Rudi Ratlos in München

Podium der 52. Münchner Sicherheitskonferenz. (Quelle: dpa/Sven Hoppe)

Sicherheitskonferenz in München. Der Rat der Ratlosen

Sicherheitskonferenz in München. Der Rat der Ratlosen

Klar, die Flüchtlingskrise ist das Megathema – dieser Satz fällt auf der Münchner Sicherheitskonferenz immer wieder.

Umso ernüchternder, daß den versammelten Entscheidungsträgern nichts Neues dazu einzufallen scheint.

„Das ist ganz klar das Thema des Tages!“, ruft Christiane Amanpour. Die Starjournalistin des US-Nachrichtensenders CNN hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz gerade eine Podiumsdiskussion zur Flüchtlingskrise moderiert.

Dabei wurden in den Stunden zuvor durchaus auch ein paar andere, nicht ganz unwichtige Themen besprochen, wie etwa der Kampf gegen den „Islamischen Staat“, der Syrien-Krieg oder die Überwachung des Internets.

Die Flüchtlingskrise aber, diesen Satz hört man in München nicht nur von Amanpour, ist das Überthema. Umso bemerkenswerter, wie wenig am 1. Tag der Sicherheitskonferenz – immerhin eines der größten Treffen der Mächtigen – an neuen Ideen zur Bewältigung der Krise zu hören war.

Peter Altmaier

Auf Amanpours Podium saß etwa Kanzleramtsminister Peter Altmaier, Kanzlerin Angela Merkels rechte Hand in der Flüchtlingskrise. Der CDU-Politiker hat sich für den Beginn der Debatte einen Witz zurechtgelegt:

„Ich bin vielleicht nicht der wichtigste Minister, aber bei weitem der dickste.“ Was danach kam, war dagegen eher dünn.

Die Migrationsfrage habe eine wirtschaftliche, eine geopolitische, eine humanitäre, eine soziale, eine nationale, eine geostrategische und eine Sicherheitsdimension, sagte Altmaier. Das habe man im Sommer erfahren, als man von der Entscheidung stand, eine unilaterale Entscheidung allein im Interesse Deutschlands zu treffen oder einen internationalen Ansatz zu wählen.

„Man kann in einer immer stärker globalisierten Welt mit rein nationalen Lösungen nichts Nachhaltiges schaffen“, so Altmaier. Man habe eine Million Flüchtlinge ins Land gelassen, „weil wir von ganzem Herzen davon überzeugt sind, dass die Stabilität der EU und des Nahen Ostens zu großem Teil davon abhängt, ob wir diese Herausforderung sorgfältig angehen“.

Was die anderen Redner über die Flüchtlingskrise sagen:

Cavusoglu

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte wenig mehr beizutragen als eine Beschreibung des Zustands. Man müsse die Maßnahmen im Kampf gegen die Flüchtlingskrise besser koordinieren und Schleppern das Handwerk legen.

„Das ist ein internationales Netzwerk, sie sind überall“, sagte Cavusoglu.

Koenders

Der niederländische Außenminister Bert Koenders, derzeit Präsident des Rats der EU-Staats- und Regierungschefs, wiederholte auf dem Podium, was EU-Funktionsträger seit Monaten fordern:

„Wir müssen unsere Ankündigungen Taten folgen lassen.“

Doch egal ob die Einrichtung von Hotspots, die Umsiedlung von Flüchtlingen oder die Absicherung der Schengen-Außengrenzen: Es geht allenfalls im Schneckentempo voran.

Gentiloni

Italiens Außenminister Paolo Gentiloni sah sich daraufhin zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme veranlaßt: Man dürfe der Öffentlichkeit nicht vorgaukeln, daß die Migrationsfrage jemals wieder gänzlich verschwinden werde.

„Das ist etwas Permanentes“, so Gentiloni. Man könne nur die Zahlen von Flüchtlingen reduzieren und die Krise managen. Doch da gebe es ein Problem, und es sei das eigentliche Problem Europas: „Innenpolitische Argumente siegen über eine europäische Lösung.“

Sollte das so bleiben, sei der Kontinent in großer Gefahr.

Zeman

Wie groß diese Gefahr ist, wurde am Freitag 400 Kilometer östlich von München deutlich, in der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Dort forderte der tschechische Präsident Milos Zeman die „Deportation von Wirtschaftsflüchtlingen“ und religiösen Fanatikern.

Das sei „die einzige Lösung“ der Flüchtlingskrise. Überhaupt seien islamische Migranten nicht in die europäische Kultur integrierbar.

  • Ein entsprechender Versuch findet in Tschechien allerdings kaum statt.
  • Das Land hat im vergangenen Jahr gerade mal 71 Menschen Asyl gewährt.

Fico

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico wiederum erklärte die Sicherung der Schengen-Außengrenzen zur „Überlebensfrage“ der EU.

Visegrad-Gruppe

Am Montag treffen sich Vertreter der Visegrad-Gruppe aus Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei in Prag. Durchaus möglich, daß bei diesem Treffen weiterreichende Entscheidungen in Sachen Flüchtlingskrise fallen als in München.

Rudi Ratlos heißt der Geiger
der streicht uns grad ’n Evergreen
er ist 80, hat zittrige Finger
und ist schon ganz weich in den Knien

Rudi Ratlos mit viel Pomade
in den wenigen Haaren, die er noch hat
schade, schade, schade, schade, Berlin ’33
da war er der schönste Geiger der Stadt
da war er der Liebling aller Frauen
und außerdem Leibmusikalartist
von Adolf Hitler und Eva Braun

Rudi Ratlos, heute wieder
auf den Brettern, die die Welt bedeuten
er wurde aus dem Altersheim abgeholt
von diesen cleveren Businessleuten

Der galante Carl Brutal
tanzt den Schieber jetzt nochmal
und er schiebt die Lady nett übers glänzende Parkett
und der Geiger geigt uns einen
und manche Damen fangen an zu weinen
und eine ist schon ganz naß
in den Augen und um die Nase blaß

Rudi Ratlos geigt den Tango
auf eine Art, die uns betört
er ist ein solcher Wahnsinnsmacker
daß selbst ein falscher Ton uns nicht stört

Und der galante Carl Brutal
tanzt den Schieber jetzt nochmal
und er schiebt die Lady nett übers glänzende Parkett
und der Geiger geigt uns einen
und manche Damen fangen an zu weinen
und eine ist schon ganz naß
in den Augen und um die Nase blaß

Dieser Rhythmus, daß jeder mit muß
diese Melodie vergißt man nie
uh, das geht in jedes Bein
so muß ein Tango sein

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