„Die AfD, das sind Demokratiefeinde“

MAISCHBERGER

SPD-Vize Ralf Stegner zeigt einen Steckbrief der AfD-Jugendorganisation, in dem diese ihm „Anstiftung zum Mord“ zur Last legt

Jetzt werden die Samthandschuhe in der Diskussion um die AfD fallengelassen. Bei Sandra Maischberger war zu sehen, wohin das führt: Angriffe, Vorwürfe, Beleidigungen.

Der Streit um die Alternative für Deutschland wird immer vergifteter.

Sandra Maischberger kommt noch einmal auf die viel zitierte Rede von Björn Höcke, dem Thüringer AfD-Chef, zurück, in der er behauptet hat, dass die Evolution Afrika und Europa „zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert“, daß in Afrika auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abgezielt werde.

Von der Chefin der Partei, die damit wirbt, Klartext zu reden, will die Moderatorin wissen: Ist Höcke ein Rassist?

Zweimal, dreimal, viermal muß sie nachfragen. Frauke Petry windet sich, bezeichnet die Äußerungen ihres Parteikollegen als „wissenschaftlich nicht akzeptabel“, will sich auf ein klares Ja oder Nein aber zunächst nicht festlegen.

  • Maischberger bleibt beharrlich, bis sich Petry schließlich doch zu einer Antwort durchringt. „Herr Höcke ist kein Rassist“, sagt sie.

Die 3. größte politische Kraft im Land, das ist die AfD in vielen aktuellen Umfragen. Bei 10% oder mehr Prozent liegt sie demnach.

Über ihren Charakter wird seitdem noch heftiger gestritten – genauso wie darüber, ob man überhaupt mit den AfD-Vertretern diskutieren soll.

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„Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?“, fragte Sandra Maischberger daher am Mittwochabend in ihrer Talkshow.

„Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?“, fragte Sandra Maischberger daher am Mittwochabend in ihrer Talkshow.

Und die Runde zeigte eindrücklich, wie heftig der Streit um diese Frage inzwischen geworden ist.

Jude Augstein: „Der AfD ist die Menschenwürde scheißegal“

Der Schweizer Roger Köppel, Chefredakteur der „Weltwoche“ und seit 2015 auch als Politiker der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) aktiv, hält die Dämonisierung der AfD für einen dramatischen Fehler. Wer AfD-Politiker wie „Schmuddelkinder“ behandelt, mit denen man nicht einmal sprechen darf, treibe die Menschen zwangsläufig nach rechts.

Ralf Stegner, SPD-Vize und Landeschef in Schleswig-Holstein, ein bekennender Parteilinker, möchte die AfD dagegen am liebsten vom Verfassungsschutz beobachten lassen.

„Das ist keine normale Partei, das sind Demokratiefeinde“, legt er sich fest.

Petry und ihren Mitstreitern wirft er vor, daß sie „mitverantwortlich dafür sind, daß jede 2. Nacht in Deutschland ein Asylbewerberheim brennt“.

Die AfD-Chefin giftet zurück, nennt Stegner ein „armes Geschöpf“.

Das ist der Tonfall der Debatte. Alle fallen sich ständig ins Wort, gehen hart miteinander ins Gericht. Ein Hin und Her der Angriffe und Vorwürfe, Konfrontation als Dauerzustand. An Kraftausdrücken wird nicht gespart.

„Der AfD ist die Menschenwürde doch scheißegal“, sagt Jakob Augstein, der „Freitag“-Verleger und „Spiegel“-Kolumnist („Im Zweifel links“).

Frauke Petrys Mimik wechselt während der Sendung ständig zwischen Lächeln und Strenge, Ralf Stegner legt das mißmutige Gesicht gar nicht mehr ab.

Stegner hat auch einen kopierten Zettel dabei, einen Steckbrief. Er soll von Mitgliedern der AfD-Jugendorganisation stammen und zu Gewalt gegen Politikern aus den etablierten Parteien aufrufen.

„Ich persönlich würde keine Steckbriefe machen“, sagt Petry.  Man wisse doch auch, daß Jugendorganisationen von Parteien gerne mal über die Stränge schlagen.

Hans-Olaf Henkel, der ehemalige Vizechef der AfD, ist auch da. Er hat die Partei nach den internen Machtkämpfen, in denen Gründer Bernd Lucke gegen Petry unterlag, verlassen. Die Petry-AfD hat er schon früher als „Monster“ und „NPD light“ bezeichnet.

„Wir haben zu spät bemerkt, daß wir von rechts unterwandert werden, und wir haben darauf zu spät reagiert“, sagt Henkel, der sich nun in Luckes neuer Alfa-Partei engagiert.

Aber eigentlich will er über die Vergangenheit gar nicht mehr reden („Da ist doch alles schon gesagt“), sondern über die seiner Meinung nach fatalen Fehler der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik. Und er liefert sich auch einige Wortgefechte mit Jakob Augstein. „Sobald jemand Probleme anspricht, ist er in ihren Augen gleich ein Rechtsextremer“, wirft er dem Journalisten vor.

Bei den Männern und im Osten ist die AfD besonders stark

Was verschafft der AfD ihren Höhenflug? Reinhard Schlinkert, der Chef des Meinungsforschungsinstituts INFRATEST DIMAP, bestätigt die These, daß die Partei vor allem von der Flüchtlingskrise profitiert. Die AfD ist eine „Ein-Themen-Partei“ geblieben. Spielte unter Lucke die Euro-Kritik die zentrale Rolle, ist es nun die Angst vor den Folgen der Flüchtlingsbewegungen.

Wählen würden die Petry-AfD vor allem Männer (71%), im Osten sind die Rechtspopulisten beliebter als im Westen.

Stark ist die Partei in den mittleren Altersgruppen, die Jungen und die Alten würden sich laut Umfragen deutlich seltener für sie entscheiden.

Wird sich die Partei halten? Wird sie dauerhaft Teil des politischen Spektrums in Deutschland bleiben? Der Meinungsforscher wagt keine Prognose. Erst wenn die Flüchtlingskrise an Bedeutung verliert, könne man abschätzen, wie es mit der AfD weitergeht.

Jude Jakob Augstein glaubt nicht daran, daß es zu einem Stimmungseinbruch für die AfD kommen wird.

Augstein diagnostiziert einen grundsätzlichen Rechtsruck im Land, die AfD nennt er „den demokratischen Arm der Menschen, die Ausländer jagen“.

Hans-Olaf Henkel widerspricht. Kein Rechts-, sondern ein Linksruck sei aktuell zu spüren – ausgelöst von der Bundeskanzlerin, die sich in ihrer Flüchtlingspolitik mittlerweile an den Positionen von Claudia Roth orientieren würde.

So endet die Sendung abrupt und unversöhnlich. Angenähert hat sich in der Debatte niemand, der Frontverlauf bleibt klar abgesteckt. Für die kommenden Monate. Oder Jahre.

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One response to “„Die AfD, das sind Demokratiefeinde“”

  1. Parasiten raus - ganz besonders die Auserwählten. says :

    Augstein diagnostiziert einen grundsätzlichen Rechtsruck im Land, die AfD nennt er “den demokratischen Arm der Menschen, die Ausländer jagen”.

    Das ist beabsichtigt, denn Deutsche wehren sich dagegen, daß die Parasiten von deutschem Geld leben.

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/stefan-schubert/thilo-sarrazin-fluechtlinge-werden-den-steuerzahler-1-5-billionen-euro-kosten.html

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