Löhne sinken kräftig in Moskau und St Petersburg

Die Öllager weltweit sind derzeit gut gefüllt - es herrscht ein Überangebot am Markt.

Wie schnell sich die Zeiten ändern. Rußlands Präsident Wladimir Putin hatte Mitte Dezember noch betont zuversichtlich verkündet, der Höhepunkt der Wirtschaftskrise sei erreicht. Die Lage stabilisiere sich.

Doch der Ölpreis stürzte weiter von einem Tief zum anderen. Und so vollzieht der Kreml eine Kehrtwende.

Rußland müsse sich wirtschaftlich auf das Schlimmste vorbereiten, sagt Premier Dmitri Medwedew nun.

Das scheint keineswegs rhetorische Übertreibung zu sein.

  • Um 3,7% ist Rußlands Wirtschaft angesichts des fallenden Ölpreises bereits im vergangenen Jahr geschrumpft.
  • Und in diesem Jahr wird die Rezession wohl weitergehen. Die Regierung geht offiziell zwar noch von einem Plus von 0,7% aus – doch Internationaler Währungsfonds, Weltbank und
  • die russische Zentralbank sagen einen weiteren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts voraus.

Intern scheint sich Rußlands Führung von den optimistischen Vorhersagen verabschiedet zu haben. Die Defizitlatte für den Haushalt in Höhe von 3% der Wirtschaftsleistung wird klar gerissen, schließlich hat der Staat mit einem Ölpreis von 50 Dollar je Faß kalkuliert. Derzeit pendelt er um die Marke von 30 Dollar.

„Es ist zu befürchten, daß er auf 15 bis 20 Dollar absackt“, sagt Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew.

Der russische Staat bezieht etwa die 1/2 seiner Einnahmen aus dem Öl- und Erdgassektor.

  • Die Ministerien wurden Ende Dezember dem Vernehmen nach angewiesen, Sparprogramme auszuarbeiten und bis kommenden Freitag dem Premierminister vorlegen.
  • Verschiedenen Medienberichten zufolge müssen in jedem Bereich 10% eingespart werden
    • ausgenommen nur einige heilige Kühe wie
      • Rentenzahlungen oder
      • die Bezüge für Angestellte des Staats.

Sollten Sparmaßnahmen tatsächlich in der kolportierten Höhe durchgesetzt werden, wäre das für die ohnehin schwächelnde Wirtschaft ein schwerer Schlag.

„Es hängt alles vom Öl, vom Öl und vom Öl ab“, sagte Oleg Kouzmin, Ökonom bei Renaissance Capital in Moskau, der „Financial Times“.

Ein Ende der Krise sei nicht in Sicht.

Seitdem Putin im Jahr 2000 erstmals zum Präsidenten gewählt wurde, ist es ihm nicht gelungen, die russische Wirtschaft von der Abhängigkeit vom Öl zu befreien.

Das bekommen weite Teile der Bevölkerung zu spüren.

Ermäßigungen und Zuschüsse für Ärzte, Lehrer, Eltern oder Arbeitslose wurden gekürzt oder ganz gestrichen.

Dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut VTSIOM zufolge

  • beurteilen 24% der Russen ihre finanzielle Situation als „schlecht“.
  • Lediglich 27% sind der Meinung, daß sich ihr Leben in diesem Jahr verbessern wird.
  • 39% der Russen können demnach entweder nicht ausreichend Lebensmittel oder Kleidung zu kaufen.

Der fallende Ölpreis zieht den Rubel in die Tiefe, das heizt die ohnehin sehr hohe Inflation in Rußland weiter an. Sie lag im November bei 15%. Die Zentralbank ist so gezwungen, den Leitzins weiter hoch zu halten.

  • Im September und Oktober hatte sie ihn in 5 aufeinanderfolgenden Schritten auf 11% gesenkt.

Für eine Wirtschaft, die in der Rezession steckt, sind hohe Zinsen tendenziell schädlich. Sie wirken indes anti-inflationär.

Die Reallöhne lagen in 2015 um 9,2% niedriger als im Vorjahr.

  • Die Pensionen sinken; im Herbst lagen sie real 4,1% niedriger als im Jahr zuvor.

Dennoch ist fast die 1/2 der Russen davon überzeugt, daß sich ihr Land insgesamt positiv entwickelt.

Und der Beliebtheit von Putin schadet die Krise kaum:

Etwa 80% der Russen sind mit WWP zufrieden.

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