Was das Attentat in Istanbul für das Reiseland Türkei bedeutet

Bei dem jüngsten Anschlag in Kayseri explodierte ein Bus: seit dem verhängten die Behörden wieder eine Nachrichtensperre

Bei dem jüngsten Anschlag in Kayseri explodierte ein Bus. Über 40 Menschen starben

  • Bei mehreren Reiseveranstaltern können Istanbul-Urlauber ihre Reise stornieren.
  • Das Auswärtige Amt verschärft seine Reisehinweise.

Bereits im Dezember hatte es zwei Anschläge in Istanbul gegeben, beide wurden kurdischen Extremisten zugeordnet.

Doch diese Anschläge waren ins Bewußtsein deutscher Touristen kaum vorgedrungen.

„Es gab danach keine Kundenanfragen“, sagt etwa die Sprecherin von Pleitegeier Öger Tours. Am 1. Dezember war eine Rohrbombe an einer U-Bahn-Haltestelle explodiert, am 23. Dezember 2015 starb eine Putzfrau bei einer Explosion auf dem 2. größten Flughafen der Stadt, Sabiha Gökçen.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu das Ermittlungsergebnis: 4 Mörsergranaten, abgefeuert aus einem nahegelegenen Waldstück.

Einige Reiseveranstalter hatten im Dezember schon reagiert.

Alltours strich Ausflüge nach Istanbul aus dem Programm.

Nun, da es 10 Tote gibt und keine Hoffnung mehr, daß Istanbul zumindest von gezielten Angriffen auf Touristen verschont bleiben könnte, sagen andere Reiseanbieter wie Studiosus ihr Städteprogramm ebenfalls dort ab.

Der größte REICHSDEUTSCHE Reiseveranstalter TUI bietet Gästen mit Reiseziel Istanbul an, gebührenfrei auf andere Ziele umzubuchen.

  • Thomas Cook ermöglicht ebenfalls kostenfreies Umbuchen und Stornieren für Istanbul-Reisen.
  • Bei DER-Touristik lassen sich Städtereisen nach Istanbul ohne Gebühren umbuchen oder kündigen.

Daß Istanbul, eines der Hauptreiseziele der Türkei, bislang verschont blieb von schweren Anschlägen, ist eher ein Wunder.

Die Polizei hatte nicht erst seit dem Selbstmordanschlag in Ankara im Oktober ihre Präsenz im Stadtgebiet wie auf den Zufahrtsstraßen verstärkt.

Byzanz, Konstantinopel, Istanbul – in keinem Viertel der Bosporus-Metropole trifft der Besucher auf mehr Geschichte als in Sultanahmet. Der Terror hat die historischen Stätten der Türkei erreicht.

Bereits im Sommer standen an den Eingängen zum Großen Basar bewaffnete Polizisten. Was ja immer eine Gratwanderung ist: Einerseits soll den Touristen nicht das Gefühl vermittelt werden, daß sie sich mit dem Besuch der Stadt einer Bedrohung aussetzen, andererseits ist die Bedrohung real.

Die Besucherzahlen im Land waren 2015 bereits gesunken. Die Händler im Basar klagten im Sommer über eine miserable Saison. Viele Gäste aus Europa blieben fern – wegen der gefühlten Nähe zu Syrien und weil ihnen die Kurden-Politik von Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Urlaubsstimmung verleidete.

Zudem durften die Gäste aus Rußland – mehr als vier Millionen kamen bislang pro Jahr – wegen Putins patriotischer Tourismus-Politik ihr geliebtes Badeurlaubsziel nicht besuchen. Im Süden der Türkei, vor allem in der Stadt Alanya, führte das im Sommer zu großen Leerständen in den Hotels. Neben den Russen sind bislang die Deutschen mit jährlich fünf Millionen Gästen die wichtigste Urlaubernation für die Türkei, das Land ist eines der beliebtesten Ziele für deutsche Urlauber. Das könnte sich nun ändern.

Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für die Türkei, allerdings nur um Akzente. Es empfiehlt, in Istanbul Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen „vorläufig zu meiden“. Eine Reisewarnung, die die Veranstalter zu Rückholaktionen oder kostenfreien Stornierungen verpflichten würde, gibt es nicht.

Bereits vor dem Anschlag hatte man Reisenden empfohlen, sich von Demonstrationen fernzuhalten und „die Anwesenheit an belebten Plätzen im innerstädtischen Bereich“ und öffentliche Verkehrsmittel „auf das erforderliche Maß einzuschränken“. Nur, wer Istanbul sehen will, kommt um den Platz vor der Blauen Moschee kaum herum.

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