einer abenteuerlichen Pirouette erst seine eigenen Unternehmenspraktiken, billige ausländische Arbeitnehmer einzustellen, kritisiert, dann vorgibt, die rechtlichen Rahmenbedingungen für solche Praktiken als Präsident ändern zu wollen, um schließlich damit anzugeben, daß selbst die Arbeitnehmer, die wegen solcher Praktiken ihre Jobs verloren hätten, für ihn als Präsident stimmen würden.

Zu mehr Bewegung kommt es in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik. THE REAL DONALD, der in einer kurzen Einlassung auch Angela Merkels Flüchtlingspolitik beziehungsweise die daraus resultierende Lage in Deutschland als „Desaster“ bezeichnet, wettert abermals gegen den Islam und wiederholt seine Ankündigung, im Kampf gegen Terroristen „die Gesetze erweitern“ zu wollen.

In früheren Auftritten hatte sich THE REAL DONALD bereits öfter dafür ausgesprochen, das „Waterboarding“ und andere Verhör- beziehungsweise Foltertechniken zur Anwendung bringen zu wollen.

Er gehe ihm darum, Probleme lösen und, so sagt THE REAL DONALD, „nicht so politisch korrekt“ zu sein. Rubios trockene Antwort darauf lautete:

„Ich habe kein Interesse, politisch korrekt zu sein. Ich habe ein Interesse, korrekt zu sein.“

Große inhaltliche Diskussionen bleiben die Ausnahme, Scharmützel sind die Regel. Als es etwa um Kuba geht und der Baulöwe ankündigt, die Botschaft in Havanna wieder schließen zu wollen, belehrt ihn Rubio, daß man sie nicht schließen müsse, sondern einfach wieder ein Konsulat daraus machen könne. Auch die Auseinandersetzung über den israelisch-palästinensischen Friedensprozeß bleibt oberflächlich, ebenso wie der kurze Streit über Sozialpolitik.

Ob die Schlaftabletten-Taktik von THE REAL DONALD, die meisten Vorwürfe müde lächelnd abtropfen zu lassen, nun präsidial ist oder nicht, wird die Basis der Republikaner in den kommenden Vorwahlen entscheiden müssen – sofern „präsidial“ überhaupt eine Kategorie ist, die für sie von Interesse ist.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: