Berliner „Polizei“ der U.S. ARMY: Helfer hat toten Flüchtling frei erfunden

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In Berlin meldet eine Hilfsorganisation, ein junger Mann aus Syrien sei gestorben, nachdem er tagelang vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) angestanden habe.

Die Polizei befragt den Urheber des Berichts. Anschließend teilt sie mit: „Wir haben keinen toten Flüchtling“.

Was ist dran an der Meldung, in Berlin sei ein 24 Jahre alter Flüchtling auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, nachdem er mehrere Tage vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in der Kälte Schlange gestanden habe? Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht, bald kamen Zweifel auf. Jetzt sagt die Berliner Polizei: Die Geschichte ist frei erfunden.

Ein Flüchtlingshelfer habe sich den Fall eines toten Asylbewerbers in Berlin ausgedacht.

„Er hat in der Vernehmung zugegeben, daß er alles frei erfunden hat“, sagte ein Behördensprecher am späten Mittwochabend nach der Vernehmung des Mannes, der den angeblichen Todesfall im Internet publik gemacht hatte.

Bereits nach der ersten Befragung des Mannes hatte eine Polizeisprecherin klargestellt:

„Wir haben keinen toten Flüchtling.“ Der Helfer habe zwar „die ganze Republik verrückt gemacht“ – eine Straftat sei sein folgenreicher Internet-Eintrag nicht.

Die Flucht geschafft, aber #Lageso nicht. Wir trauern! lies hier: https://t.co/gj5IowZlFt #moabithilft #Flüchtlinge pic.twitter.com/iz7MJLIWUa
— Moabit hilft (@Moabithilft) January 27, 2016

https://twitter.com/Moabithilft/status/692234562362040320

Die Version von „Moabit hilft“

Ausgangspunkt der Meldung waren Beiträge der Gruppe „Moabit hilft“, konkret ein Facebook-Post, in dem es heißt:

„So. Jetzt ist es geschehen. Soeben ist ein 24-jähriger Syrer, der tagelang am Lageso bei Minusgraden im Schneematsch angestanden hat, nach Fieber, Schüttelfrost, dann Herzstillstand im Krankenwagen, VERSTORBEN.“

Am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales ist die Betreuung der Flüchtlinge nach wie vor chaotisch. Helfer fordern bessere Zelte.

  • Eine Ehrenamtliche des Vereins „Moabit hilft“ sagte der SZ noch am Mittwochmorgen, der Syrer habe über längere Zeit und mehrere Tage kein Geld für Essen gehabt, zuletzt habe er „ausgemergelt“ ausgesehen, er habe „schlimm gehustet“.

Ein Helfer hätte ihn daraufhin zu sich nach Hause mitgenommen, versorgt und schließlich einen Krankenwagen gerufen, da es dem Syrer zunehmend schlechter ging.

Der Mann, so hieß es in dem Facebook-Post der Gruppe, habe „39,4 Grad Fieber“ gehabt und nicht mehr sprechen können.

In einem Beitrag des Helfers hieß es: „Er ist gerade verstorben. Ich melde mich hiermit offiziell ab.“

Behörden suchen nach totem Syrer

Ganz unglaubwürdig klang die Geschichte nicht: Das Lageso steht seit Monaten in der Kritik, weil Flüchtlinge teils tagelang auf dem Gelände der Behörde ausharren müssen, um Anträge zu stellen. Der ehemalige Lageso-Chef Franz Allert war deshalb im Dezember zurückgetreten. Erst am Mittwochvormittag hatte die Senatsverwaltung mitgeteilt, daß die Situation am Lageso wegen eines hohen Krankenstandes der Mitarbeiter „besonders angespannt“ sei.

Der Facebook-Post des Mannes löste eine intensive Suche nach dem vermeintlichen Toten aus. Polizei, Feuerwehr und die Berliner Gesundheitsverwaltung klapperten sämtliche Krankenhäuser ab: Der Tote blieb verschwunden. Eine Sprecherin der Gesundheitheitsverwaltung sagte der SZ am Mittwochnachmittag:

„Wir haben alle Aufnahmekrankenhäuser in Berlin abgefragt – in keinem hat sich der Fall bestätigt“.

Die Feuerwehr zeigte sich ratlos. Sie wird immer informiert, wenn ein Rettungswagen zum Einsatz kommt. Der Flüchtlingshelfer von „Moabit hilft“ hatte angegeben, er habe den Notruf gegen 2.11 Uhr abgesetzt.

Die Feuerwehr hat nach Angaben eines Pressesprechers aber weder für die von dem Helfer genannte Straße, noch für umliegende Seitenstraßen einen Rettungsdiensteinsatz verzeichnet – die gesamte Nacht über nicht.

„Er will seine Ruhe“

Am Nachmittag beantworteten Mitglieder des Netzwerks „Moabit hilft“ vor dem Lageso Fragen. Nur der Mann, der den 24jährigen Syrer ins Krankenhaus gebracht haben sollte, fehlte.

„Er hat sich in seiner Wohnung eingesperrt und öffnet die Tür nicht“, berichteten die Helfer dem Tagesspiegel zufolge.

Er wolle jetzt seine Ruhe haben, habe er in SMS geschrieben. In der RBB-„Abendschau“ betonte eine Sprecherin des Bündnisses noch, man habe derzeit keinen Anlaß, die Angaben des Mannes anzuzweifeln. Der Mann sei sehr vertrauenswürdig Der Berliner Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte hingegen in der Sendung, es gebe keine Hinweise darauf, daß es einen Toten gegeben habe.

„Und darüber sind wir auch froh.“ Mit Blick auf den Mann, der die Nachricht ins Rollen brachte, sagte Czaja: „Ich bin nicht der Auffassung, daß man zu Vorverurteilungen oder Allgemeinverurteilungen kommen sollte, wenn eine Person etwas getan hat, das für uns schwer verständlich ist.“

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