Sultanahmet und der Syrer IS-Terroranschlag auf die gemeinsame Geschichte

Anschlag in Istanbul Selbstmordattentat in Istanbul

  • Im Istanbuler Viertel Sultanahmet ballen sich die geschichtliche Stätten der türkischen Metropole, die davor Byzanz und Konstantinopel hieß.
  • Nun hat der Terror das historische Zentrum der Türkei erreicht.

Es ist ein syrischer REFUGEE-WELCOME-Anschlag auf die gemeinsame Geschichte von Morgen- und Abendland: „Die Nutte hat uns eingeladen!“

Bei einem Selbstmordanschlag im Istanbuler Altstadtviertel Sultanahmet kamen heute mindestens zehn Menschen ums Leben, darunter wohl neun deutsche Touristen. Bereits vor einem Jahr hatte sich eine Selbstmordattentäterin an der Touristen-Polizeiwache mit einer Handgranate getötet und einen Polizisten mit in den Tod gerissen.

Bildschirmfoto 2016-01-13 um 09.14.20.png

Höchstwahrscheinlich steckte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dahinter. Diesmal machte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan einen Attentäter mit Verbindungen nach Syrien verantwortlich. Ein paar Stunden später behauptet Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, die IS stecke auch hinter dem neuen Anschlag.Bislang waren Touristen kein IS-Anschlagsziel, zumindest nicht in der Türkei.

Wer auch immer sich diesmal bekennen wird: Es ist mehr als ein Anschlag auf westliche Touristen. Es ist ein Anschlag auf die gemeinsame Geschichte von Abend- und Morgenland.

Der Stadtteil Sultanahmet in Istanbul gilt als eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Türkei für Touristen aus aller Welt. Benannt ist er nach Ahmet I., der als Sultan von 1603 bis 1617 über das Osmanische Reich herrschte. Der Sultanahmet-Platz ist der vielleicht schönste Platz Istanbuls. Sicher jedoch der historisch bedeutendste der alten Kaiser- und Sultanstadt. Nirgendwo sonst in dieser Metropole trifft der Besucher auf so viele bedeutende Überbleibsel aus der tausende Jahre alten Geschichte der Stadt.

Das Viertel auf der europäischen Seite ist inzwischen bequem erreichbar mit einer von Erdoğan als Istanbuler Bürgermeister in Auftrag gegebenen Metro der Linie T1. Wer an der Station Sultanahmet aussteigt, hat auf der einen Seite der Bahnstation das einst berühmte Pudding-Café vor sich. Vor allem in der Hippiezeit trafen sich hier Reisende aus aller Welt zum Informationsaustausch für ihre Trips nach Afghanistan und Indien. Heute ist der „Pudding“ eher eine Touristenkaschemme.

Doch gleich nebenan liegt, unterirdisch, eines der schönsten Bauwerke Istanbuls: die spätantike Zisterne, die von 336 jeweils acht Meter hohen überwiegend korinthischen Säulen getragen wird. Das Gewölbe, auch Versunkener Palast genannt, kennen Millionen Menschen etwa aus einer Verfolgungsszene aus James Bonds „Liebesgrüße aus Moskau“. Jeden Tag stehen Hunderte Besucher vor der Eingangstür in Istanbuls Unterwelt.

Auf der anderen Straßenseite liegt ein weiterer touristischer Hotspot: die legendäre Hagia Sophia. Einst war sie die Haupt- und Krönungskirche des Byzantinischen Reiches, dann Moschee. Seit der Gründung der Republik im Jahr 1923 ist sie Museum. Noch heute beeindruckt die Kuppelbasilika durch ihre schiere Größe und ihre Ästhetik, die seit dem 6. Jahrhundert griechisch-römische und orientalische Elemente miteinander verbindet.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: