تحرش جماعي – Taharrush gamea

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Taharrush gamea

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Taharrusch gamea, (arabisch ‏تحرش جماعي‎, DMG Taḥarruš ǧamāʿī ‚gemeinschaftliche Belästigung[1]‘) ist ein koordiniertes Vorgehen mehrerer Männer zu sexuellen Übergriffen an Frauen bei Menschenansammlungen im öffentlichen Raum. Das Vorgehen hat sich auch insbesondere unter männlichen Jugendlichen verbreitet. Es ist seit 2011 im Zusammenhang mit der Revolution in Ägypten auch international bekannter geworden. Bei den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 trat das Tatmuster vor allem in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern in öffentlichkeitswirksamer Weise auf.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge in Ägypten

Das Phänomen wurde zunächst vor allem in Ägypten beobachtet und wurde dort als Taktik von Regierungsseite und Sicherheitskräften wahrgenommen, um Demonstrationen von oppositionellen Frauen zu stören. Der Überbegriff “’Taharrush“‘ war im Arabischen ursprünglich vor allem als Bezeichnung der individuellen Belästigung (auch etwa von Minderjährigen) verbreitet.[2] Erst seit den 2000er Jahren wird unter dem Begriff der zuvor eher wenig relevante Gruppenaspekt miteinbezogen.[2]

Im Frühjahr 2005 wurden ägyptische Frauenrechtlerinnen, die sich gegen die 2005 geplante Verfassungsabstimmung zur Direktwahl des Präsidenten wandten, in der Innenstadt Kairos von Polizisten und „baltigiyya,” vermutlich staatlich angeheuerten agent provocateurs angegriffen und misshandelt; das Ereignis wurde als Schwarzer Mittwoch bekannt.[2] Julia Gerlach sieht solche Angriffe in Ägypten als schon länger etabliertes politisches Mittel, um Aufstände zu bekämpfen: „Dazu wird sexuelle Belästigung in Ägypten schon seit Jahrzehnten eingesetzt. Zivilpolizisten mischen oft Demonstrationen auf, fassen Frauen in die Hose oder reißen ihnen die Kleider weg.“[3]

Ein in Ägypten sehr prominentes Beispiel für gemeinschaftlich in der Öffentlichkeit verübte sexuelle Übergriffe ereignete sich während des Feiertags zum Fastenbrechen 2006, bei dem eine Gruppe junger Männer, nachdem sie vor einem ausverkauften Kino abgewiesen wurden, Frauen und Mädchen in der Innenstadt belästigten. Die von den staatlichen Autoritäten zunächst ignorierten Vorkommnisse wurden von ägyptischen Bloggern wie Wael Abbas und Malek X. E bekannt gemacht und kritisiert.[2] Claudia Froböse sieht die Gründe für die Angriffe als teilweise ungeklärt.[4]

Sexuelle Gewalt am Tahrir-Platz ab 2011

Das Phänomen dieser Gruppenaktionen wurde 2011 bei den politischen Massendemonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz beobachtet und international thematisiert.[5] Dabei wurden Frauen auf Demonstrationen umringt und angegriffen, oder unter Gewaltandrohung in Seitenstraßen und Restaurants verbracht. Teilweise wurde Kleidung zerschnitten oder entrissen; dasgleiche passierte auch Begleitern und Passanten, die sich gegen die Behandlung wehrten.[2] Neben zahlreichen ägyptischen Demonstrantinnen wurden zwischen 2011 und 2013 auch mehrere ausländische Journalistinnen Opfer von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen im Umfeld des Tahrir-Platzes.[6][7][8] Das erste bekannte Opfer war die südafrikanische Fernsehjournalistin Lara Logan, die am 11. Februar 2011 als CBS-Chefkorrespondentin über die Massenfeiern zum am Vortag erfolgten Rücktritt Präsident Hosni Mubaraks berichtete, als sie von rund 250 Männern von ihrem Team getrennt und anschließend geschlagen und sexuell misshandelt wurde. Der Vorfall erregte internationale Aufmerksamkeit, US-Präsident Barack Obama sprach dem Opfer persönlich seine Anteilnahme aus.[9][10]

Öffentliche Thematisierung

In Ägypten werden sexuelle Übergriffe in der Öffentlichkeit seit der Revolution 2011 deutlich öfter beobachtet, sind aber auch Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Gegenbewegung, die unter dem vorigen Regime undenkbar gewesen wäre.[11][12] Nicht nur das Phänomen selbst, auch die Gegenbewegungen, etwa das Internetportal HarassMap.org, sind bereits im wissenschaftlichen Diskurs angekommen und teilweise kontrovers diskutiert worden.[13] Schlagzeilen in Ägypten machte der Umgang der Sicherheitsbehörden mit Demonstranten am 9. März 2011, einen Tag nach dem Internationalen Frauentag. Dabei wurde eine Reihe von ägyptischen Aktivistinnen nach einer Demonstration auf dem Tahrir-Platz verhaftet und einem zwangsweisen Jungfräulichkeitstest unterzogen (kashef el-ʿadhariyya). General Abd al-Fattah as-Sisi, der spätere Militärputschführer und Staatspräsident, ging soweit, das Vorgehen öffentlich zu rechtfertigen, man habe dies tun müssen, um die Polizei vor Vergewaltungsvorwürfen zu schützen.[2] Einige Vorkommnisse wie das Mädchen mit dem blauen BH (Blue Bra oder Tahrir Girl, Sit al Banat) – ein Handyvideo zu einer solchen Misshandlung – oder die Stellungnahme zur brutalen Vergewaltigung der Musikerin Yasmine el-Baramawy, wurden über soziale Medien in Ägypten weit verbreitet und thematisiert.[2] Die finnische Islamwissenschaftlerin Susanne Dahlgren betonte in einer von einer lokalen Boulevardzeitung zitierten Stellungnahme, das Phänomen sei nicht auf unverschleierte Frauen beschränkt.[14] Das Mädchen mit dem blauen BH hatte eine Abaya getragen.[2]

Samira Ibrahim (wie el-Baramawy) wurden auch dafür bekannt, sich mutig und öffentlich zu dem beschämenden Vorgehen zu äußern und im Falle Ibrahims engagiert juristisch auch gegen Regierungsstellen vorzugehen.[2] Einige der bei Abdelmonem genannten Qellen gehen soweit, das Phänomen als politisch gewolltes [15] Phänomen in Mursis Ägypten darzustellen. Mohammed Mursi war 2012 bis zu einem Staatsstreich 2013 Staatspräsident Ägyptens und Vorsitzender der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, der politischen Partei der islamistischen Muslimbruderschaft. Die politische Instrumentalisierung der Angriffe durch die Muslimbrüder ging über die Ansätze des Militärs hinaus, da sie auch religiöse Motive mit einbezog, um die Betroffenen zu diskriminieren.[16]

Am Abend des zweiten Jahrestag der Revolution in Ägypten (25. Januar 2013) kam es, nach erneuten massiven Vorkommnissen bei der zugehörigen Demonstration, zu einer informellen Versammlung von betroffenen Frauen im Cafe Riche (in Talaat Harb nahe am Tahrirplatz). Diese entschieden sich, die Vorkommnisse öffentlich zu machen. Lamis El Hadidy, eine bekannte politische Fernsehanalystin und Anchorfrau widmete Anfang Februar 2013 eine komplette Fernsehsendung den Vorkommnissen. Es kam zu einer breiteren Koalition von politischen Gruppen und NGOs, die eine gemeinsame Erklärung gegen die Vorkommnisse (und deren mutmaßliche Hinterleute) herausbrachten. Vorher war dies nicht systematisch passiert, da die Opfer befürchteten, die Demokratiebewegung zu schwächen. Keine der islamistischen Parteien oder religiösen Organisationen beteiligte sich an der Erklärung.[17]

Gegenmaßnahmen

Gegenmaßnahmen beziehen ausdrücklich Männer mit ein. Aktivisten treten in gemischten Gruppen auf und machen auf Belästigung aufmerksam.[16] In gewisser Weise problematisch ist, dass die Unterstützer von Frauen ebenso von dem Phänomen betroffen attackiert werden. Frauen können sich ebenso nicht sicher sein, wer sie unterstützt oder bedroht. Teilweise kennzeichnen sich Antibelästigungspatrouillen bei größeren Veranstaltungen mit farbigen Westen.[16] Wichtig ist der Umgang mit den Bystanders, den Zuschauern beziehungsweise Passanten, deren Gleichgültigkeit nicht nur beklagt wird, sondern deren aktiver Einsatz gegen das Phänomen erst herbeigeführt werden muss. Entsprechende Bewusstseinsänderungen sollen unter anderem mit Schulungen und öffentlichen Ansprachen insbesondere der zunächst unbeteiligten Zuschauer herbeigeführt werden.[13] Abdelmonem zitiert dabei auch Arbeiten aus dem Umfeld der deutschen Heinrich Böll Stiftung[15] und dem (eigenständig finanzierten) Institute of Development Studies an der University of Sussex.[18][19], und nennt auch Erfahrungen aus dem Schulhofmobbing von Schülergruppen wie A Classmate in Distress. [20]

Mängel im ägyptischen Strafrecht

Das ägyptische Strafrecht enthält bei sexuellen Themen entscheidende Lücken, sowohl was die Regelungen zu Vergewaltigungen wie auch sexuelle Übergriffe angeht, und lässt insbesondere die Möglichkeit offen, das Opfer wegen Unzucht anzuklagen, wenn Zweifel an der mangelnden Freiwilligkeit aufgebracht werden.[21] Sexuelle Gewalt gegen Männer wird gar nicht behandelt.[21] Ein entsprechende Abänderung des Strafrechts, der Gesetzesvorschlag wurde von Amr Hamzawy mit unterstützt und auf den Weg gebracht, wurde abgelehnt. Azza al Garf, eine Parlamentarierin der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, machte die Betroffenen für die Vorfälle selbst verantwortlich,[22] ihr Kollege Reda Al Hefnawy sah die Behörden nicht in der Lage, Frauen zu schützen, die an Demonstrationen teilnahmen und sich freiwillig in eine Gruppe von Männern begäben.[22] Anzeigen der betroffenen Frauen verliefen im Sande, beziehungsweise wurden von der Staatsanwaltschaft auf unbestimmte Zeit verschoben.[17] Ein Arbeitspapier des Institute of Development Studies in Sussex schließt mit expliziten Handlungsempfehlungen an Regierungen, Spendenorganisationen und Zivilgesellschaft und sieht ein Forschungsinteresse zu politisch motivierter sexueller Gewalt nicht nur im Kriegsfall, sondern auch bei politischen Umbrüchen. Insbesondere Libyen, Tunesien und der Jemen böten sich für entsprechende Länderstudien an. [23]

Ähnliche Phänomene in anderen Ländern

Gegen das Eve-Teasing: Öffentliche Intervention einer Aktivistin des Blank Noise Projekts am Majestic Busbahnhof in Bangalore, 2003

In Indien ist das Eve teasing ein weitverbreitetes Phänomen im urbanen Umfeld und macht Frauen unter anderem die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Qual, durch Einzel- wie Gruppentäter. Extreme Ausschreitungen, wie die 2012 als Dehli Gang Rape bekanntgewordene Gruppenvergewaltigung mit tödlichem Ausgang in einem Fernbus, lösten landesweit und international Entsetzen und verschiedene Ansätze zu Gegenmaßnahmen aus.[24]

In den USA wurden im Jahr 2000 bei einer Parade zu Ehren der Puertoricaner in New York systematische Übergriffe auf Frauen bzw. Paare berichtet, die in einem Bereich der Großveranstaltung außerhalb des Central Parks, der von der Polizei wenig beachtet wurde, massiv belästigt und auch bestohlen, in zwei Fällen auch vergewaltigt wurden.[25] Das Vorgehen war von etwa zwei Dutzend jugendlichen Tätern vergleichsweise systematisch geplant worden: Sie wählten Opfer nach dem Aussehen aus, umringten sie, bespritzten sie mit Wasser, rissen ihnen Kleidungsstücke weg und belästigten sie.[26] Die Polizeitaktik wie das mangelnde Eingreifen einiger Beamter wie etlicher Zuschauer wurde in der Folge massiv kritisiert.[25]

Durch die sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/2016 erreichte das Thema eine große Resonanz auch in Deutschland bzw. in Europa, unter anderem durch eine Stellungnahme des deutschen Bundeskriminalamts.[27] Das Thema wurde auch in Finnland diskutiert.[14] In der Silvesternacht 2015/16 in Helsinki konnten geplante solche Übergriffe aus einer größeren Ansammlung von Menschen am Hauptbahnhof und dem Senatsplatz, darunter vergleichsweise vielen Asylbewerbern im Bahnhofsbereich, verhindert beziehungsweise deutlich reduziert werden. Die Polizei in Helsinki hatte bereits im Vorfeld Hinweise von der Migrationsbehörde bekommen und zeigte mit einem massiven Polizeiaufgebot Präsenz. Bereits im Vorfeld erfolgten gezielte Verhaftungen und Ingewahrmaßnahmen von Rädelsführern.[28]

Weblinks

Einzelnachweise

 

 

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